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Produktinformation
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Leider hat Saramago seinen teilweise aus dem Fundus der Weltliteratur gezogenen Plot -- neben Kafkas Schloß standen offensichtlich Borges' Bibliothek von Babel und Kis' Enzyklopädie der Toten Pate -- gerade am Anfang mit allerlei blutleerem Geplapper verstauben lassen. So findet sich mancher "hohle Satz, der Eindruck machen will, einer von denen, die tiefgründig scheinen und nichts aussagen. Diesbezüglich hätte der 77jährige Autor gut daran getan, sich an die Weisheiten seiner eigenen Geschichte zu halten. Denn: "Es lohnt nicht, Wörter zu verschwenden".
Irgendwann wird die Karteikarte der Unbekannten -- sie hat Selbstmord begangen -- vom Geburts- zum Sterberegister hinübergetragen -- und Saramagos Fabel nimmt doch noch eine literarisch furiose Wende. Bis dahin aber bleibt die Geschichte der Toten vor allem eine tote Geschichte. So wird wohl mancher Alle Namen (eigentlich zu Unrecht) ungelesen in seinem Bücherregal vermodern lassen und lieber zu Saramagos Evangelium nach Jesus Christus oder zur Stadt der Blinden greifen. Dort ist die gleiche Strategie einer philosophischen Parabel schließlich von der ersten bis zur letzten Seite gelungen. --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Eines vorweg - es ist ein brillantes Buch eines vollkommenen Erzählers mit einer Handlung, auf die man erstmal kommen muss. Der Protagonist Sr José (José wie der Autor) ist ein älterer niederer Amtsschreiber in einer hochbürokratischen Organisation - einem Personenstandsregister, in dem die Eckdaten von Lebenden und Toten verwaltet werden. Dieser José hat es sich zum Hobby gemacht, die Lebensläufe berühmter Persönlichkeiten, sei es aus privater Faszination, sei es aus Langweile heraus, zu sammeln. Dabei stösst er per Zufall auf die Karteikarte einer gänzlich unbekannten, unbedeutenden Frau. José nimmt dies als Wink des Schicksals und setzt sich zum Ziel alles über diese Frau zu erfahren. Hierbei wandelt sich José von einem bisher äusserst korrekten zuverlässigen Amtsschreiber zu einem (aus seiner bisherigen Sicht) geradezu wagemutigen Spürhund, der in seiner Besessenheit einige seiner Ängste und Schwächen überwindet, grosse Risiken eingeht und sogar einen Einbruch und andere ungesetzliche Handlungen begeht. Natürlich findet José einiges über die Frau heraus aber letztlich ist viel weniger die Erkenntnis sondern der Weg zu Erkenntnis von Interesse.
Die Art und Weise, wie Saramago psychologisch feinsinnig diese Geschichte erzählt erinnert an manchen Stellen an Kafka oder Gogol. Dennoch hat Saramago einen ganz eigenen unverkennbaren Stil von ungeheurer sprachlicher Eindringlichkeit, die auch in der Übersetzung nicht verloren geht. Es wird eine immense Bürokratie beschrieben, in der es tradierte hierarchische Beziehungen, Zwänge und unumkehrbare Gesetzmässigkeiten gibt. Schön ist beispielsweise die Stelle, an der José sinniert, dass seit jeher die Angestellten des Personenstandsregisters immer automatisch ihrem Rang nach geordnet nacheinander zur Arbeit erscheinen - und niemand weiss, wie das eigentlich möglich ist. Das Archiv des Personenstandsregisters ist in Jahrhunderten derart gewachsen und labyrinthisch, dass sich dort schon mal ein Heraldik-Forscher verlaufen hat und fast verhungert wäre. Aus diesem Grund kommt es einer Expedition gleich, wenn Dokumente aus den hinteren Teilen des Archivs gesucht werden müssen und dies ist auch nur mithilfe eines Ariadnefadens möglich. Auch der Friedhof ist derart gross, dass man stundenlang in eine Richtung laufen kann und derart organisiert, dass es eigene Felder für z.B. Selbstmörder gibt. Dort ist ein Schäfer, der sich damit vergnügt, die Nummern der Gräber auszutauschen, bevor die Grabsteine aufgestellt werden und so aus dem wohlgeordneten Friedhof ein „unsichtbares Labyrinth" schafft.
