Mir ist das Buch empfohlen worden (allein wäre ich nicht darauf gekommen) und habe es mit sehr viel Gewinn gelesen. Als ich herausfand, dass der Autor Soziologe ist, war ich zunächst recht skeptisch, da ich befürchtete, es mit seitenlangen elegischen Abwägungen und Abgrenzungen gegenüber anderen Auffassungen zu tun zu bekommen.
Bereits auf Seite 9 hieß es dann aber: "Zwischen all diesen Theoretikern gibt es natürlich auch schwerwiegende Meinungsverschiedenheiten, denen ich aber nur wenig Aufmerksamkeit schenken werde. Man mag nun einwenden, dass zu einer profunden Analyse auch eine Auseinandersetzung mit den Punkten gehört, an denen sich diese Theorien als inkompatibel erweisen. Mit diesem Argument kann ich jedoch nichts anfangen." Und genau damit hatte er mich dann als Leserin gewonnen.
Theoretische Grundlage des Büchleins sind die Arbeiten Ulrich Becks zur
Risikogesellschaft bzw.
Weltrisikogesellschaft, mit denen ich mich zwar auch schon vorher einmal kurz auseinandergesetzt hatte, doch hier bekam ich wesentliche Aspekte an einem ganz konkreten Anwendungsfall (Finanzkrise) knapp und gut erläutert. Und: Ich halte den Ansatz für äußerst fruchtbar, schließlich wird hierdurch besonders deutlich, dass die Finanzkrise sehr viel mit dem Versuch zu tun hat, Risiken zu beherrschen, die möglicherweise auf der globalen Ebene gar nicht mehr beherrschbar sind.
Die spezifische Darstellung des Ablaufs der Finanzkrise ("Was ist schiefgegangen?") fand ich informativer und mitunter auch einleuchtender als in vielen eher wirtschaftswissenschaftlichen Büchern, die ich bereits dazu gelesen habe. Sie geht trotz ihrer Knappheit ausreichend in die Tiefe.
Ich kann das Buch nur empfehlen. Vielleicht sollte ich bei zukünftigen Rezensionen noch eine "Auch für Naturwissenschaftler geeignet"-Plakette vergeben. Dieses Buch hätte sie bekommen.