Es ist mir immer wieder ein Vergnügen, fröhliche Schrottkunst, praktische Möbel, spannende Lichtobjekte und kuriose Einrichtungsaccessoires aus Altmetall zu betrachten. Auge und Kopf lassen sich auf das Wechselspiel ein, den neuen Funktionszusammenhang zu ermessen und die Herkunft der Einzelteile zu eruieren. Rätsel werden gelöst, neue Betrachtungswinkel von Alltagsgegenständen werden geschärft und manchmal tut sich Freude auf ob der Erkenntnis, welche Schätze man noch unvermutet zu Hause auf dem Dachboden oder im Gartenschuppen hortet.
Martina Lauinger zeigt in ihrem Buch verschiedene Wege der gestalterischen Umsetzung auf: mal steht die Funktion im Vordergrund bei der Altmetallsuche, mal inspiriert die Form eines Fundstückes zu der Schöpfung von Mensch oder Tier, dann wieder fordert eine Schrottgruppe (z.B. Verkehrsschilder, Baggerzähne oder Heuzinken) auf, vielgestaltig umgearbeitet zu werden. In ihrem Praxisteil zeigt sie Wege der Realisation eigener Produkte auf. Sie verweist auf Sicherheitsvorkehrungen und technische Probleme, die einen Herstellungsweg hilfreich begleiten sollen, ohne zu suggerieren, dass das Nacharbeiten eines identischen Objektes möglich wäre, denn schließlich sind die Rohstoffe selten über Katalog bestellbar.
Allem vorangestellt ist ein ausführlicher Theorieteil. Er informiert über die unterschiedlichen Metallarten, deren Eigenschaften zur Korrosion und Möglichkeiten zur eindeutigen Schrott-Identifikation. Es folgen Unterweisungen in die Werkzeugkunde und detailliert beschriebene Lehrgänge zu Techniken des Trennens, Schleifens, Bohrens, Schweißens und Verbindens durch Löten, Schrauben und Nieten. Da die Metallbearbeitung in den allgemeinbildenden Schulen einen geringen Stellenwert hat, sind mir viele Fachbegriffe unbekannt, stehen mir die Werkzeuge und Maschinen nicht zur Verfügung stehen und erscheinen mir fast alle Techniken als höchst kompliziert. Die Autorin macht im Vorwort den AnfängerInnen Mut, aber sie empfiehlt dringend die Absolvierung eines Schweißkurses. Vielleicht sollte ich erst danach erneut zu dem Buch greifen, das bisher nur mein Auge erfreut hat, damit ich mich, die ich kundig bin im Umgang mit Textilien, Papier und Holz, dann ermutigt fühle, meine Ideen auch in Metall gestalterisch umzusetzen.