Ein gutes Album hat mindestens 12 Tracks, von denen man die Hälfte mehr als einmal erträgt. Diese Kriterien werden von "Alles rot" übererfüllt.
Anderthalb Jahrzehnte nach dem letzten Studioalbum "Paradies" beweisen die Musiker von Silly eindrucksvoll, dass sie Meister ihres Handwerks sind. Dass die neue Frontfrau Anna Loos den legendären Texter Werner Karma zurückgewinnen konnte, veredelt die 13 Kompositionen mit einer Sprachkunst, die die aufmerksamkeitsgestörte Generation Twitter wahrscheinlich überfordern wird.
Die Track-by-Track-Analyse überlasse ich gerne anderen. Zusammenfassend würde ich sagen, dass eingängige Balladen die rockigen Stücke dominieren, die Arrangements zeitgemäß und doch wiedererkennbar Silly sind und die Sängerin sich ins Klangbouquet einfügt, als wäre sie schon immer dabei gewesen.
Die Producer von Valicon, die unter anderem mit Silbermonds "Nichts passiert" das deutsche Album des Jahres 2009 ablieferten, haben einen exzellenten Job gemacht. Die Produktion klingt druckvoll, transparent, ausgewogen und dynamisch; gleichermaßen aktuell wie konservativ, was die sonst unseligerweise gängige Überkomprimierung bei aktuellen Rock/Pop-CDs betrifft.
FAZIT: Musik für Menschen, die das Zuhören nicht verlernt und das Denken noch nicht eingestellt haben.
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