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Cees Nooteboom wurde 1933 in Den Haag geboren. 1955 erschien sein erster Roman (Philip en de anderen), der drei Jahre später auch in Deutschland unter dem Titel Das Paradies ist nebenan veröffentlicht wurde (und 2003 in der Neuübersetzung von Helga van Beuningen unter dem Titel Philip und die anderen erneut eine große Lesergemeinde fand). Nooteboom berichtete 1956 als junger Autor über den Ungarn-Aufstand, 1963 über den SED-Parteitag, und fünf Jahre später über die Studentenunruhen in Paris (gesammelt in dem Band Paris, Mai 1968). Seine inzwischen in mehreren Bänden gesammelten Reiseberichte, die weniger Reportagen als vielmehr von genauer Beobachtung getragene, reflektierende Betrachtungen sind, festigten Nootebooms Ruf als Reiseschriftsteller. 1980 fand Nooteboom zurück zur fiktionalen Prosa und erzielte mit dem inzwischen auch verfilmten Roman Rituale (Rituelen) große Erfolge. Sein umfangreiches Werk, das in viele Sprachen übersetzt ist, umfaßt Erzählungen, Berichte, Gedichte und vor allem große Romane wie Allerseelen (Allerzielen). Die neun Bände seiner Gesammelten Werke enthalten neben den bereits publizierten Büchern zahlreiche erstmals auf deutsch vorliegende Texte.
Cees Nooteboom lebt in Amsterdam und auf Menorca.
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
23 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Abseitig,
Von
Rezension bezieht sich auf: Allerseelen: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Erst läuft ein Mann durch Berlin, dann einer Frau nach. Ab und zu arbeitet Arthur als Kameramann, aber nur wenn ihm der Auftrag gefällt. Sein Freundeskreis ist klein, aber fest wie eine Burg. Wer würde da nicht neidisch? Der Neid verwandelt sich in Mitleid, sobald man weiß, dass Arthurs Rastlosigkeit durch den Unfalltod seiner Familie entstanden ist. Er ist auf der Suche nach dem, was verschwindet, was niemand vermisst, nach der Unschärfe. Auf seinen Streifzügen durch Berlin begegnen ihm immer wieder die Geister der Vergangenheit, und einige reale Begegngen haben etwas Allegorisches. Eine dieser Begegnungen wird zur Obsession und heißt Elik. Sie promoviert über die Geschichte einer vergessenen Königin. Aus Emanzipation und Protest hält sie daran fest. Es ist eine schmerzhafte Liebesgeschichte. Aber beide merken, dass sie noch mehr fühlen können, als sie sich zugetraut haben.Symathisch ist die Abwegigkeit der Tätigkeiten. Wer wird Arthurs Film je sehen oder Eliks Dissertation lesen, falls sie fertig werden? Wenn es ihnen egal ist ... Die Dämmerungen, die Arthur sammelt, entsprechen irgendwie den Quellenverweisen, denen Elik hinterherreist, und die sie mit dem gleichen Respekt behandelt, wie er gefrorene Fußabdrücke. Arthurs Foto von Frau und Kind sind wie die Narbe auf Eliks Wange. In ihm bricht bei den Stadtspaziergängen erlebte Geschichte wieder auf. Sie setzt ihre Ansicht von Geschichte entgegen, nach der in seinen Erinnerungen die Geschichte noch zu frisch ist, um sich nicht an ihr zu überheben. Dieses Buch strömt über vor Geistern. Eine Freundin von Arthur sammelt Fotos von Wolken und Strandformationen aus den 1920er Jahren. Man muss annehmen, der Titel des Buchs will einer Beseelung alles dessen gedenken, was Erinnerungen hervorruft. Die Frage, was von Geschichte bleibt, beantwortet Elik sinngemäß mit: Alles was aufgeschrieben ist. Man bekommt gewaltigen Respekt vor dem Mittelalter eingeflöst, und ein schlechtes Gewissen, weil man die geheimen Verweise in der Bibel auch nicht entziffern kann. Tanzmusik ist nichts gegen Hildegard von Bingen. Die Protagonisten sind von dem gegenwärtigen Getriebe abgestoßen, und nähren sich doch von ihm. Vielleicht ist auch das ein Grund für Arthurs Rastlosigkeit und die Erhabenheit seines Philosophenfreundes, dass die Entwicklung über sie hinweggeht, ohne dass es einer Bedeutung bedarf. Das Buch ist nur spannend, wenn man sich etwas für Berlin, aber umso mehr dafür interessiert, wie Geschichte Menschen zurücklässt und in ihnen weiter- oder wieder auflebt. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Philosophisch,
