Dieses Buch fängt ambitioniert an, es beginnt mit den ersten Bestrebungen französischer Privatbahnen nach höheren Geschwindigkeiten, es wird mit vielen Vorläufern langsam auf das Thema TGV hingearbeitet. Das Inhaltsverzeichnis liest sich beeindruckend, es kommen viele Themen und Aspekte zur Sprache, so auch die Geschichte der Rekordfahrten der SNCF. Anfangs von viel Text begleitet, wirken die Fotos aus der Sammlung des Autors und Freunden recht gut, auch wenn für mich zu wenig erklärend auf französische Besonderheiten eingegangen wird. Man sollte sich daher mit der französischen Eisenbahn ein wenig auskennen, um auch immer eine Ahnung zu haben, wovon der Autor so selbstverständlich spricht. Allerdings bemerkt man, wie mit der Zeit die Fotos überhand nehmen und immer mehr Platz einnehmen, der Text irgendwie immer weniger wird und stattdessen allerlei Fotos der verschiedenen Hochgeschwindigkeitszüge in allen nur erdenklichen Variationen, aber selten aus einer anderen Perspektive als von schräg vorne, gezeigt werden. Andererseits wirkt das Deutsch des Autors manchmal auch ein wenig holprig, die Sätze etwas einfach und die Hintergründe recht spärlich. Besonders angetan haben es mir "Kapitel" wie über die Festivitäten zu 25 Jahren TGV, dass vielleicht ein Drittel einer Seite einnimmt, gefolgt von 3,5 Seiten mit Fotos, die nicht unbedingt etwas damit zu tun haben, stattdessen Fotos von TGV in Doppeltraktion typisch schräg von vorn in weiter Landschaft.
Es ist zwar einerseits recht aktuell gehalten, auch der aktuellste Rekord vom Frühjahr 2007 ist vertreten, aber leider, leider, inhaltlich nicht sehr stark. Man kann sich vor dem geistigen Auge geradezu bildhaft vorstellen, die der Autor lieber einem Glas Wein den Vorzug gab, als noch mehr Text zu schreiben und stattdessen ein weiteres Foto platzierte. Insgesamt macht es dieses Buch eher zu einem Fotoalbum mit ein paar netten Informationen drum herum. Aber ich für meinen Teil muss sagen, dass der Wikipedia Artikel zum TGV schon fast mehr hergibt für interessiere Leute.
Ganz besonders nett sind dann allerdings Sätze wie dieser: " 1965 wurde erstmals, unter der Leitung vom(!) Robert Geais, Chef der Bahnmeisterei Nord, die Idee von Hochgeschwindigkeitszügen erwogen." Aber wer hier mehr erwartet, wird von dem einzigen dazu nachfolgenden Satz enttäuscht sein: "Um schneller fahren zu können - so dachte Robert Geais - müsste die Eisenbahn über eigene >Autobahnen< verfügen". Punkt. Weiter geht es im nächsten Absatz mit spärlichen Informationen zu den ersten Gasturbinen Versuchszügen die noch lange nichts mit TGV zu tun hatten und dann die Ölkrise.
Neben mehr Inhalt hätte ich mir vor allem auch ein wenig mehr um das "Drumrum" erhofft, ein paar Worte zur Konstruktion, zum Design, die Inneneinrichtung fehlt quasi völlig als Thema, die Revisionen, die Neuerungen bei einzelnen Zügen abgesehen vom Zugleitsystem, die neuen Farbkleider, so dies und das eben was über das reine Nieten zählen hinaus geht.
Insgesamt bleibt zu sagen, mehr gibt es derzeit auf dem deutschen Markt nicht, es ist durchaus interessant, aber etwas mehr erhofft hätte ich mir schon.