Dass José am Ende selbst zu denen gehört, die die seit Jahrhunderten gewachsene bürokratische Ordnung zerstören und aus Toten wieder Lebende macht, zeigt die Verwandlung, die José durchlaufen hat und auch die Selbsterkenntnis, die durch die Suche nach einer unbekannten Frau möglich wurde.
Insgesamt ein unvergessliches, sehr gut lesbares Buch, das man reinen Gewissens empfehlen kann, auch wenn sich der tiefere Sinn vielleicht nicht unmittelbar erschliesst und das Ende zunächst etwas unbefriedigend erscheint.
Die Gefühle von Sr. José lassen sich von Anfang an gut nachvollziehen, weil sie so genau geschildert sind.
Durch den besonderen Schreibstil (die Sätze sind hauptsächlich nur durch Kommata getrennt und nicht durch Punkte)schwimmt man förmlich mit den Sätzen durch das Buch.
Die häufigen Angstzustände des Protagonisten sind mitreißend beschrieben.Man erlebt die spannende Geschichte von Sr. José mit und kann dabei Mitleid für ihn haben,aber es macht viel Spaß das Buch zu lesen, da neben vielen tiefsinnigen Sätzen viele lustige Elemente enthalten sind.
Der Schluß ist überraschend.Es bleibt also bis zum Ende spannend!
Psychologisch meisterhaft beschreibt Saramago in "Alle Namen", wie ein ängstlicher Amtsschreiber zum ersten Mal in seinem Leben Sehnsucht und Leidenschaft kennenlernt, wenn auch nach einer Unbekannten. Wie er von seiner selbst auferlegten Mission besessen ist und seine Pflichten vernachlässigt und wie er seine Ängste und Schwächen überwindet.
Wie er erkennt, daß es nicht darauf ankommt, Berühmtheit zu erlangen, sondern daß jede Person den gleichen Wert hat.
Die Erzählung begleitet durchgehend den Protagonisten, den Amtsschreiber Sr. José, dabei mischt der Autor immer wieder Realität und Imagination. Sehr oft wird fließend vom Geschehen aus weitererzählt, was sich Sr. José in seinen Ängsten ausmalt, und man braucht immer einen Augenblick, um zu erkennen, daß wieder Realität in Fiktion übergegangen ist.
Die Geschichte beginnt mit sehr viel hintergründigem Humor. Sehr trocken, fast so verstaubt wie die Ablagen im Amt, aber nicht ohne Ironie beschreibt der Autor das tägliche Einerlei in der Amtsstube. Danach weicht der Humor ein wenig der Handlung, die der Erzählung nach der doch recht trockenen Einleitung sehr gut tut. Das Beeindruckendste an diesem Werk ist, daß es dem Autor gelingt, eine vollkommen unbedeutende Handlung dann ohne große Effekte doch recht spannend zu gestalten. Als so nach etwa zwei Dritteln des Buches der Verbleib der gesuchten Person geklärt ist, kommt zunächst ein recht langweiliger Teil, bevor die Begegnung von Sr. José mit dem Schäfer auf dem Friedhof dem Werk wieder etwas Farbe verleiht. Das Buch schließt mit einer Überraschung, aber dennoch in dem eher leisen Stil, der das gesamte Werk durchzieht.
Wenn es auch nicht der ganz große Knaller ist, so ist "Alle Namen" dennoch ein von einem großen Sprachkünstler geschriebenes Buch, das doch einigen Unterhaltungswert besitzt und auch leicht lesbar ist, sofern man erst mal den Einstieg geschafft hat und den Roman nicht nach 50 Seiten schon beiseite gelegt hat. Ein Buch, dessen tieferer Sinn zwar nicht unergründlich ist, über den es sich aber dennoch lohnt, einige Gedanken zu verschwenden.
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