Ein Buch über Molosser auf den Markt zu bringen ist schon mutig genug. Dieses Buch aber auch noch mit der Schlagzeile "Kampfhundelüge" zu unterlegen, ist entweder provokatorisch unklug oder provokant ehrlich. Im vorliegenden Buch von Roswita Hirsch-Reiter trifft eindeutig letzteres zu!
Auf 264 Seiten mit 130 großformatigen Farbfotos und 25 Schwarzweiß-Abbildungen gibt die Autorin dem Hundefreund ein Buch in die Hand, welches nicht nur Molosserfans begeistern dürfte. Ohne übertriebene Schnörkel und Lobhudeleien, sowie ohne Verharmlosung und Verheimlichung bestimmter Eigenarten, stellt sie in klaren, über weite Teile regelrecht fesselnde Porträts, die verschiedenen molosserartigen Hunderassen vor. Gerade durch diese ehrliche Berichterstattung wird dem Leser deutlich, daß es sich bei Mastiffs, Mastini, Doggen und Co. eben nicht um "potenziell gefährliche Bestien" handelt, wie es uns die Politik jetzt vielerorts weiszumachen versucht, sondern um absolut normale Hundetypen mit artspezieller Persönlichkeit, die es zu kennen, zu berücksichtigen, zu führen und zu lenken gilt.
Die ersten knapp fünfzig Seiten setzen sich daher auch in klaren Worten mit den unsinnigen Inhalten der diversen Hundeverordnungen auseinander. Wie jeder kompetente Kynologe, so kommt auch die Autorin zu keinem anderen Fazit, daß nämlich "ein Verbot bestimmter Rassen, Bewilligungspflicht, Negativzeugnis sowie Zucht- und Haltungsbeschränkungen erwartungsgemäß keine ausreichende Problemlösingskapazität besitzen". Auch an die betroffenen Vereine appelliert die Autorin, sich "gründlich, sachlich kritisch und aufgeschlossen" dieser Stimmung zu stellen und sich mit ihr auseinanderzusetzen. Eine Forderung, die sicherlich nicht nur mit Freudengeheul aufgenommen wird, aber nicht unberechtigt ist!
Die nächsten fünfzig Seiten geben einen umfassenden Einblick in die Geschichte, die charakterlichen Eigenarten und Besonderheiten, die speziellen Anforderungen an Pflege, Erziehung, Gesundheitsvorsorge und Haltungsbedingungen. Auch dem Thema Zucht und richtiger Welpenauswahl wird ausreichend Platz gewidmet.
Die zweite Hälfte des Buches ist dann den aussagekräftigen Porträts der Rassen Mastiff, Bullmastiff, Bordeauxdogge, Mastino Napoletano, Cane Corso und Fila Brasileiro gewidmet. Die durch Politik und Medien geborenen Mythen um Tosa Inu, Pit Bull und Bandog sind gleich zu Beginn des Buches Gegenstand der Betrachtung. Konkrete Hintergrundinformation zu ritueller Bedeutung und parktischem Verlauf, aber auch Pervertierung von Hundekämpfen, werden ebenso unverblümt ausgesprochen, wie deutliche Worte zu existierenden persönlichkeitsgestörten Haltern und mit Blindheit geschlagenen Vereinsfunktionären. Ein deutliches Zeichen für eine ehrliche und nicht kritiklose Auseinandersetzung mit der zur Zeit höchst brisanten Gesamtproblematik dieser Hunderassen. Unter der Überschrift "Andere starke Hunde" wird zusätzlich, leider etwas kurz, auf weniger bekannte Rassen eingegangen. Hier finden sich Alano, Dogo Canario und Dogo Mallorquin benannt und kurz beschrieben.
Der Autorin kann zu dieser Neuerscheinung nur gratuliert und für diese gedankt werden. Dem Freund vom großen, imposanten, ursprünglichen Hunderassen sei dieses Buch als Lese- und Augenschmaus unbedingt zu empfehlen.