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Alle Tage: Roman Taschenbuch – 7. August 2006

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 432 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (7. August 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442734967
  • ISBN-13: 978-3442734962
  • Größe und/oder Gewicht: 11,8 x 3,2 x 18,5 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 75.173 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Terézia Mora öffnet die Tür zu einer merkwürdigen Welt. Man sollte gerüstet sein für eine verstörende Leseerfahrung. Gleich zu Anfang ihrer Geschichte wird der Protagonist Abel Nema mehr tot als lebendig an einem Klettergerüst aufgefunden. An den Füßen mit Klebeband befestigt und in seinem schwarzen Mantel kopfüber nach unten hängend, erinnert er an eine riesige Fledermaus. Wer brachte ihn in solche Lage? Ein Auftakt, der -- und nicht zum letzten Mal fühlt man sich in einen Film von David Lynch versetzt -- das Ende der Geschichte vorwegnimmt. Ständige und verstörende Perspektivwechsel gehören zum Programm einer inneren und äußeren Haltlosigkeit. Und alles nur wegen einer verschmähten Liebe?

Abel Nema (das Anagramm zu „Amen“ verweist auf die vielen sprechenden Namen des Romans) lebte vor langer Zeit mit seinen Eltern „in einer kleinen Stadt in der Nähe dreier Grenzen“. Örtlichkeiten haben bei Mora eine stets traumhafte, seltsam undefinierbare Qualität. Theatergleiche Erzählräume, die, haben sie ihren Zweck erst erfüllt, sich in Luft auflösen. Als Abel zwölf ist, verschwindet der Vater wort- und spurlos aus seinem Leben. Der endgültige Schlüssel zu Abels emotionaler Steinwerdung findet sich jedoch in jener Szene, in der auch der langjährige Freund Ilia Abels Liebe verschmäht und ins Auslandsstudium flüchtet. Auch Abel wird von nun an ein Flüchtiger sein. Und er ist gepanzert -- für immer!

Er verlässt sein Land und heiratet zum Schein die gutherzige Mercedes. In Omar, ihrem einäugigen und verschlossenen Sohn, findet er sein jugendliches Pendant. Die Ehe hat keinen Bestand. Der merkwürdig emotionslose Vater, der zehn Fremdsprachen perfekt beherrscht, ist und bleibt auf immer sprachlos. Lieblos. Und doch voll Sehnsucht. In einem kafkaesken Zimmer, das keine Wände zu besitzen scheint, beginnt Abel Nemas Niedergang. Ein Besuch in einem albtraumhaften Etablissement namens „Klapsmühle“, gerät zum orgienhaften Dante‘schen Inferno, und bildet doch nur den Vorhof zur wirklichen Hölle, die auf Abel noch warten sollte.

Moras Roman durchzieht ein beständiger Eishauch. Mäandernd und losgelöst von Raum und Zeit ist nur gewiss, dass nichts gewiss ist. Ihre Nebelwelt präsentiert sich, analog dem Zustand ihres Helden, steinern und erkaltet. Sinnlich Wahrnehmbares gibt es nur in Form von Gerüchen und Lichtsituationen (oder besser: ewiger Lichtlosigkeit). Dass dies nicht ins romanhaft Experimentelle mündet, verdankt sich Moras Sprachgewalt. Metaphern- und Beobachtungsgrade von hoher Feinheit machen diesen beachtlichen Erstlingsroman zu einem der herausragenden Bücher des Jahres 2004. --Ravi Unger -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

"Mein Buch des Jahres." (Sigrid Löffler)

"Es hat mich bis an die Seele gerührt." (Elke Heidenreich)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

18 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Th. Leibfried TOP 500 REZENSENT am 29. November 2006
Format: Taschenbuch
Terézia Mora hat mit diesem Roman ein ganz erstaunliches Debüt hingelegt. Sie experimentiert auf eine höchst interessante Weise mit Sprache, verändert Wörter, baut Sätze auf ihre ganz eigene Art und Weise. Und sie lässt Gedankenströme fließen, wie man sie erstmalig bei Joyce, später bei Bernhard findet. Damit reiht sie sich ein unter andere Schriftstellerinnen, die diesen Erzählstil nach meinem Empfinden häufiger pflegen als ihre männlichen Kollegen. Exemplarisch seien genannt Susan Sonntag und vor allem die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Wie bei Jelinek muss man als Leser arbeiten, reiner Konsum ist unmöglich. Daneben verlangt Mora von ihren Lesern eine Menge, in dem sie alle paar Seiten einen linearen Ablauf konterkariert und frei in der Zeit herumspringt.

Der Protagonist Abel Nema verdeutlicht in seiner intensiven Leere die Tatsache, dass Kommunikation, ja sogar Persönlichkeit erst im Zusammenspiel mit anderen entsteht. Die Gedanken der Person Abel Nema spielen in diesem Roman keine Rolle. Abel Nema entsteht erst im Zusammenwirken mit anderen Personen. Und die anderen Personen definieren sich ausschließlich im Zusammentreffen mit dem Protagonisten.

