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Alle Seelen
 
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Alle Seelen [Gebundene Ausgabe]

Javier Marías , Elke Wehr
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 275 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta (1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608936785
  • ISBN-13: 978-3608936780
  • Originaltitel: All Souls
  • Größe und/oder Gewicht: 21,1 x 13,4 x 2,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (9 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 389.946 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Javier Marías
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Lesezeichen

Zu Tisch in der Institutio Tayloriana

Javier Marías' früher Roman «Alle Seelen»

Javier Marías ist ein Romancier der dezenten Töne: er schreibt über unheimliche, beunruhigende Ereignisse der erotischen und blutigen Art mit grosser Gediegenheit und begleitet von feinformulierten Hintergedanken. Diese Mischung gelang ihm in «Mein Herz so weiss» derart reizvoll, dass der Roman bei seinem Erscheinen in Deutschland im vorigen Jahr das Prädikat «genial» verliehen bekam. Von einer mächtigen und launischen Instanz, die sogar totgeborene Bücher zum Leben erwecken kann. Zwei frühere der insgesamt acht Romane von Javier Marías, die beide mit noch weniger Lautstärke und noch viel weniger Trivialität auskommen als dieser spätere Bestseller, erschienen bereits vor Jahren beim Münchner Piper-Verlag. Die Kritiken waren spärlich und verhalten. Kaum einer erinnert sich noch daran. Jetzt aber – angesichts des grossen Erfolgs vom Vorjahr – darf einer der beiden die Wiederauferstehung auf dem Buchmarkt feiern, als wär's eine ganz neue Entdeckung. Oder ist es doch eher die Wiederkehr eines Untoten unter dem Fluch des Erfolges?

Ein Lektor in Oxford

In «Alle Seelen» verarbeitete Marías seinen zweijährigen Aufenthalt als Lektor in Oxford. Ausführlich schildert der Ich-Erzähler, ein leicht verstörter Spanier, Eigenheiten von Stadt und Leuten samt den traditionellen oxfordischen Umgangsformen und Gepflogenheiten. Das ist als Ausgangspunkt nicht gerade spektakulär. Aber die Stadt, «wie konserviert in Sirup», als Ort geschäftiger Langeweile, schludriger Heimlichkeiten und offiziöser und absurder Rituale empfiehlt sich rasch als durchaus geeigneter Schauplatz für irgendeine Art von Drama, zumindest für eine interessante Entgleisung.

Da gibt es zum Beispiel eine Veranstaltung, die sich high table nennt und eine Art festliches Diner vorstellen soll. Vorgeschrieben ist Dienstkleidung und wer sich mit wem wie lange zu unterhalten hat. Eine derartig anschauliche Darstellung von der Qual gesellschaftlicher Rituale hat man selten und noch seltener mit so viel Vergnügen gelesen. Die um den erhabenen Tisch versammelten Figuren sind dabei nicht besonders ungewöhnlich, vielleicht ein wenig einseitig, vielleicht ein wenig schrullig. Aber welches Lehrer- oder Professorenkollegium wäre das nicht? Dass man unter dieser Versammlung schwarzer Talare doch eine gewisse Erregung, eine Art Geheimnis vermutet, liegt vor allem an der Gründlichkeit, mit der davon erzählt wird.

Der Augenblick von grosser Feierlichkeit und (bildnerischer) Schönheit ereignet sich beim Verlassen des Refektoriums, denn dabei müssen die Tischgäste die bislang benutzte Serviette behalten und in der Hand tragen, so fleckig und zerknittert sie auch sein mag; und das Auf und Ab des kleinen weissen Tuchs (leicht soldatisch, wie immer, wenn man in einer Reihe geht) bildet einen sublimen Gegensatz zum langsamen, weiten Flug der endlosen schwarzen Talare.

Diese Bedingung des Erzählens, nämlich das Sensorium für die Teufel und Dämonen im Detail, ist etwas, das Marías in reichem Mass erfüllt. Er ist ein talentierter Beobachter; und ein witziger und genauer Beschreiber ausserdem. Aber das allein trägt noch keinen Roman.

Wir lesen eine Liebesgeschichte und eine Todesgeschichte. Auch in Oxford lieben sich Menschen hin und wieder oder für längere Zeit und sterben irgendwann. Wir lesen von zufälligen Begegnungen, darunter auch einigen recht merkwürdigen. Wir lesen – andeutungsweise – von dem bewegten Vorleben eines emeritierten Professors; von einem rätselhaften Schriftsteller, der vor langer Zeit als Alkoholiker in der Gosse versackte; und von einer obskuren Literaturgesellschaft, die sich mit der Beschaffung vergriffener Bücher eines längst vergessenen Autors befasst und die von dem Besitzer eines dreibeinigen Hundes repräsentiert wird. Aber nur über die Figur des Erzählers treffen die vielen kleinen Begebenheiten aus Literatur und Leben, die scheinbar parallel und ohne Bezug zueinander stattfinden oder stattgefunden haben, zusammen. Es ist also kein fertiges Konstrukt, keine dramaturgisch gerundete Erzählung, die Marías hier vorlegt. Die Dramatik liegt, wenn überhaupt – im verborgenen, in der Vergangenheit, schon fast Vergessenheit. Und nur die Neugier des Erzählers selbst fördert sie zutage, in Fragmenten und Bruchstücken, als archäologisches Puzzlespiel – ein Spiel der Möglichkeiten.

