Dieses Buch spricht einem aus der - meist ruhelosen - Seele. Früher musste einfach alles nur schneller gehen bis wir gemerkt haben, eigentlich stehen wir doch die meiste Zeit im Stau. Scheinbar sind wir am Ende der Beschleunigung angelangt und versuchen jetzt, in der gleichen Zeit immer noch mehr zu erledigen. Im Beruf haben wir uns längst daran gewöhnt, aber mittlerweile leiden wir sogar in unserer Freizeit unter Termindruck.
Karlheinz Geißler beschreibt die Prozesse der Verdichtung unseres Alltags in seinem Buch sehr genau, aber immer auch kurzweilig und amüsant. Z.B. wie wir seit der Erfindung der Uhr versucht haben, Ordnung in die Zeit zu bringen und wie uns in einer postmodernen und unsicheren Welt diese lieb gewonnenen Ordnungen langsam wieder abhanden kommen.
Dabei sind es nicht nur die historischen Beispiele, die Anlehnungen an Kunst und Literatur, die dieses Buch besonders lesenswert machen. Es ist auch der präzise Blick des Autors auf unseren Alltag, auf die kleinen und großen Ereignisse in Wirtschaft und Politik sowie Anregungen für unser zukünftiges Leben, für unser Arbeiten und Lernen.
Es empfiehlt sich daher, dieses Buch dann nicht zu lesen, wenn man gleichzeitig noch etwas anderes zu erledigen hat. Wenn man aber Zeit hat, empfiehlt es sich umso mehr. Und machen Sie dies nicht am Blick auf Ihre Uhr fest. Denn so viel ist sicher: Noch keine Uhr der Welt hat je die Zeit erklärt und es „gibt ... Erkenntnisse und Erfahrungen, die nur die Abwesenheit der Uhr und ihrer Zeitansage bieten können" (S. 77).