Meiner Vorrednerin Sab Schönmayr gebe ich recht. Auch ich empfinde alles bis zu Teil drei als unnötig aufgeblasen. Unser Held leidet und das wissen wir allmählich. Anouk war etwas ganz Besonderes und ist jetzt tot. Auch das wissen wir. Und daß SIE und die gemeinsame Vergangenheit es sind, die unseren Helden leiden lassen, wissen wir auch und es ist ok. Das alles darf man erzählen, auch ausführlich, aber irgendwann ist es gut.
Was ich allerdings wirklich gerne wissen möchte - weshalb dieses sprachliche Schwipppschwapp? Nichts Halbes, nichts Ganzes. Einwortsätze, Viertelsätze, selten einmal ein ganzer. Dazwischen viel Atonales. Pfff...
Das mindert das Vergnügen an der ohnehin recht einfach und flach daher kommenden Geschichte: Charles, Mitte vierzig, erinnert sich der besseren Zeiten in seinem Leben, wirft die Gegenwart von sich, leidet fortan, wird aber am Ende mit einer Gutmensch-Frau namens Kate belohnt, die auch den Gutmenschen in ihm herauskitzelt, bis schließlich das Leben die verdiente Gerechtigkeit serviert und alle very happy sind. Nichts, was ich "a sparkling Story" - um es in der Sprache der Autorin zu sagen - nennen würde.
Anna Gavaldas Fähigkeit, viel Anrührendes, Erheiterndes und Wahrhaftiges in wenig Worte zu packen ("Ich habe sie geliebt", insbesondere), habe ich seit jeher bewundert. Doch das hier ist entschieden zu dürftig, zu banal, zu fransig.
Aber jeder darf mal irren - ich hoffe einfach auf den nächsten Roman.