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Alles Boulevard: Wer seine Kultur verliert, verliert sich selbst Gebundene Ausgabe – 15. April 2013

3.7 von 5 Sternen 21 Kundenrezensionen

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Produktinformation

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Brillant, kühn und extrem kontrovers.«
El Mundo 17.12.2012

»Selten ist eine so entschlossene Philippika gegen den aktuellen Lärmbetrieb gehalten worden.«
Matthias Matussek, DER SPIEGEL 16/2013

»Die Streifzüge durch unser Zeitalter, in die unreflektierten Abgründe der Gesellschaft und in die verherrlichten Niederungen des Boulevardbetriebs sind unterhaltend zu lesen und bestürzend in der Einsicht. Aufklärerisch wie in seinen grossen Romanen, räumt Mario Vargas 110sa mit allen Beschönigungen auf, welche den globalen Unterhaltungsbetrieb verharmlosen und ihn frivol als Fortschritt verkaufen wollen.«
Pia Reinacher, Weltwoche 18/13

»Der Essay [ist] eine lohnende Lektüre, weil er in konziser Form und Fülle den Blick auf unsere Gegenwart richtet und dazu auffordert, genauer hinzusehen, manchmal auch einfach wegzusehen und überhaupt wieder den Mut aufzubringen, zu unterscheiden - und zu bewerten.«
Katja Gentinetta, Neue Zürcher Zeitung am Sonntag 28.04.2013

»Vargas Llosa legt mit seiner weitreichenden Kultur- und Medienkritik die Finger in die Wunde einer von Technik und Machbarkeit berauschten Gesellschaft, die den Sinn für vieles verloren hat, was den Wert der Kultur von einst ausmachte.«
Katrin Krips-Schmidt, Die Tagespost, Würzburg 04.05.2013

»... die Leidenschafr und Ernsthaftigkeit ist in jeder Zeile seiner Analyse zu spüren.«
Julian Schütt, Basler Zeitung 29.04.2013

»Es handelt sich erwartungsgemäß um kenntnis- und gedankenreiche, fein geschliffene, auch wortgewaltige Texte. Der gewichtigste Grund allerdings, Vargas Llosas Gedanken ernst zu nehmen, besteht darin, dass schon zu lange als inkompetent und hoffnungslos altmodisch gilt, wer auch nur den Versuch unternimmt, die anhaltende Feier dessen, was heute unter Kultur subsumiert wird, zumindest infrage zu stellen.«
Christina Matte, neues deutschland 20.07.2013

»Die Lektüre dieses schwungvoll geschriebenen, kundig übersetzten Essays lohnt sich auch dort, wo man Widerspruch einlegen will.«
Paul Ingendaay, Frankfurter Allgemeine Zeitung 02.10.2013

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Thomas Brovot lebt als Übersetzer (u.a. Reinaldo Arenas, Juan Goytisolo, Federico García Lorca) in Berlin.

Mario Vargas Llosa, geboren 1936 in Arequipa/Peru, studierte Geistes- und Rechtswissenschaften in Lima und Madrid. Bereits während seines Studiums schrieb er für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen und veröffentlichte erste Erzählungen, ehe 1963 sein erster Roman Die Stadt und die Hunde erschien. Der peruanische Romanautor und Essayist ist stets als politischer Autor aufgetreten und ist damit auch weit über die Grenzen Perus hinaus sehr erfolgreich. Zu seinen wichtigsten Werken zählen Das grüne Haus, Das Fest des Ziegenbocks, Tante Julia und der Schreibkünstler und Das böse Mädchen.
Vargas Llosa ist Ehrendoktor verschiedener amerikanischer und europäischer Universitäten und hielt Gastprofessuren unter anderem in Harvard, Princeton und Oxford. 1990 bewarb er sich als Kandidat der oppositionellen Frente Democrático (FREDEMO) bei den peruanischen Präsidentschaftswahlen und unterlag in der Stichwahl. Daraufhin zog er sich aus der aktiven Politik zurück.
Neben zahlreichen anderen Auszeichnungen erhielt er 1996 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und 2010 den Nobelpreis für Literatur. Heute lebt Mario Vargas Llosa in Madrid und Lima.

