Seit letztem Herbst mache ich ein kleines Experiment: Ich kaufe nur noch saisonales Obst und Gemüse, möglichst aus Deutschland. Als ich nun im Buchladen über Kommissar Koppers Literaturversuch stolperte, musste ich es natürlich kaufen, um zu sehen, wie es einem "Leidensgenossen" geht.
Nach den ersten Seiten war ich schon ein wenig ernüchtert. Die Sprachakrobatik des Autors und seiner Co-Autorin ist kitschig, schwülstig und langweilig. Was für die Beiden nach großer Literatur klingen mag, ist für den Leser nur überflüssiges Füllmaterial. Das, zusammen mit Tagträumen von Römern und Germanen oder das Einbauen seiner Filmrolle als Erzählstil, zieht sich wie ein Muster durch das Buch. Es ist nicht ausschließlich so geschrieben, taucht jedoch immer wieder auf. Für mich überflüssig bis nervig.
Angenehm dagegen finde ich die Erinnerungen an den Garten der Großeltern, sowie die Vergleiche mit der Lebensart der Cree-Indianer.
Geschickt ist der Aufklärungsunterricht über die üblichen Industrie-Anbauweisen eingebaut. Der Leser erfährt die erschreckende Wahrheit darüber, woher das Bienensterben wirklich kommt (es sind nicht nur tierische Schädlinge daran Schuld), für was für einen lächerlichen Lohn Plantagenarbeiter schuften müssen, damit in den Industriestaaten literweise Kaffee konsumiert werden kann oder wie großzügig (und teils heimlich) Chemikalien über den Feldern verteilt werden, um ja alles abzutöten - auch die nützlichen Tierchen und Bakterien. Das Ganze ist eindringlich, aber ohne erhobenen Zeigefinger geschrieben. Es macht sehr nachdenklich.
Hin und wieder musste ich über die eine oder andere Formulierung auch schmunzeln - das konnte aber die sprachlichen Tiefgänge an anderer Stelle nicht recht wieder ausgleichen.
Regelrecht aufgeregt hat mich die Lebensgefährtin, die angeblich angehende Ernährungsberaterin ist. Ihrer Meinung nach dürfte wohl ganz Nord-Europa im Winter aussterben, wenn nicht kiloweise exotische Früchte importiert werden, um den Vitaminbedarf (den eigentlich ja keiner wirklich kennt) zu decken. Später musste sie jedoch zugeben, dass schwarze Johannisbeeren mehr Vitamin C enthalten als kindskopfgroße Orangen. Tja, wenn man keine Ahnung hat (trotz Studiums), einfach mal den Schnabel halten.
Insgesamt lässt sich das Buch schwer einordnen. Für ein Augenöffner-Buch ist es zu läppisch geschrieben und die Infos sind nicht kompakt genug. Ein Unterhaltungsbuch ist es aber auch nicht. Es war ganz nett, aber man muss es auch nicht gelesen haben. Außerdem macht es ein wenig Lust auf den Anbau eigenen Obstes und Gemüses.
Mehr als solide 3 Sterne kann ich daher leider nicht dafür verteilen.