...so leiten Herrenmagazin ihr mittlerweile zweites Album ein. Diejenigen, die vom ersten Album begeistert waren, mussten lange auf eine Fortsetzung der musikalischen Offenbarungen der Hamburger warten. Gleich vorweg, es ist ihnen ein sehr gutes Album gelungen! Die stampfenden Rhythmen und Beats und die nölende Stimme von Deniz Jaspersen klingen nach ehrlichem Indierock aus Deutschland. Ehrlichkeit, die längst rar geworden ist in der plastikverpackten, auftoupierten Welt der castingorientierten Musikindustrie. Herrenmagazin blicken unter die Kruste der Oberflächlichkeit, leuchten mit funzeligen Gitarren und brüchigen Stimmen in die finstren Winkel der Seele und finden das abnormale Normale, die Verletzlichkeit und die Abgründe. Sie vermeiden es dabei aber Floskeln der alltäglichen "Empfindlichkeitsscheiße" von sich zu geben, sie wirken nicht kitschig, sondern aufrichtig: "Die Kadaver auf den Seitenstreifen/Und Gespenster in den Autos/Die ganze Stadt gepflastert mit Leichen/Wir steigen drüber und lachen laut los". Die punkig-rotzige Allüre ist ihnen erhalten geblieben, ein Dagegen-Sein und doch verstehen und nebenbei wird ganz selbstverständlich Nietzsche zitiert: "Ich glaube Gott hat diese Erde verlassen/Ich glaube noch eher, es gibt ihn nicht". Das Ernsthafte der Songs ist allerdings immer mit einem Augenzwinkern versehen, die Ausweglosigkeit der Existenz an positive Kehrtwendungen gekoppelt. Herrenmagazin ist verkopften Indiemusik, die vorwärts geht und Spass macht. Nachdem Bands wie Kolossale Jugend, Blumfeld und Tomte die Segel gestrichen haben wächst in Hamburg eine dritte Generation der sogenannten "Hamburger Schule" heran, die deutschsprachige Musik einen intellektuellen Anstrich verpasst (ohne altklug zu wirken) und sich somit von mauen Teenie-Bands wie Revolverheld, Fotos oder Madsen abgrenzt. Nach mehrmaligem Durchhören des Neuen Albums: Absolute Kaufempfehlung, man findet immer neue Momente, immer neue Textphrasen, die ein Wiederanhören rechtfertigen - es gibt viel zu entdecken! Und am Ende bleiben doch mehr Fragen als Antworten...