 

 


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Top-Kundenrezensionen

Von Manfred Orlick HALL OF FAME REZENSENTTOP 500 REZENSENT am 29. Mai 2014
Format: Taschenbuch
Wer aufmerksam die Buchneuerscheinungen studiert, die alltäglichen Fernsehprogramme, die Theaterinszenierungen oder Ausstellungseröffnungen verfolgt … der wird es sicher selbst schon festgestellt haben: was uns da als Kultur vorgesetzt wird, ist häufig nur noch Quotenhascherei, Spektakel und Voyeurismus.

Was wir nur unbestimmt fühlen oder ahnen, hat nun der peruanische Literaturnobelpreisträger Mario Vargas Llosa in seinem Essay „Alles Boulevard“ kritisch analysiert. Die vergangene Kultur nahm für sich noch in Anspruch, „die Gegenwart zu transzendieren und zu überdauern“, während der heutige Kulturbetrieb Produkte auf den Markt wirft, die „wie Kekse oder Popcorn“ konsumiert werden sollen. Ausführlich versucht Llosa zu beschreiben, wie es zu diesem Kulturwandel in den letzten fünfzig Jahren gekommen ist.

In sechs thematischen Kapiteln untersucht der Autor die Banalisierung der Kultur in den unterschiedlichsten Bereichen, so das Zusammenspiel von Politik, Gesellschaft und Kultur: „Ein weiterer heikler Aspekt, der die Demokratie schwächt, ist die Abkehr vom Gesetz, auch dies eine Folge der Kultur des Spektakels“. Er beklagt den Zerfall der Bildung und den Verlust der Gesellschaftsidentität. Auch mit seiner Kritik an den Religionen, Sekten und exotischen Glaubensvorstellungen hält er nicht hinter dem Berg. „Der kunterbunte Amüsierbetrieb“ ist für ihn nicht nur ein Orwellscher Albtraum, sondern eine sehr realisti-sche Möglichkeit für die am weitesten entwickelten Nationen.
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Format: Gebundene Ausgabe
Nicht bahnbrechend neu sind die Vorwürfe, die Vargas Llosa hier in einem Rundumschlag gegen die globalisierte kulturelle Dekadenz unserer Tage erhebt, aber klug hat er dennoch beobachtet und sondiert, und er vermeidet vor allem Klischees in Gedanken und Worten. Er hat ein notwendiges Buch geschrieben, das durchscheinen lässt - und das ist das überaus Sympathische daran -, wie sehr er die Metamorphose einer Zivilisation hin zu einer "Zivilisation des Spektakels" persönlich bedauert. Dabei trauert er nicht einem Phantom hinterher, sondern erkennt, dass der Kultur, die er vermisst, eine Art innerer Logik zugrunde liegt, die im Kern mit unserem Menschsein in Verbindung steht. Dass wir genau diese innere Logik einer Kultur zu opfern bereit sind, ist die Triebfeder seiner Kritik.
Vargas Llosa spannt einen breiten geistesgeschichtlichen Bogen und nennt Namen, die im Zusammenhang mit seinem Thema nicht alle, zum Teil aber doch ziemlich überraschen, und es gibt genügend Möglichkeit zu Erkenntnisgewinn und vor allem Diskussion. Seine bodenständige und stellenweise sehr konkrete Sprache macht seine Essays - im Gegensatz zu vielen anderen kulturkritischen Essays, besonders aus dem französischen Sprachraum - relativ leicht zu lesen.
NB: Ich unterstütze meinen Buchhändler vor Ort.
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Format: Taschenbuch
Essays des Literaturnobelpreisträgers aus 20 Jahren sind hier versammelt, die sich mit kulturellen Themen im engeren und weiteren Sinne beschäftigen. Nach einem sehr interessanten Einstieg über den Kulurbegriff werden in 6 Kapiteln Arbeiten über unterschiedlichste Aspekte der Kultur (Literatur, Kunst, Religion, Medien, etc. ) vorgestellt.

