Die Frage stellt sich mir immer, wenn ich ein Buch in der Hand halte, welches nur aus Briefwechseln u.ä. besteht. Bei Wolfgang Borchert muss man aber fast schon froh sein über diese weitere Veröffentlichung, ist sein Gesamtwerk doch eher geringer Natur. Und das meine ich jetzt auf die Quantität NICHT auf die Qualität seines Werkes bezogen.
Hier also ein Büchlein, was zum größten Teil aus Briefen von Wolfgang Borchert besteht und einigen wenigen, die an ihn geschrieben wurden. Beginnend Ende 1939 und endend 5 Tage nach seinem Tode 1947 mit einem Brief vom Verleger Groverts an Borcherts Mutter. Diese Briefe sind so anders als die Gedichte oder Geschichten Wolfgang Borcherts. Hier wird man Zeuge einer fröhlichen Korrespondenz eines jungen Mannes der Freunden über seine literarischen Vorlieben schreibt und der immer mal wieder eigene Gedichte verschickt und um Kritik bittet. Selbst die Briefe aus dem Krieg und dem Gefängnis sind nicht wirklich negativ, denn er erwähnt die Schrecken und das Elend dort nicht, das scheint er sich für seine literarischen Ergüsse aufgehoben zu haben. Doch man merkt auch hier manchmal den Poeten durch (der Titel dieses Buches ist ja auch einem seiner Briefe entnommen). Tragisch wird es natürlich auch gegen Ende, wenn der junge Autor über sein Leiden schreibt, darüber das er monatelang das Bett hüten muss (für einen Mann Anfang bis Mitte 20 natürlich alles andere als leicht), das die Ärzte hilflos daneben stehen und nichts machen können. Tragisch natürlich vor allem, da wir Leser wissen, dass Wolfgang Borchert mit 26 Jahren starb und somit sämtliche Hoffnungsschimmer die er in seinen Briefen äußert leider umsonst waren. Wenn man lesen muss, was er alles noch vorhatte wird es schon mulmig. Aber man wird ja auch Zeuge, wie sich langsam der Erfolg des Dichters einstellt, wie immer mehr seiner Gedichte veröffentlicht werden, wie sich die Bühne um sein einziges Drama reißen, wie ein Verlag für ein paar seiner Geschichten gefunden wird. Wenigstens das durfte er noch erleben und das freut einen.
Zusätzlich zu den Briefen haben die Herausgeber noch ein informatives Vorwort, ein paar Gedichte (einige davon sogar recht lustig und bis dato nur verteilt oder gar nicht veröffentlicht), einen Text mit dem Titel '"Requiem für einen Freund"' (typischer Borchert-Stil, sehr ergreifend) und ein paar Rezensionen, die Borchert nach dem Krieg geschrieben hat und die auch veröffentlicht wurden, gepackt.
Als Fazit sei anzumerken, dass es sehr interessant ist dieses Buch zu lesen, weil man eben einen anderen Blickwinkel auf Wolfgang Borcherts Werk und Leben erhält, der zeigt, das er auch nach dem Krieg doch noch ein lebensfroher und nicht komplett tieftrauriger Mensch war (was man ja durchaus vermuten könnte, kennt man nur sein Werk). Ich habe es gerne gelesen und werde auch immer mal wieder reinschauen, wie ich es mit allen Büchern von Borchert mache.