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Allein zu Hause
 
 
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Allein zu Hause [Gebundene Ausgabe]

Susanne Scholl
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 171 Seiten
  • Verlag: Ecowin Verlag; Auflage: 1., Aufl. (23. Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3711000053
  • ISBN-13: 978-3711000057
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 15,4 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 478.935 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

„Susanne Scholls Position war nie die eines abseits stehenden kühlen Beobachters, sie hat immer alles gemeinsam mit den Menschen erlebt.“ Irina Scherbakowa, russische Menschenrechtlerin, anlässlich der Verleihung des Concordia-Preises an Susanne Scholl

Kurzbeschreibung

Sie fliehen vor Mord und Totschlag, Folter und Sklaverei, Blutrache und Zwangsehe und vor dem ganz alltäglichen Elend. In Österreich aber werden sie mit Misstrauen empfangen, mit der allgegenwärtigen Unterstellung, sich etwas aneignen zu wollen, was ihnen gar nicht zusteht, zu lügen und zu betrügen und uns etwas wegnehmen zu wollen. Ihre Anträge auf Asyl werden oft viele Jahre lang nicht bearbeitet. Ihre Kinder wachsen als Österreicher auf und sollen dann trotzdem eines Tages plötzlich das Land verlassen, weil sie angeblich eine Gefahr für Österreich sind. Sie heißen Tahira oder Fahim, Nabim oder Leila. Sie kommen aus Aserbaidschan oder Nepal, Afghanistan oder Nigeria. Gemeinsam ist ihnen, dass sie auf der Flucht sind und Hilfe brauchen.
Susanne Scholl ihrerseits hat einen guten Teil ihres Lebens außerhalb Österreichs verbracht. Vor einem Jahr kam sie zurück in ein Land, das sich ihr gegenüber sehr freundlich zeigte und sich doch als unverständlich kalt gegenüber Menschen in Not präsentierte. Davon handelt dieses Buch und von den Lebensgeschichten der Menschen, die in Österreich Zuflucht suchen und so oft dafür bestraft werden.

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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mario Pf. HALL OF FAME REZENSENT TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Nach ihrer Pensionierung als ORF Russlandkorrespondentin ist Susanne Scholl nach Jahren nun nach Österreich zurückgekehrt und man sagt ihr solle froh sein wieder hier zu sein, in Österreich sei doch soviel besser als im fernen Russland. Doch mit einem durch Jahre journalistischer Praxis geschärften Blick für Ungerechtigkeit und Menschenrechtsverletzungen kann Scholl die Augen nicht mehr vor jenen Ungerechtigkeiten verschließen, die vor ihrer und aller Österreicher Haustür geschehen. Und soviel "sicherer" scheint Österreich auch nicht zu sein, wenn etwa die Schergen des tschetschenischen Statthalters Kadyrow in Wien auf offener Straße jemanden wie Umar Israilow ermorden können. Das macht betroffen, nicht nur weil Scholl jahrelang als Korrespondentin auch den Tschetschenienkrieg mitverfolgt hat, sondern auch weil ihre eigene Familie einen ausgeprägten Migrationshintergrund mit Wurzeln in der Donaumonarchie vorzuweisen hat und ihre eigenen Eltern das mörderische Treiben der Nazis nur überlebt haben weil ihnen Großbritannien einst Asyl gewährte. So ist der öffentliche Diskurs in Österreich, in dem Asylwerber des Asylmissbrauchs schuldig gesprochen werden, solange sie ihre Unschuld nicht bewiesen haben, gänzlich unverständlich.

Wie manchmal alles schief laufen kann, um selbst aus einem in München geborenen Migranten zweiter Generation und seiner Familie Heimatlose zu machen demonstriert schon Scholls erstes Beispiel aus Röthis in Vorarlberg. Dort haben die Durmisis Elvis und Alena mit ihren beiden Töchtern Anefa und Amina in einer Wohnung über einer Autoreperaturwerkstatt ein Heim gefunden, nachdem nur der Aufmarsch von Bürgermeister und 50 Freunden der Familie ihre Abschiebung verhindern konnte. Warum? Nachdem Elvis Durmisis Eltern, wie auch Alena Angehörige der Gorani, einer muslimischen serbisch sprechenden Minderheit aus dem Kosovo, in den 70ern in München Arbeit gefunden hatten, wollte der dort bereits geborene Teenager mit 16 zurück in die alte Heimat. Doch als dort der Krieg ausbrach und Elvis zu den in Deutschland längst eingebürgerten Eltern zurückkehren wollte war er nicht mehr in der Lage seine Papiere auch in Ordnung zu bringen und de facto entwurzelt. Der Krieg mag zwar mittlerweile vorüber sein, doch der Kosovo war nie eine Heimat für ihn und München, wo er geboren und aufgewachsen ist rechtlich keine mehr.