Llosa fürchtet, dass das, was unsere Kultur seines Erachtens wirklich ausmacht, im Verschwinden begriffen ist, dass es untergeht im Geschrei des Boulevards und der sensationsheischenden Massenmedien, dass hier, zwar vor aller Augen, aber letztlich unbemerkt, etwas für immer verlorengeht, was uns als Menschen und Gesellschaft lange Zeit bereichert und geprägt hat.

Nun ist die Warnung über den Kulturverfall natürlich ungefähr so alt, wie die Kultur selbst. Böse Zungen könnten sagen, dass, wer in Tages- und Wochenzeiungen solche Artikel veröffentlicht, ein Teil des Problems ist, das er zu beschreiben glaubt. Also doch nur "Gejammer eines alten Mannes, der die Welt nicht mehr versteht" wie es ein anderer Rezensent nannte ?

Ich glaube nicht. Selbstverständlich sind Llosas Positionen kritisierbar, aber das bedeutet nicht, dass man sie nicht zur Kenntnis nehmen sollte.
Auch da, wo man nicht seiner Meinung ist, liest man ihn mit Gewinn, weil er dazu zwingt, die eigene Position zu überdenken, den einen oder anderen Gedanken noch einmal neu zu betrachten. Auch, wenn sein Kulturverständnis absolut elitär ist, scheint mir seine Sorge nicht unbegründet. Dass darüber hinaus hier jemand mit Herzblut schreibt, man seine Liebe und Leidenschaft spürt, soll ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.
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Von Gerhard Mersmann TOP 500 REZENSENTVINE-PRODUKTTESTER am 16. Mai 2013
Format: Gebundene Ausgabe
Mario Vargas Llosa, Politiker, Schriftsteller, Träger des Literaturnobelpreises, Kosmopolit, hat, wie man einem Manne seiner Provenienz und seines Formates nachzusagen pflegt, zur Feder gegriffen und sich mit einem zentralen Thema unserer Tage auseinandergesetzt. Es geht ihm um Kultur und Werte, quasi ein Dauerbrenner seitdem die Welt vom Kommunikationszeitalter spricht. Zwar handelt es sich nicht um einen Text aus einem Guss, sondern um die Komposition verschiedener Essays und Zeitungsbeiträge für das Madrider El Pais, aber die modulare Entstehung spricht eher für Konsistenz als für Eklektizismus. Unter dem Titel Alles Boulevard. Wer seine Kultur verliert, verliert sich selbst, wurden Texte aus dem letzten Jahrzehnt zusammengestellt. Und wie alles, das Qualität für sich reklamieren kann, polarisieren diese Texte.

Die Einleitung zu Vargas Llosas Reflexionen bildet ein Kapitel mit dem Titel Die Kultur des Spektakels. Das Wortspiel ist gewollt, weil der Bildungsbürger damit die Aporie unseres Zeitalters schlechthin charakterisieren will, denn das Spektakel schließt Kultur aus. Zentrale These ist die Erosion der Hochkultur durch die vermeintlichen Ansinnen ihrer Demokratisierung. Doch was unter dem Label Demokratisierung steht, so Llosa, ist die Zerstörung der Literatur durch die Bilderflut und die Demontage der kulturellen Kompetenz durch die Nivellierung der Befähigung, sich mit Anspruchsvollem auseinandersetzen zu können. Ersetzt wird der Anspruch durch das Spektakel und die Etablierung des Prinzips der Frivolität.

In den folgenden Kapiteln, die sich mit für jede Gesellschaft zentralen Themen wie Ethik, Erotik, Kultur, Politik und Macht sowie der Religion befassen, dekliniert Vargas Llosa seine These durch.
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