"Ein ebenso aufmüpfiges wie nachdenkliches Volksliedalbum" nennt sich der Untertitel. Tatsächlich finden sich streitbare und streitbar vorgetragene Titel wie der mit Verve vorgetragene "Bauernknecht" als auch verhalten-trotzige wie "Victor Jara". Mit diesen zween Liedern ist auch der Zeitrahmen umrissen, den die Liedauswahl spannt: von den Tagen wehrhaften Bauerntums, das noch den Geist des großen Bauernkriegs atmet, bis zum Pinochet-Putsch in Chile 1972. Der Schwerpunkt liegt unzweifelhaft auf dem Vormärz, dem Revolutionsjahr 1848 und der unmittelbaren Reaktionszeit danach. Ein wenig bieder wirken einige der Titel, nicht immer erreichen die Zupfgeigenhansln die vor Empörung bebende Spannung wie im "Soldatenschicksal": "Was hilft mir mein Studieren, viel Schulen absolvieren? Bin doch ein Sklav, ein Knecht! Oh Himmel, ist das Recht!", oder die tiefe Empfindung, die in "Andre, die das Land so sehr nicht liebten" mitschwingt.
In letzterem wirkt eine ungeheure Dynamik, die den Titel mit dem Text des österreichischen Emigranten Theodor Kramer und Schmeckenbecherscher Melodie sicher zum besten der CD macht. ""Alle Kraft ist längst aus mir gewichen", das steigert sich mit wenig Lautstärke zum letzten verzweifelten Aufbäumen gegen ein unbarmherziges Geschick, und "ich fühl, daß ich daran verblut" läßt alle Kraft fahren hin zum völligen Erlöschen. . .
Die Interpretation des bekannten jiddischn Lidls "Tsen Brider" hingegen verliert ein wenig durch die Hast, mit der es durchjagt wird
(man vergleiche es mal mit der von Schmerz durchzitterten von Mark Aizikovitch !).
Ein hörenswertes Album - hie und da noch steigerungswürdig.