Das Schicksal der Durmisis ist jedoch nur eines von vielen die Susanne Scholl für ihr Panorama der Ungerechtigkeit österreichischer Asylpolitik aufgezeichnet hat. Menschen wie die Durmisis oder auch die aus Serbien stammenden albanischen Berishas versuchen Folter, Missbrauch und Krankheit zu entfliehen, wollen sogar arbeiten, doch sie dürfen nicht und egal wie gut sie sich zu integrieren verstehen, sie werden abgeschoben. Und das sorgt wiederum nur in seltensten Fällen für mediales Aufsehen, was viel zu vielen Österreichern so gar nicht bewusst ist. Dass den zur Abschiebung freigegebenen dann oft nicht einmal mitgeteilt wann diese erfolgt sorgt für eine Stimmung die an die düsteren Zeiten des Stalinismus erinnert. Jederzeit und überall können Uniformierte vor der Haustüre stehen und einen dorthin zurück verfrachten wo einen Tod, Krankheit, Folter und Verfolgung erwarten können.

Wie unterschiedlich die Wahrnehmung ehemaliger Migranten wirken kann illustriert Scholl am Beispiel ihres ehemaligen chilenischen Kindermädchens Leila, die nach dem Putsch Pinochets gegen Salvador Allenda gezwungen war aus Chile zu fliehen, zumal ihr Onkel Abgeordneter war. Leila und ihr Mann Behan, der im Jahr vor dem Sturz des Schahs aus dem Iran entkommen konnte vertreten, was die Frage betrifft ob sie sich in Österreich denn gut aufgenommen fühlen, zwei divergierende Ansichten. Während Behan diese Frage etwa positiv beantwortet, ist seine Gattin deutlich skeptischer oder anders formuliert kritischer.

Ein Beispiel dass wie die Durmisis durch die Medien gegangen ist, ist auch der Fall des Afghanen Fahim Naziris, der flüchten musste weil seine Brüder einst in den allmächtigen sowjetischen Geheimdienst gezwungen wurden. In Österreich fand er in der Mongolin Uyanga eine große Liebe, doch ehe die beiden heiraten konnte wurde Uyanga mit dem erst vier Monate alten gemeinsamen Kind über Tschechien (obwohl sie dort gar keinen Erstantrag gestellt hatte) in die Mongolei abgeschoben. Erst durch eine Spendenaktion der Wiener Wochenzeitung Falter gelang es Fahim sich eine Reise in die Mongolei und die Heirat mit Uyanga zu finanzieren. Nur ein Beispiel dafür, dass sich der österreichische Rechtsstaat auch nicht scheut Kleinkinder abzuschieben bzw. den Umweg über ein Nachbarland wählt, um sich von möglicher Schuld zu entlasten.

Ein anderes sehr schlagkräftiges Beispiel für die Unverständlichkeit des österreichischen Asylrechtssystems ist der Nigerianer Ehiro Code, dem die Flucht aus seiner Heimat erst gelungen ist nachdem er von politischen Feinden seines Vaters entführt, gefoltert und dabei fast ermordet worden ist. In Östereich hat sich Ehiro sofort um einen Hauptschulabschluss bemüht und schließlich auch an einer HTL eingeschrieben. Und doch wird dieser arbeitswillige, gebildete junge Mann von den österreichischen Behörden zur Abschiebung freigegeben, denn ob jemandem Asyl gewährt wird ist von der "Lebenserfahrung" der zuständigen Beamten abhängig, die auch entgegen gegenteiliger Gutachten entscheiden können jemandem Asyl zu verwehren.

- Resümee -
Den Behörden wird nicht gefallen was Susanne Scholl in "Allein zu Hause" zu Papier gebracht hat, denn sie kommen denkbar ungünstig davon und stehen massiv in der Kritik. Doch so wie Susanne Scholl all diese Lebensschicksale zusammengefasst hat kann man zurecht wütend auf "das System" sein, ein System das seiner angeblichen Vorgabe den integrations- und arbeitswilligen die Tür offen zu halten Hohn spricht. Als Epilog hat Susanne Scholl schließlich eine an Bundeskanzler und Bundesinnenministerin gerichtetes Schreiben samt Antwort angefügt, als Beispiel dafür wie die offiziellen Stellen eben auf Kritik reagieren.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
ein aufrüttelndes Buch 3. März 2011
Von "robby" lese gern TOP 50 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Die Österreicherin Susanne Scholl hat lange Zeit als Auslandskorrespondentin gearbeitet,viele Jahre davon in Moskau, aber auch in Osteuropa unter Paul Lendvai von dem dieser Verlag ja auch schon einige Bücher veröffentlicht hat.Den Mauerfall erlebte die Journalistin in Bonn als Korrespondentin des ORF.Seit 2009 arbeitet sie als freie Journalistin und hat für ihre Bücher schon viele Preise bekommen.

