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Allerwegsdahin
 
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Allerwegsdahin [Restexemplar] [Gebundene Ausgabe]

Elazar Benyoëtz
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
  • Verlag: Arche Verlag (2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 371602290X
  • ISBN-13: 978-3716022900
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 11,6 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 810.854 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Eigentlich war Deutschland für den Juden Elazar Benyoetz nach dem Zweiten Weltkrieg tabu. In den 60er-Jahren nämlich war es ein ungeschriebenes Gesetz der Opfer, nicht ins Land des Holocausts zurückzukehren. Der 1937 in Wien geborene Schriftsteller setzte sich darüber hinweg und machte sich auf, den verbotenen Boden mit einer Übersetzung seiner Lyrik und der Idee einer "Bibliographica Judaica" von Israel aus zu betreten, hin zur wohl bekannten Fremde. Er reiste durch ganz Deutschland, erlernte eigens die deutsche Sprache, diskutierte und korrespondierte mit Geistesgrößen wie Theodor W. Adorno, Marie Luise Kaschnitz und Ernst Bloch -- immer beseelt vom Gedanken, dass derjenige die deutsch-jüdische Literatur nicht verstehen könne, der nicht begriffen habe, dass sie "von deutschen Juden und für Deutsche geschaffen worden" sei: "Deutsch geschrieben, auf Deutsch gedacht, auf Deutschland hin und zu" lautet dementsprechend eine zentrale Stelle in Allerwegsdahin: "Mein Deutsch, im stechenden Glanz Jerusalems sich windend, hat rhein-jüdische Quellen."

Heute gilt Elazar Benyoetz, der inzwischen längst wieder nach Jerusalem zurückgekehrt ist, als einer der größten Aphoristiker nicht jüdischer, sondern deutscher Sprache. Hiervon kann sich nun jeder überzeugen, der den rundherum lohnenswerten Band Allerwegsdahin. Mein Weg als Jude und Israeli ins Deutsche zur Hand nimmt. Gespickt mit Bonmots schildert Benyoetz hier seine Fahrt durch geschichtlich belastetes Terrain, aber auch seine Reise hin zur deutschen Sprache, die nicht zuletzt auch die der (jüdisch geprägten) Aufklärung gewesen ist. Immer wieder wird "Immanuel" dergestalt zu einer Art Schutzpatron. Und an anderer Stelle heißt es: "Und ich -/ein Jude nach Auschwitz,/ein Israeli in Jerusalem -/auf Mendelssohn/zurückgeworfen." Hier zeigt sich der Lyriker im Aphoristiker: sprachvirtuos und bestechend wie im ganzen Buch. --Thomas Köster

Autorenporträt

Elazar Benyoetz wurde 1926 in der Wiener Neustadt als Sohn österreichischer Juden geboren. 1939 emigrierte er nach Israel, wo er in hebräischer Sprache aufwuchs. Im Jahr 1957 erschien sein erster Gedichtband. Von da an lebte er als freier Schrifsteller. 1964 kam er im Rahmen des Programms "Artists in Residence" der Ford-Foundation nach Berlin. Im Jahr darauf gründet er die von der Deutschen Forschungs-Gemeinschaft geförderte Bibliographia Judaica. Seit 1969 lebt er wieder in Israel. 1988 erhielt er den Adelbert-von-Chamisso-Preis, 1997 den Bundesverdienstorden für seine Verdienste um die deutsche Sprache.

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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Rolf Blatzheim VINE™-PRODUKTTESTER
Wenn es eine Gedächtnisprosa gibt, die Zeichen setzt gegen das Vergessen und Verfälschen und für ein Erinnern an die Juden in Deutschland vor allem, dann die von Elazar Benyoëtz. Mag eine Rezension sein wie sie will, legitimiert sie sich - wenn überhaupt - durch ein Wort Benyoëtz: "In seiner Individualität kann man bejaht werden oder verneint, nicht bestätigt".

Aber nicht der gute Wille tut es. Wenn es nach dem ging, könnte jeder wohlmeinende Mensch Diener am Werk Benyoëtz sein. Verstehen aber ist wichtiger als dienen, geht es doch rein um die geistigen Voraussetzungen, nicht das Können, das Wollen, sondern das Sein.

