Der Zeitforscher Karlheinz A. Geißler wägt sehr kritisch die Vor- und Nachteile unserer 'unentbehrlichen' kleinen Helfer ab. Denn meistens bewirken sie statt einer Entlastung eine unheilvolle Beschleunigung des Alltags. Statt Zeit für eine gute, liebevoll aufgebrühte Tasse Tee und ein ebenso gutes Gespräch während des Konsums derselben aufzuwenden, frönen wir lieber der hektischen Betriebsamkeit und Oberflächlichkeit des Internets oder verfolgen simultan vier Fernsehprogramme. Da wir wichtig sind oder uns zumindest dafür halten, müssen wir natürlich überall und immer mit dem Handy erreichbar sein und berauben uns so der letzten kleinen Atempausen und Zeitoasen.
Es ist gar nicht schwierig, die nur scheinbare Zeitersparnis durch so manches Konsumgut zu entlarven. Da verwundert es nicht, dass der Autor oftmals einen satirischen Stil einsetzt und stark pointiert auf Absurditäten hinweist. Wer dem Alltagstechnisierungswahn verfallen ist, wird Geißler vermutlich als fortschrittsfeindlich einstufen - und liegt dabei recht weit daneben. Sonst hätte Geißler auch die Erfindung der Waschmaschine gegeißelt (das Wortspiel sei angesichts der Vorliebe des Autors für ebensolchen Stil erlaubt). Ihm geht es um die Enthüllung der Tatsache, dass unser "Simultanten-Lifestyle" die Lebensqualität einschränkt und nicht etwa erhöht. Gleichzeitig zu bügeln, im Fernsehen per Videotext die Börsenkurse zu verfolgen und ein Krimi-Hörbuch zu konsumieren - das ist in der Tat Stress, kein Zeitmanagement.
Abgesehen von diesem Aspekt bietet das Buch auch interessante und originelle Ausflüge in die Geschichte der einzelnen Konsumgüter, denn wer weiß schon, welch erstaunliche soziokulturelle Bedeutung dem guten alten Taschentuch beschieden war, bevor das "Tempo" es verdrängte, dass der Teebeutel eigentlich aufgrund eines Missverständnisses entstand, und wie "Liebig's Fleischextrakt" zum Vater des "Instant Food" wurde.
Die Lektüre des klassisch-hochwertig aufgemachten Buchs lohnt sich somit in mehrfacher Hinsicht, sofern der Leser den Mut hat, sich mitunter einer bissigen, ironischen Kritik seiner lieben Gewohnheiten auszusetzen.