oder
Loggen Sie sich ein, um 1-Click® einzuschalten.
oder
Mit kostenloser Probeteilnahme bei Amazon Prime. Melden Sie sich während des Bestellvorgangs an. Erfahren Sie mehr
Alle Angebote
Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
oder
gegen einen Amazon.de Gutschein über EUR 1,45 eintauschen?
Alle Geschichten
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Alle Geschichten [Gebundene Ausgabe]

Reinhard Lettau , Dawn Lettau , Hanspeter Krüger

Preis: EUR 23,50 kostenlose Lieferung. Siehe Details.
  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o o
Auf Lager.
Verkauf und Versand durch Amazon.de. Geschenkverpackung verfügbar.
Nur noch 3 Stück auf Lager - jetzt bestellen.
Lieferung bis Dienstag, 29. Mai: Wählen Sie an der Kasse Morning-Express. Siehe Details.
‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Lesezeichen

Schmerz der verlebten Zeit

«Alle Geschichten» von Reinhard Lettau

Vor zwei Jahren ist Reinhard Lettau gestorben, gerade erst siebenundsechzig Jahre alt. Jung noch, eigentlich, und in der Tat war er sein Leben lang ein «junger» Autor geblieben. Erregbar, nicht weise. Keiner, zu dessen Geburtstag ein Kanzler käme. Er war auch bei seinem Tod noch eher ein writer's writer – von vielen Autoren geliebt, verehrt, mehr als von den lesenden Massen. Das könnte anders werden – es wäre zu wünschen –, denn der Hanser-Verlag legt jetzt alles vor, was Lettau geschrieben hat, in zwei Bänden. Der erste Band ist kürzlich erschienen und enthält alle zu Lebzeiten publizierte Prosa – und die «Frühstücksgespräche in Miami», eine theatralische Phantasie über abgetakelte Diktatoren im Exil, die ursprünglich ebenfalls eine Prosaarbeit gewesen waren und die Lettau dann, weil Heiner Müller ihm dazu riet, zu einem Stück umarbeitete. Zu einem zu seiner Zeit (1977) übrigens überaus erfolgreichen. – Der zweite Band dann wird Aufsätze, Gedichte, Porträts, Kritiken, Gespräche und Miszellen versammeln.

Politische Energie

Lettau war ein durch und durch politischer Autor. Es gibt keine Zeile ohne politische Energie, auch wenn er oft vom Nebensächlichsten zu schreiben scheint. Kein Wunder: sein Leben (er wurde 1929 in Erfurt geboren) war ein Potpourri des alltäglichen Horrors, den dieses Jahrhundert bereithielt. Nationalsozialismus, der Krieg, der Sozialismus, der sich so real existierend in seiner Heimat einzurichten begann, dass seine Eltern in den «Westen» gingen. Das Fliehen, das Nirgendwo-zu-Hause-Sein wurden nicht zufällig zu seinen Lebensthemen. Die Absurdität des Kriegs. Der Irrsinn der Ausübung von Macht.

Mit staatlicher (und anderer) Macht geriet er denn auch immer wieder in Konflikt, am deutlichsten 1967, als er im Auditorium Maximum der Freien Universität Berlin eine Rede über die «Servilität der Presse» hielt und dabei einige Springer-Zeitungen öffentlich zerriss. Es waren die Jahre des Aufruhrs, die Nerven der Behörden der Bundesrepublik lagen blank, und so wiesen sie den intellektuellen Revoluzzer aus. Sie konnten das, weil Lettau eine Amerikanerin geheiratet hatte und Bürger der USA geworden war. Zwar wurde die Ausweisung bald wieder zurückgenommen, aber Lettau lebte fortan in den USA, bald als Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft in San Diego. Sein Buch «Täglicher Faschismus. Amerikanische Evidenz aus 6 Monaten» (1971) zeigt, dass er auch dort politisch hellwach blieb. Ein «Linker» also, aber einer, dem keine fundamentalistischen Phrasen aus dem Mund flossen. Mit ideologischen Hohlformen konnte man ihn jagen, mit «rechten» und mit «linken».

