Vor einiger Zeit habe ich aus der gleichen Reihe von Gunnar Herrmann den "Elchtest" über sein erstes Jahr als Korrespondent der Süddeutschen Zeitung in Schweden gelesen. Das Buch war informativ, unterhaltsam, anregend und gut zu lesen. So waren nun auch meine Erwartungen an das Buch des Kollegen Reymer Klüver, und ich war erst einmal enttäuscht.
Ist er wirklich im multikulturellen Amerika als Journalist zugange? Mein Eindruck war, dass er ein Pflichtprogramm abarbeitet, und das auch sprachlich ziemlich langweilig. Der Leser erfährt, dass die Medienabteilung des amerikanischen Präsidenten Interviewtermine an Journalisten nach Bedeutung des Mediums vergibt und der Einschätzung, wie viele Wählerstimmen das potentiell bringen könnte. Herr Klüver hat deshalb schlechte Karten. Hat er ernsthaft etwas anderes erwartet? Nach einem Schwimmbadbesuch der Familie ist sein Fazit, dass jedes Familienmitglied auf seine Art etwas über amerikanischen Alltag kennen gelernt habe. Dabei hat er wirklich interessante Themen im Blick, ob Hundekauf, Supermarkt, Sport, Grillen, Religion, Nachbarschaft, Schulbusfahrten, Fast Food etc, aber es ist so dröge aufbereitet, dass ich über diesem Buch eingeschlafen bin.
Nach gut der Hälfte des Buches wurde es besser und teilweise sogar richtig gut.. Da kamen einige wirklich interessante und spannend geschriebene Kapitel: Wie er mit seinen Kindern die Nachbarin Laureen in ihrem Künstleratelier, das in einem schwarzen Stadtteil liegt, besucht und für alle die gespaltene Gesellschaft deutlich wird. Daß die Schulen seiner Kinder zwar sehr multikulturell sind, aber kaum von schwarzen Kindern besucht werden. Oder wie seine Tochter ein Familienmitglied, das die 1940iger Jahre in Amerika erlebt hat, für die Schule interviewen soll. Weil sie keine Familie dort haben, befragt die Tochter dann die jüdische Nachbarin Laureen,. Überhaupt Laureen: Über sie kann er sicher nach einigen Jahren ein eigenes Buch schreiben.
Aufgrund dieses so unterschiedlichen Leseerlebnisses kommt die Frage auf: Warum nicht gleich so wie im letzten Drittel?
Gesamteindruck: zweispältig, deshalb zweieinhalb Sterne