Für Elazar Benyoëtz ein bündiges Attribut zu finden, fällt nicht leicht. "Allerwegsdahin", hier unbegreiflicherweise noch nicht besprochen und für ein paar Cent verschiedentlich feilgeboten, halte ich für eins der wichtigsten Bücher von ihm. Seit mehr als 30 Jahren mit seinem Werk vertraut, zeichnet sich auch "Allerwegsdahin" durch die Kraft der einfachen Worte aus, vertraut auf sie, auf die Wahrheit in der Sprache, denn sie setzt einen bestimmten Leser voraus, der nicht schnell und gehässig aburteilt, sondern - naiv und tollkühn - sich die Zeit nimmt, Aussagen mehrmals und nachhaltig zu überdenken. Der Leserkreis dürfte klein und scharf umrissen sein wie Benyoëtz' Vokabular, das mitunter an das einer christlichen Zeitschrift erinnert, klein ist gegenüber den Bedeutungen, die es herausfordert. "Die Sprache sucht sich ihre Fürsprecher aus und bestimmt sie", ist nur eine von vielen Aphorismen, die dem Wort "bestimmen" nachgehen. Weitere Worte, die einem immer wieder begegnen und die Benyoëtz immer wieder variiert, sind "Glaube", "Erinnerung" und die scheinbaren Synonyme "Sinn" und "Bedeutung".

"Allerwegsdahin" sind - bezeichnend für Benyoëtz - Überlegungen intellektuellen Denkens in einer nichtintellektuellen Sprache und - klassisch für Benyoëtz - frei von aphoristischem Ehrgeiz, denn, so Benyoëtz, sei Aphoristik eine Geistesart, nicht Zungenschlag. Die meisten Verfasser von Aphorismen seien zur Aphoristik nicht berufen, gab er in einer Erinnerung an die Verleihung des Chamisso-Preises zu bedenken.

Ja, es geht - auch und wieder - in "Allerwegsdahin" um die Frage der Möglichkeit eines Glaubens nach der Shoah. Die Antwort ist dann doch älter. Wie Heinrich Heine verweist in "Allerwegsdahin" Benyoëtz auf das portative Vaterland der Juden. Für Benyoëtz ist der gesamte Horizont erweitert um seinen jüdische-deutschen Talmud, die jüdische Literatur deutscher Sprache. Freilich ohne jedes Askese- und Opfer-Pathos. Anzuführen ist vor allem eine Auslegung Chaim Vogt-Moykopfs, der Benyoëtz als den israelischen Autor begreift, der gerade gegen die Rolle des ausgestellten Opfers anschreibt, hinter dem Schrecken den Glanz des Deutschen entdecke und dabei das Deutsche degermanisiere. Mit der für mich persönlich bezwingendsten Aussage Benyoëtz "Über die Liebe" gegen Ende von "Allerwegsdahin" möchte ich schließen. Sie vollendet zugleich über 700 Jahre jüdische Kultur in Deutschland. Wenn es eine deutsche Identität gab, dann war die jüdische ihr wertvollster Bestandteil und Besitz. Ihr Verlust war und bleibt verhängnisvoll. Für die Gegenwart und Zukunft Deutschlands gilt daher: Nicht im Glauben, sondern im sittlichen Handeln liegt das Wesen der Religion. Mit diesem Ausspruch Gotthold Ephraim Lessings ist auch eine tragende Maxime des Judentums gemeint. Ohne 700 Jahre deutsch-jüdische Kulturgeschichte wäre Deutschland nicht erwachsen.

Über die Liebe (ein Zwischenruf)

"Man hat die Deutschen gefürchtet und bewundert, selten geliebt; kein Volk zum Lieben, auch keins, das Liebe gut vertragen kann. An dem einzigen Volk, das ihm uneingeschränkt Liebe entgegenbrachte, hat es sich schändlich und tödlich gerächt. Hass wird mordserfinderisch, Liebe macht scharfsinnig und erweckt noch die Toten. In keiner Literatur manifestierte sich eine so große Liebe zu den Deutschen wie in der jüdischen. Wer diese Liebe verdiente, verdient auch heute noch Dank".
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