Ich kann mich den bereits vergebenen Rezensionen nicht anschließen. Auf mich hat der Roman gänzlich anders gewirkt und mir eine andere Meinung beschert. Aber Geschmäcker sind Gott sei Dank verschieden. Berechtigungen haben sie alle, ob nun gut oder schlecht.
Dieser Roman hat wirklich Parallelen zum Pferdeflüsterer, wie es auch auf dem Cover niedergeschrieben steht. Dieses Buch ist auch auf seine Art unvergesslich. Die Story eine völlig andere, aber ebenso ergreifend und mit Tücken versehen.
Sara Gruen hat die Ich-Perspektive ausgewählt und sie meisterhaft umgesetzt. Die Protagonistin Anna ist durchweg charakterlich authentisch. Sara Gruen hat mit Anna eine Figur erschaffen, die sich stets treu bleibt, Macken und Fehler hat und doch so besonders ist. Man lernt sie kennen und lieben und zum Schluss sogar schätzen. Sie meistert zwar keine Turniere mehr, aber die Hürden des Lebens besteht sie auf einem turbulenten, traurigen, ergreifenden, gefährlichen Parcours.
Der Plot ist inhaltlich sehr ausgereift und es ist nicht eine einzige Länge drin. Durchweg flüssig erzählt. Spannung, Dramatik, Tragik, Sensibilität, Alltag und in den Dialogen auch mal Humor, trotz des ernsten Themas.
Die Pferde spielen die ganze Zeit über eine wichtige Rolle, aber die Autorin spannt alle Figuren ein, alle Schauplätze und füllt die Lücken, so dass ein vielschichtiger Roman entstanden ist für Frauen, für Pferdefreunde, für Unterhaltungsliebhaber.
Dieses Debüt ist der Autorin mehr als gut gelungen, meiner Meinung nach. Die Sprache ist klar und ehrlich, zuweilen ergreifend und entsetzlich, dann packt sie einen wieder und schleudert einen angewidert zurück.
Im Grunde steht eine Tragödie am Anfang, die etliche kleine Tragödien folgen lässt und an Dramatik kaum zu überbieten ist, sowohl die von Menschen, als auch die von Pferden. Die Fäden lösen sich alle auf und zwar ohne vorher schon den Ausgang zu verraten, ohne zu sehr ins Klischee zu gehen, ohne zu übertreiben oder zu untertreiben, ohne abzukupfern oder was auch immer.
Nun, ich als Pferdewirtin muss natürlich begeistert sein, möchte man jetzt sagen. Nein, ich habe durchaus schon schlechte Pferdebücher gelesen. Die Szenenbeschreibungen der Pferde sind wunderbar, richtig und herzlich. Man spürt, riecht und fühlt das Pferd durch Anna.
Dieses Buch bekommt von mir definitiv ***** Sterne und gehört ab sofort mit zu meinen Lieblingsbüchern, ganz klar. Und ich möchte nochmal betonen, nicht wegen des Pferdethemas, sondern weil Saran Gruen es geschafft hat, meiner Meinung nach, in allen Bereichen eine klasse Autorin abgegeben zu haben, die ihr Handwerk versteht!
Und nun viel Spaß beim Lesen!