In ihrem Buch "Alleine zu Hause" schildert Frau Scholl die Asypolitik Österreichs, die sich nach Mauerfall noch verschärft hat. Sie bringt viele Beispiele von Flüchtlingsschicksalen und beschreibt sie realistisch und empathisch.Sie selbst hat jüdische Großeltern verloren, die erst flüchten mussten und dann doch ermordet wurden und auch ihre Eltern konnten dem Tod nur durch die Flucht nach England entgegen. Die Journalistin weiß also wovon sie schreibt,wenn sie die Stimme für die Menschen erhebt und die Asypolitik ihres Landes manchmal ad absurdum führt.Menschen die vor Folter und Krieg ,oder vor Verfolgung aus ihren Herkunftsländern fliehen mussten, deren Kinder schon in Österreich geboren wurden und ihre"Heimat" garnicht kennen, lernen wir genauso kennen, wie politisch Verfolgte, die "zu Hause" der Tod oder lange Gefängnisstrafen erwartet.Sie beschreibt dem Leser, welchen Ängsten und Schwierigkeiten diese Asylanten ausgesetzt sind, die noch nicht einmal arbeiten dürfen während eines laufenden Asylantrages und daraufhin von vielen Menschen als "Schmarotzer" beschimpft werden.

Susanne Scholl plädiert für die Einhaltung von "Menschenrechten und der Menschlichkeit", denn ein Land wie Österreich hat die Möglichkeit dies zu tun.
Dieses Buch der Autorin rüttelt auf und läßt bei mir den Gedanken aufkommen, dass es in unserem Lande auch nicht viel anders aussieht und wie ich mich fühlen würde,wenn ich in der gleichen Situation wäre.Leisten wir uns doch ein bisschen Menschlichkeit und geben diesen Menschen ein "zu Hause", denn Geld wird in unserem Staate genug ausgegeben, warum nicht auch für diese Menschen.
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4 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Peter Krackowizer TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Die Autorin, Susanne Scholl, hat ihre familiären, österreichischen Wurzeln in Polen und Tschechien. Ihre Eltern mussten vor den Nazis nach Großbritannien fliehen. Die Autorin lebte für rund 20 Jahre als Korrespondentin des ORF in Moskau. Susanne Scholl weiß also aus dem eigenen Leben, was es bedeutet, als ein Mensch "zweiter Klasse", als ein Mensch aus dem Ausland, gesehen zu werden.

Sie schreibt auch nicht von "Gehörtem" oder von "Berichtetem Dritter", sondern sie schildert zehn Fälle von Asylsuchenden in Österreich, die sie persönlich kennt oder im Rahmen ihrer journalistischen Tätigkeit besuchte. Zehn Fälle, die aufzeigen, wie die österreichischen Behörden Recht (Un-)Recht sein lassen. Einem Bericht der Weltgesundheitsorganisationnach leidet über 80 Prozent der tschetschenischen Bevölkerung an Traumatisierungen oder postraumatischen Störungen aufgrund der Kriege. Allerdings werden Gutachten österreichischer Psychotherapeuten bei Asylbewerbern von der von Amts wegen bestellten Ärztin als unwichtig, als nicht asylrelevante Aspekte, bezeichnet. Tschetschenische Mütter, die von ihrer Heimat nach Moskau mit ihren Kindern geflohen waren, weil sie in Tschetschenien mit dem Tod rechnen mussten, flehten Scholl an, den Österreichern ans Herz zu legen, ihre Landsleute nicht mehr in ihre Heimat wieder abzuschieben. Doch vergebens, wie Scholl berichtet. Abgeschobene Heimkehrer verschwinden spurlos. Umgebracht.

Fahim aus Afghanistan anerkannte das Kind seiner Freundin Uyanga aus der Mongolei, die er heiraten wollte. Doch beide, Mutter und Kind, wurden nach der Geburt des Sohnes abgeschoben. Beim Asylamt beschuldigte man die beiden, eine Scheinehe eingehen zu wollen. Und der Beamte meinte auch noch, ein in Österreich zur Welt gekommenes Kind bei unverheirateten Paaren erhält die Staatsbürgerschaft der Mutter, also Mongole, und ab mit den Beiden! Was rechtlich schlicht falsch ist.

Susanne Scholl protestiert immer wieder schriftlich im Ministerium. Und sie erhält auch immer wieder Antworten. Erstaunliche Antworten, denn deren Inhalt, so schön formuliert er auch ist, trifft aber nicht in der österreichischen Realität zu. Manchmal hatte ich beim Lesen das Gefühl, alle Menschen, die Schutz in Österreich suchen, werden von den Behörden vorsätzlich einmal als Lügner, Kriminelle und Sozialschmarotzer gesehen. Es führe zu weit, hier alle haarsträubenden Argumentationen anzuführen, die Scholl auflistet. Dieses Buch rüttelt, bei allem Verständnis für ein gesundes Schutzbedürfnis eines westlich wohl gestellten Staates, den Leser auf, einmal darüber nachzudenken, wie es ist, nur mit dem Leben davon zu kommen und alles zurücklassen zu müssen, fliehen zu müssen vor wahnsinnig gewordenen Machthabern oder aus Ländern, in denen nur der Stärkere überlebt.

Einer, der österreichischer Staatsbürger wurde, erzählt, dass er als Taxifahrer niemals den Auftrag erhielte, wenn der Fahrgast einen "österreichischen" Fahrer verlange! "Ausländer bleiben immer Ausländer", so das Fazit des Buches.
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