Ganze 364 Seiten sind die Prosaausbeute seines Lebens. Man errät, dass Lettau kein Vielschreiber war. Nein, das war er wirklich nicht. Er war ein bedachtsamer, selbstkritischer, bis zur Zwanghaftigkeit genauer Schriftsteller – der aber, gleichzeitig, luftleicht, witzig und herzlich war. Eigenschaften, die sich in der Regel ausschliessen, gingen bei ihm eine ganz eigene Synthese ein. Jedes Gewicht, das ihn nach unten zog, fand in ihm sein Gegengewicht, so dass sein Werk zu schweben scheint, zu fliegen beinah.

Der zwanghaft Genaue konnte virtuos mit der Sprache spielen, ein Rastelli der Wörter. Der unermüdliche Beobachter realer Macht entwarf Sprachkriege von sich überschlagender Absurdität. Der Aufklärer liebte Phantasien über alles, deren Motor die Sprache und (fast) nur die Sprache war. Ja die Gegensätze reichen bis in diese Sprache selbst hinein: Er war ein Mann ganz dieses Jahrhunderts, und er schrieb zuweilen wie der Goethe der «Wahlverwandtschaften».

Es ist berührend, Lettaus Lebensweg lesend nochmals zu gehen. Was er in fünfunddreissig Jahren schrieb, lesen wir nun in ein paar Stunden. Eine durchaus irritierende Erfahrung. Ich hatte nämlich alle seine Bücher früher schon einmal gelesen, bei ihrem Erscheinen jeweils, und ich hatte in mir ein Gefühl völliger Begeisterung aufbewahrt. Diese Begeisterung – ein fürwahr kostbares und entsprechend seltenes Gefühl – fand ich erst beim Lesen der beiden letzten Bücher wieder. Vorher: Zustimmung oft, freudvolles Wiedererkennen – aber auch das Gefühl eines gewissen Mangels. Mich störte plötzlich die schier absolute Herrschaft der Form, die dem schreibenden Ich keinen Raum liess. Diese Berührungsscheu, dieser beständige Rückzug in die Abstraktion, ins sich selber fortzeugende Spiel, wo mir ein jäher Blick auf Herz und Schmerz wohlgetan hätte. Und dann geschah das Wunder: In «Zur Frage der Himmelsrichtungen» (1988) und, am stärksten, in «Flucht vor Gästen» (1994) fand ich alles, was ich vorher vermisst hatte. Die zwanzig Jahre, in denen Lettau kein Prosabuch veröffentlicht hatte, hatten sich gelohnt.

Heimkommen

Auch in seinen letzten Büchern schreibt Lettau nicht «realistisch», wenn realistisches Schreiben eines wäre, das mit möglichst vertrauten Sprachformen möglichst Vertrautes sagen will. Nein, Lettaus Prosa ist auch deshalb so einnehmend, weil sie nicht nur den Leser, sondern offenkundig auch den Schreiber immer wieder überrascht. Aber jetzt ist ein «Ich» aufgetaucht, das wir getrost «Lettau» nennen dürfen. Ins Spiel kommt gelebter Schmerz hinein, der Schmerz der verlebten Zeit.

Das neue Schlüsselwort heisst «Thüringen». Heimat also, Heimkommen. Da Lettau über eine unsentimentale Klarheit seiner Gefühle verfügt, sieht er natürlich das Groteske daran, just Erfurt zum Herzpunkt der Welt zu machen. Dennoch. In einer unnachahmlichen Szene in «Flucht vor Gästen» sitzt der Held («Lettau») in seinem Haus an der amerikanischen Pazifikküste vor einer Karte der Welt und malt mit Deckweiss jene Länder zu, «die man sich aus der Welt, so wie wir sie kennen, wegdenken könnte, ohne dass Schaden entstünde». Da verschwinden natürlich auf der Stelle ganze Kontinente unterm Weiss. Afrika, Asien, Australien sowieso. Bei näherem Hinsehen dann auch «alles südlich von Suhl». Und sehr bald bleibt nur noch Thüringen übrig. Erfurt. Ach, die hitzigste Sehnsucht hat man stets nach jenem Daheim, das es nicht nur nicht mehr gibt, sondern das es so, wie es die Sehnsucht will, gar nie gegeben hat.

