Biermann, die Wiederauferstehung Francois Villons in Zeiten der DDR und der alten Bundesrepublik zeugt von der Auseinandersetzung im Kalten Krieg, dem Konflikt des Anspruchs eines Linken in der Auseinandersetzung mit dem verhassten Kapitalismus und dem verabscheuten real existierenden Sozialismus stalinistischer Prägung. Aber er zeugt auch vom Deutschsein und dem Problem damit, der Frage, wer wir sind, was wir wollen und was unsere Rolle in Europa nach einer barbarischen ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist. Biermann ist damit noch heute aktuell, wenn es um zivilen Ungehorsam geht, und sei es nur an der Wahlurne.
In diesem vielseitigen Buch im Taschenbuchformat sind alle Lieder Biermanns versammelt, die ganze Geschichte eines bedeutenden Villon des 20. Jahrhunderts. So ist dieses Buch ein Muss für den, der Biermann als ein wichtiges zeithistorisches Phänomen ansieht und als jemanden, der passiv als Künstler, aber auch aggressiv als Sänger Vieles angeprangert hat. Mir haben seine Lieder immer gefallen, seine Zeitkritik, sein politisches Potential und das Beispiel, das er gab, für einen zivilen, bürgerlichen Mut, die Errungenschaften der Menschlichkeit zu verteidigen und sie deren Verweigerer abzuverlangen - gleichgültig, ob er das im Gegensatz zu mir etwas anders sehen würde: nämlich weniger bürgerlich, mehr sozialistisch. Trotz diesem kleinen Unterschied kann ich dieses Buch, kann ich auch heute noch Biermanns Liedermachertum sehr empfehlen!