Lange Jahre sind sie verheiratet, Sally und Alfred, wobei Sally sich nie wirklich festlegen wollte. Die aufregendste Zeit ihres Lebens waren die Jahre in Kairo, in welchen Alfred als Beauftragter des Museums für Völkerkunde am Kulturinstitut beschäftigt war. Dort haben sie sich kennen gelernt in den späten Siebzigern. Danach kam die Heirat, die glücklichen Jahre als die Kinder noch klein waren und sie das Haus in Wien gekauft hatten und dort eingezogen waren. Und schließlich ist übrig geblieben, was nun übrig ist!
Alfred hat sich in all den Jahren zu einem langweiligen Kauz entwickelt, er trägt Stützstrümpfe um seine Krampfadern zu verhüllen, füllt hunderte Bände von Tagebüchern über Tage, die er zuhause sitzend verbringt. Kein Grund für Sally, ihn so herablassend zu behandeln, ihn spüren zu lassen, dass wieder einmal eine Zeit gekommen war, in welcher sie ihn weniger gern hatte ...
Doch der Langeweile wird durch einen Einbruch im heimeligen Nest ein jähes Ende gesetzt. Zwar deckt die Versicherung den Großteil des Schadens, nicht aber die wenigen Dinge sentimentalen Werts, die entwendet oder beschädigt wurden. Auch kann sich Alfred der Unsicherheit dieses Vorfalls lange nicht entledigen und Sally verwirrt sich in einer Affäre mit dem besten Freund des Hauses.
Auf unbeschreiblich kluge und spitzfindige Weise unterbreitet Arno Geiger hier alle Beweg- und Hintergründe eines ehebrecherischen Betrugs. Doch damit nicht genug zeichnet er durch laufende Perspektivenwechsel ein Bildnis vom Warten und Zurückkehren. Er streicht die Unmöglichkeit heraus, sich ein Urteil zu bilden ohne tief in die Protagonisten hineinzublicken und zeigt nicht erst am Ende, dass Schuldigkeit oftmals nicht eindeutig fest zu machen ist. Überaus reich an Zwischentönen hebt der Autor eine Unstetigkeit hervor, die der Monotonie dieser Ehe einen Ausweg vorschlägt, um am Ende mit stillschweigender Harmonie und einer möglichen Veränderung aufzuwarten.
Nicht durchwegs spannend entwickelt sich der Roman, der zwischendurch mit Langeweile aufwartet. Bin ich jedoch am Ende angekommen, zeigt sich diese Langeweile als das Zwischendurch eines jeden Lebens, ohne welches keine Weiterentwicklung möglich wäre. Haften bleibt ein farben- und formenfrohes Bild mit vielen Ecken und Kanten, das eindeutige Zuordnung unmöglich macht - und mich noch einige Zeit beschäftigen wird!!!