Ewige Gier

Diese Neugier, die eher eine Gier nach Erzählbarem ist, führt die parallelen Handlungsfäden weiter ins Unendliche – wo sie sich, Wunder der Parallelität, dann treffen: im Terrain der Phantasie. So gerät die Vergangenheit der Geliebten in Zusammenhang mit dem Scheitern des Schriftstellers; oder mit dem Spleen des alten Professors. Aber vielleicht treffen sie sich auch nie, weder damals noch künftig. Marías erzählt so diskret, dass er die Rückschlüsse aus seinen Beobachtungen den Lesern überlässt. Nach der Lektüre bleibt der Eindruck, man habe sich einen interessanten Abend lang in etwas schrulliger, aber gebildeter und wohlerzogener Gesellschaft aufgehalten; bei teilweise brillanter, teilweise schleppender Konversation, wie es an solchen Abenden sein kann; inmitten geschmackvollen und gediegenen Mobiliars und bei gedämpfter Beleuchtung. Wenn es ein Geheimnis gab, so lag es ausserhalb des Lichtkreises, in den unbeleuchteten Ecken. Wenn es ein Drama gab, dann ein stilles, von dem nur die Eingeweihten wussten. Wenn das Beisammensein beendet ist, geht ein jeder seiner Wege. Einsichtig trennt sich das Liebespaar. Der Spanier erholt sich von seiner leichten Verstörung und gründet eine Familie. Zwei Männer sterben eines natürlichen und erwarteten Todes. War da noch etwas? Ach ja: jemand hat ein Buch darüber geschrieben.

Katharina Döbler

Kurzbeschreibung

Ein frühes Buch des hochgelobten Autors von "Mein Herz so weiß". Es ist ein Campus-Roman, den der Spanier Javier Marias unter dem Eindruck seines eigenen Oxford-Aufenthalts 1989 geschrieben hat. Es handelt sich um eine Liebesgeschichte, um eine absurde Komödie, deren Protagonist Oxford, die berühmte, altehrwürdige englische Universitätsstadt, selbst ist.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Valentine TOP 1000 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Ein spanischer Universitätsdozent geht für zwei Jahre nach Oxford, um dort zu lehren, und stellt sehr bald fest, dass dort lauter eigene Regeln gelten und in den altehrwürdigen schwarzen Talaren des Lehrkörpers oft interessante, aber auch etwas skurrile Persönlichkeiten stecken. Allen gemeinsam ist das Festhalten an überkommen erscheinenden Traditionen wie den "High Tables", steifen Dinnerveranstaltungen in den einzelnen Colleges mit ewig gleichem Ablauf.

Geplagt von seinem Sitznachbarn, der ohne Punkt und Komma über sein Spezialthema Apfelweinsteuer referiert, treffen sich bei einer solchen Veranstaltung die Blicke des Spaniers mit denen von Clare Bayes, der anziehenden Frau eines anderen Dozenten, und zwischen den beiden entspinnt sich eine Affäre ...

Was dieses Buch ausmacht, ist weniger die Handlung, in der ich teilweise den roten Faden vermisst habe, als die minutiöse Beobachtung der Umgebung, des menschlichen Handelns, das Sinnieren über obskure Schriftsteller, den Lauf der Zeit und des Lebens, die Marías wortreich in oft sehr lange Sätze kleidet. Stilistisch hat mir das Buch gut gefallen. Zum Schluss klärten sich auch einige Querverbindungen zwischen Szenen, die mir zunächst zusammenhanglos erschienen, insgesamt fehlte mir zwischendurch jedoch zu oft der Durchblick.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
24 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das beste Werk von Marias 22. Februar 2001
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
"Alle Seelen" von Javier Marias ist meiner Meinung nach das beste seiner Werke,weil es sich vergleichsweise flüssig liest (keine Kritik an Marias Schreibstil,aber einige Passage in "Mein Herz so weiß" oder "Morgen in der Schlacht denk an mich" hinken schon etwas) und sich endlich mal von einer gefühlvollen Seite zeigt. Ich meine,wer kennt nicht das Problem der Verwirrung im Zusammenhang mit Erinnerung an frühere schöne Zeiten,besonders an anderen Orten,und gerade das hat Marias sehr schön porträtiert.Ich bin zwar erst 17 Jahre alt,aber dieses Buch vermittelt Erfahrungen,Gefühle und vor allem das Gefüge der menschlichen Beziehungen so schön gut wie kein anderes,daß ich mich z.T. fühle,als hätte ich schon mehr erlebt,als viele andere,ältere Menschen...

MfG

Steve Plesker

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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
"Alle Seelen" ist der Name einer Abteilung der Universität Oxford, an der die Geliebte des Erzählers dieses Romans lehrt. Und Oxford bildet auch den Rahmen dieser Satire, in der die einzelnen Persönlichkeiten mit ihren Eigenarten akribisch genau beschrieben werden. Daß Oxford seinen Ruf lediglich auf seinem jahrhundertealten Ruf aufbaut, dieser Gedanken drängt sich bei der Lektüre zwangsläufig auf. Der Erzähler ist ein Madrilene, der für zwei Jahre einen Lehrauftrag an der Universität Oxford bekommt. Zeit genug, um sämtliche Professoren und Traditionen genau unter die Lupe zu nehmen. Und Zeit genug, um mit der Kollegin und Frau eines Kollegen ein Verhältnis zu beginnen, bei dem keiner weiß, wie es enden wird. Die satirischen Spitzen dieses Romans von Javier Marías treffen bestimmt nicht nur Oxford ... (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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