Abel Nema muss als junger Mann aus den Kriegsgebieten Südosteuropas fliehen und kommt (ich nehme an) nach Deutschland. Ein wenig einseitig begabt bringt er sich zehn Fremdsprachen bei und versucht einerseits, diese Begabung wissenschaftlich zu nutzen, andererseits gibt er Kindern Nachhilfe. Er ist außerstande zu anderen Erwachsenen normal zu nennende Beziehungen aufzubauen, ist umgekehrt als Bezugsperson jedoch außergewöhnlich beliebt.
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21 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von euripides50 TOP 500 REZENSENT am 4. April 2005
Format: Gebundene Ausgabe
Theresa Mora erzählt in ihrem Erstling die Geschichte von Abel Nema, dem jungen Mann, der spielend leicht zehn Sprachen lernt, sich nicht betrinken kann, nicht träumt, und keine Geschmacksempfindung besitzt. Er ist hochgewachsen, dürr, aber zugleich auch von der Art, dass jeder, der ihn kennerlernt, den Wunsch verspürt, sich näher mit ihm zu befassen. Seine Schulzeit verbringt Abel ohne Vater an der Seite seines Jugendfreundes Ilia, dem einzigen Menschen, zu dem er sich jemals hingezogen gefühlt hat, der ihn aber, als er ihm seine Liebe kurz nach dem Abitur gesteht, zurückstößt. Danach verlässt Abel seine Heimatstadt und wird zum großen Schweiger, der eine Sprache nach der anderen lernt, aber selber immer weniger spricht. Er ist wie eine Teflonpfanne, an dem nichts haften bleibt, weder Liebe noch Güte, weder Gemeinheit noch Niedertracht. Aber er ist auch ein Katalysator, dessen Sosein alle Gestalten des Buches dazu veranlasst, ihr Innerstes nach Außen zu kehren, eine literarische Fokussierung, mit der es der Autorin immerhin gelingt, eine ganze Reihe bizarrer Figuren auf eine äußerst originelle Weise vorzustellen. Und an durchgedrehtem Romanpersonal herrscht keinerlei Mangel - möglicherweise besteht in der fabulatorischen Kraft, mit der die Autorin diese Figuren beschreibt, sogar die größte Stärke des Buches. Erst nach der Mitte des Buches lernt Abel Mercedes (die natürlich auch schon vorher ihre Auftritte hatte ) kennen, mit der er eine Scheinehe eingeht und von der er sich gleich am Anfang des Werkes scheiden lässt, eine Frau, die Abel unglücklich liebt, weil dieser zeitlebens dem Jugendfreund Ilja nachhängt.Lesen Sie weiter... ›
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Jonas Eckert am 19. Dezember 2013
Format: Gebundene Ausgabe Verifizierter Kauf
Terezia Moras Worte holen einen ab, spielen mit einem wie der Wind mit den Blättern. Sie tragen uns durch Schönes, durch Trauriges, durch Zartes und durch Rauhes… durch das Leben selbst.
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29 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENTTOP 1000 REZENSENTVINE-PRODUKTTESTER am 7. Oktober 2004
Format: Gebundene Ausgabe
Dies ist der Debütroman einer 1971 in Ungarn geborenen Schriftstellerin. Sie ist erst seit 1990 in Deutschland und schreibt diesen ersten Roman auf Deutsch. Wahnsinnig brillant geschrieben. Zum Inhalt:
Im ersten grausamen Kapitel dieser Geschichte hängt der Protagonist Abel Nema kopfüber von einem Klettergerüst auf einem im Bahnhofsviertel gelegenen Kinderspielplatz. Abel lebte mit seinen Eltern in einer grenznahen Stadt, in einem Land das es nicht mehr gibt. Es ist durch Krieg zerstört. Aus Abels Leben erfahren wir nur bruchstückhaft. So ist sein Vater spurlos verschwunden, seine Mutter wird mit diesem Ereignis nie fertig. Abel verliebt sich in seinen langjährigen Schulkameraden Ilia, der lehnt jede Gefühle für eine solche homosexuelle Bindung, sie wird von der Autorin nur sehr zart angedeutet, entschieden ab. Daran zerbricht Abel, flieht ins Ausland. Er verliert seine Sprache, gehört nirgends mehr hin, lernt zehn neue Fremdsprachen. Sein Leben hat sich grundlegend verändert, er ist einsam, verzweifelt und voller Melancholie, ohne Liebe, voller Sehnsucht. Er irrt umher, sieht keinen Sinn mehr im Leben. Dann heiratet er schließlich Mercedes. Sie weiß von seiner Fremdheit, seiner Flucht und sie sagt, du lernst nur zehn Sprachen, damit du in zehn noch einsamer sein kannst als du in vier oder sieben sein würdest. Und er beliebt wirklich sprachlos. Die Ehe scheitert. Und die Menschen denen er begegnet lieben oder hassen ihn, sie prügeln ihn und so kommt er schließlich in einer wahren Hölle zu Tode.

Dies ist keine Geschichte, die sich so einfach erzählen lässt, denn man weiß nie wo endet eigentlich die Wirklichkeit und wo beginnt die künstliche Darstellung von Trugbildern.
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