Das Buch hat mich schwer beeindruckt. Es ist sehr einfach und für den Laien problemlos verständlich. Der Leser wird in die Welt der Zwangsstörung eingeführt: Der Autor beantwortet grundlegende Fragen wie "Was ist eine Zwangsstörung?" - und einige andere Fragen - zuerst, indem er Fallbeispiele anführt; das macht das Buch vor allem anschaulich.
Ich habe das Buch gekauft, weil ich selbst von einer Zwangsspektrumskrankheit betroffen bin, der Trichotillomanie (zwanghaftem Haareausreißen); diesem Aspekt der Zwangsstörung ist allerdings nur ein kleiner Teil gewidmet, denn das Buch behandelt in erster Linie "echte" Zwangsstörungen. Dennoch finden sich auch hier wieder anschauliche und gut verständliche Fallbeispiele.
Ein zentraler Punkt, der hier angesprochen wird, ist die Therapie. Die Fülle an Informationen zur medikamentösen UND verhaltenstherapeutischen Behandlung ermöglicht es dem Patienten und den Angehörigen, eine Einsicht in das zu gewinnen, was noch vor wenigen Jahren kaum bekannt war. Ich finde es überaus gelungen, daß Baer auch die therapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen anspricht.
Das Buch ist in erster Linie als Informationsquelle wertvoll, wenn man sich mit dem schwierigen Thema Zwangsstörung auseinandersetzen will. Doch hat Baer auch ein Buch geschrieben, daß hervorragend als praktischer Leitfaden zur "Selbsthilfe" geeignet ist: Baer beschreibt Techniken wie Entspannungsübungen und gibt Anleitungen, wie man sein Verhalten in den Griff bekommen kann. Das Buch beinhaltet sogar Fragebögen, nach deren Auswertung man seine eigene Strategie zusammenstellen kann.
Ich würde dennoch nicht sagen - oder sogar davor warnen - dieses Buch als Ersatz für psychotheraeutische Behandlung anzuerkennen. Dem Leser soll lediglich der erste Schritt zur Behandlung erleichtert werden, indem er sich selbst - oder andere - besser versteht. Und das ist dem Autor bestens gelungen.