Mit "Alleingang" veröffentlicht Klaus Lage nun das dritte Live-Album seiner Karriere. Und von Live-Platte zu Live-Platte bedurfte es weniger Personal, was, um es vorweg zu nehmen, der Qualität keinen Abbruch tat.
Während "Mit meinen Augen - Live" 1986 noch ein Mitschnitt eines Konzertes mit kompletter Rock-Band war, kam "Live zu zweit" 1999 schon nur noch mit Lage singend an der Gitarre unter wundervoller Piano-Begleitung von Bo Heart daher. Nun steht/sitzt er allein mit Gitarre am Mikrofon. Wo soll das noch enden? Für das nächste Live-Album läßt der Mann vermutlich auch noch die Gitarre daheim und gibt, ohne Hose die Bühne betretend, ein Acapella-Konzert...
Er könnte es! Denn seine stimmlichen Qualitäten kommen bei dieser reduzierten Produktion voll zur Geltung. So erdig und angenehm dreckig Lage seine Stimme auch einsetzt, tonal ist er brilliant. Weder Udo Lindenberg noch Herbert Grönemeyer könnten ein solches Album mit dieser gesanglichen Intensität abliefern. Bei seiner legendären deutschsprachigen Adaption des Janis Joplin Klassikers "Mercedes Benz" brilliert Lage tatsächlich schon auf diesem Album acapella - das mit Weglassen der Hose kommt dann vermutlich erst beim nächsten mal... Mit 60 Jahren ist seine Stimme wie ein richtig guter alter Wein, entfaltet vollends die Qualitäten.
Bei alle anderen Liedern nimmt er die Akkustik-Gitarre zur Hilfe. Und da darf man etwas herumkritteln. Klaus Lage ist nun einmal nicht Eric Clapton. Beim "Live zu zweit" Album, was in seiner Wirkung ähnlich intensiv und intim war wie "Alleingang", bereicherte das starke Klavierspiel die eindringlichen Interpretationen Klaus Lages. Die Wucht des Pianos paßte gut zu Lages starker Stimme. Nur mit Wander-Gitarre (und die nicht mal originell und virtuos gespielt) ist das musikalische Kleid an einigen Stellen etwas zu dünn.
Die Songauswahl ist ein sehr guter Querschnitt aus allen Schaffensphasen. Allein warum es wieder nur ein Einzel-Album ist (wie auch beide bisherigen Live-Alben von Klaus Lage) und keine Doppel-CD, erschließt sich mir nicht. Schade, denn das Album verbreitet ein angenehmes Flair in dem man es gut noch noch eine zweite CD lang ausgehalten hätte.