Von
Rezension bezieht sich auf: Allerseelen: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Der Kameramann Arthur Daane, der seine Frau und seinen Sohn bei einem Unfall verlor, zieht mit seiner Kamera durch die verschneite deutsche Hauptstadt. Er versucht all das festzuhalten, was er "die anonyme Welt" nennt, also Dinge die alltäglich sind, die aber anscheinend niemand wahrnimmt, so wie Fußspuren im Schnee, Bäume aus verschiedenen Sichtweisen uvm. Dabei kommt es immer mal wieder vor, das er sich vergangener Situationen besinnt und dies mit soviel Hingabe, dass ihm alles Gegenwärtige wie Schein vorkommt. Warum filmt er? Es ist sein Projekt, er weiss es selbst nicht, aber er ist sich sicher das sich diese filmischen Fragmente irgendwie irgendwann mal zu einem grossen Puzzle zusammenfügen und dadurch die Antwort auf so viele Fragen geben werden.Zwischen seinen Streifzügen trifft er sich mit Freunden mit denen über Dinge wie Vergangenheit, Metaphysik, Mystik, Kunst, Religion, Musik, Politik (vordergründig natürlich deutsch-holländische) uvm diskutiert wird. Der eine Freund ist Philosoph, der andere Künstler, die dritte Physikerin. Vier Freunde aus drei verschiedenen Ländern und jeder bringt von sich und seiner Vergangenheit, seinem Land, seinem Beruf etwas mit ein in diese Diskussionen. Doch eigentlich ist Arthur nie wirklich dabei, nie sagt er viel, ist immer gleich wieder mit der Kamera unterwegs. Bis er schließlich die Studentin Elik trifft. Auch sie muss mit ihrer Vergangenheit fertig werden. Und plötzlich "scheint" alles so anders zu sein... Und die ganze Geschichte erzählt mit der typischen "Nooteboom-Melancholie". Dies ist ein Buch was man immer wieder lesen kann, eben weil es soviel darin zu entdecken gibt. Bei jedem neuen Lesen wird man mehr aus "Allerseelen" ziehen können. Aufgrund der Themendichte und natürlich auch der Themen (siehe oben) selbst, vielleicht nicht ein Buch für jeden. Man sollte schon für philosophische Fragestellungen offen sein und sich darauf einlassen, dann wird man ein sehr kluges und lehrreiches Buch über Liebe, Vergangenheit bzw. Vergangenheitsbewältigung und über soviele andere alltägliche Kleinigkeiten entdecken. Freunde von Mulisch' "Entdeckung des Himmels" werden wohl auch dieses Buch mögen. LESEN! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Anfangs spröde, dann vereinnahmt es rasch,
Von
Rezension bezieht sich auf: Allerseelen: Roman (suhrkamp taschenbuch) (Taschenbuch)
Der holländische Dokumentarfilmer Arthur Daane wandert durch das Berlin der späten Neunziger, beobachtet Menschen, sich selbst, sucht nach Szenen im Dämmerlicht, anonymen Spuren der anderen, seiner selbst, des Lebens, der Vergangenheit.Der Mann hat Frau und Kind verloren, im Austausch gegen die Freiheit, sich beliebig auf der Welt zu bewegen, und er hat sich das zerrissene, vergangenheitsschwangere Berlin als einen der Hauptsitze für sein Dasein gesucht, zumal er hier Freunde hat, Künstler wie er, selbstverständlich - den eloquenten und genau beobachtenden Schriftsteller Arno Tieck, den scheu-originellen Bildhauer Victor etwa. Und dann trifft er auf die junge Elik Oranje, eine Geschichtsstudentin, die sich exzessiv mit einer mittelalterlichen Königin befaßt, zu der es sehr wenig Material gibt. Eine ganz seltsame Romanze beginnt. Auch Elik ist auf der Suche nach glaubhaften Spuren der Vergangenheit. "Allerseelen" dreht sich um die Bedeutung des Menschen, seinen Nachlaß, um die Nichtexistenz von Zukunft, die Schwierigkeiten bei der Betrachtung der Vergangenheit. Es geht um die Reduktion, die jede Art von Geschehenem erfährt, um die Ausweglosigkeit jedes Rekonstruktionsversuches, es geht um Hoffnung, Selbsterkenntnis und nicht zuletzt Liebe. Das Buch beginnt spröde, vereinnahmt aber rasch, bietet viele wunderschöne Bilder, intelligente Diskussionen und warmherzig gezeichnete Figuren. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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