Kathrin Aehnlich's Debütroman ist ein recht leicht erzählter und doch sehr doppelsinniger Roman über eine Freundschaft, zwei Lebensläufe und eine traurige Kindheit in der DDR und selbstverständlich, wie der Titel schon sagt, über das Sterben. Die Hauptfigur Skarlet arbeitet in einem Zoo. Als sie um zwei Tage Sonderurlaub bittet, um zu der Beerdigung ihres ehemaligen Freundes Paul zu fahren zu können, da macht ihr Chef die idiotische Bemerkung, Alle sterben, auch die "Löffelstöre". Er liebt die "Löffelstörzucht" mehr als alles andere. Löffelstöre, soviel sei zum Verständnis bemerkt, gehören zu der Familie der Störartigen. Beide aus dieser Gattung bekannten Arten sind, aus unterschiedlichen Gründen, in ihrer Existenz bedroht.
Skarlet erzählt einfühlsam, dann wieder witzig mal auch melancholisch von ihrer langen Freundschaft mit Paul. Paul hatte keinen Vater, hätte für sein Leben gerne einen gehabt. Scarlett hatte einen Vater, von dem wir erfahren, dass sie ihn gern losgeworden wäre, weil er spießig, lieblos, geizig und ausgesprochen humorlos war.
Jetzt,während sie nach der Wende über die Vergangenheit intensiv reflektiert, kommen ihr all die vielen Erlebnisse aus der engen, spießbürgerlichen Kindheit wieder in Erinnerung. Schon im Kindergarten war sie mit Paul zusammen und er hat ihr eigentlich während der ganzen Kindheit Halt gegeben. Sie erinnert sich an die Tante Edeltraut, die ihr allerlei unsinnige Benimmregeln auferlegt hat und die sehr schnell beleidigt war, wenn man sich nicht wie ein gutes DDR Kind benahm. Sie erinnert sich an den Pfarrer, der sie mit seiner Aussage "Gott ist überall, Gott begleitet uns auf allen Wegen", über die Maßen in Verlegenheit gebracht hat. Scarlett zermürbte sich ihr kleines Hirn mit der Vorstellung, Gott kann doch nicht Schmetterling und DDR Soldat zugleich sein.
Scarlett erzählt mit viel Witz und trotzdem auch mit viel Schwermut die Geschichte eines Landes, der DDR, dem deutschern Staat, den die Historie nach nur vier Jahrzehnten wieder verabschiedet hat. Und dann heißt es an einer Stelle, "Skarlet hatte kein Land, das sie im Herzen tragen konnte. Ihr Land war eine Inszenierung gewesen, ein vierzig Jahre währendes Theaterstück." Am Anfang, 1949, waren noch Hoffnungen erlaubt, es sollte ein neuer Anfang im Bauern- und Arbeiterstaat werden. Am Ende waren noch die letzten Illusionen zerstört worden. So vermittelt das Buch auch ein sehr schönes Bild von der untergegangen DDR, wo man sich anfangs als Sieger der Geschichte betrachtet hat.
Paul, der gerade sein Leben selbst in die Hand nehmen wollte, ein seelisch "Kriegsversehrter", der nun in der DDR mit seiner jungen Frau und seinem kleinen Kind die Biografie seiner eigenen Familie basteln wollte, er stirbt plötzlich an Krebs. Wenn Scarlett nun ihre Erinnerung an die lange Freundschaft mit Paul Revue passieren lässt, dann macht sie das auch nicht jammernd, sondern eher humorvoll und ein bisschen zynisch. Sie kommt schließlich zu der Erkenntnis, dass auch das Scheitern im normalen Leben häufig von Kleinigkeiten ausgelöst wird und das alles am Ende vielleicht noch banaler ist, als man sich das in den kühnsten Vermutungen vorstellen konnte.
Ein Roman von bestechender Aufrichtigkeit, ein rundum schönes Buch