Urs Widmer

Kurzbeschreibung

Das erzählerische Gesamtwerk von Reinhard Lettau in einem Band. Seine Geschichten zeigen einen »in das Spiel vernarrten Aufklärer« (Fritz J. Raddatz), einen Sprachkünstler, der sein Handwerk in einer Weise beherrschte, »wie es in der deutschen Literatur nur wenige Autoren konnten und können« (Joachim Kaiser). Und das Schönste ist: Die hintersinnigen Geschichten sind zum Brüllen komisch.

carpe.com

Nicht viele werden die Geschichten von Reinhard Lettau gut gekannt haben -- Mitglied der Gruppe 47, engagierte sich 68, lehrte Literaturwissenschaft in den USA, starb 1998. Der Band, der jetzt "alle" seine "Geschichten" enthält, dürfte aber für Kenner wie für Nicht-Kenner interessant sein, denn er stellt geradezu das erzählerische Lebenswerk des Autors zusammen -- Sammlungen der Gedichte und der Essays sollen folgen. Ich selbst lese ihn mit großem Staunen: ein Buch, in dem nicht eine einzige Zeile nachlässig geschrieben ist; ein Buch voller klarer Bilder, wunderlicher Gestalten; ein Buch, das den Graben zwischen Wirklichkeit und der ins Surreale drängenden Phantasie mit Leichtigkeit -- fast sollte ich sagen: Anmut -- und sprachlicher Genauigkeit überwindet.

Die erste der Geschichten erschien 1962, die letzte 1995. Im Verlauf dieser über dreißig Jahre findet eigentlich nichts statt, was man einen Stilwandel nennen könnte. Ähnlich wie Hans Magnus Enzensberger hat Lettau seinen Ton sehr früh gefunden, und es ist ein reines Vergnügen, zu beobachten, wie er ihn in der Folge erprobt, variiert, ausweitet, gelegentlich auch harten Belastungsproben unterzieht. Ich weiß noch nicht ganz, woran es liegt, daß ich diesen Ton so klar finde, obwohl Lettau mit Vergnügen und Sorgfalt -- in offensichtlicher Anlehnung an das 19. Jahrhundert und in Abwendung davon -- gern lange Schachtelsätze komponierte; obwohl manche der Bilder eher schmerzhaft überpräzise sind; obwohl fast alle Geschichten das Rätselhafte, Surreale und Groteske lieben.

Wahrscheinlich liegt es daran, daß diese Geschichten offenbar sehr langsam, sehr behutsam und sehr unnachsichtig geschrieben worden sind: Der Zufall, die plötzliche Eingebung oder das Willkürliche haben hier keinen Platz. Der Reichtum an genau abgewogenen Details läßt die Texte schillern, manchmal flirren. Die Herausgeber, Lettaus letzte Frau Dawn und Hanspeter Krüger, beschreiben seine Arbeitsweise als "langwierig und schmerzhaft". Wenn das stimmt, dann hat Lettau das größte Kunststück überhaupt fertiggebracht: In den Geschichten selbst ist nämlich die Mühe unsichtbar geworden.

Und man kann diese Geschichten lieben. Wie eine "Wahlverwandtschafts"-Gartenidylle mit sanfter Beharrlichkeit in eine blutige labyrinthische Groteske verwandelt wird ("Der Irrgarten"). Wie es kommt, daß Osten und Westen ineinanderfließen und welche Probleme es gibt, sich dann noch zurechtzufinden ("Zur Frage der Himmelsrichtungen"); wie sich Ordnungssinn in Wunderlichkeit verkehrt, und wie sich die Wunderlichkeit vor Menschenhaß zu bewahren sucht ("Flucht vor Gästen"). Und so fort, und so fort. In den späten Geschichten tritt das Parodieren zurück, das Erzählen scheint Bruchstücke von Biographischem zu enthalten, die Geschichten verhandeln weniger "weltbewegende" Themen wie Herrschaft, Gewalt und Krieg. Sie werden privater, eher noch verrätselter und darum bewegender.

Lettau-Kenner wußten dies sicherlich schon lange. Dieser Band gibt uns anderen die Gelegenheit, wenigstens nachträglich zu lernen. Die Erläuterungen der Herausgeber sind nützlich und gerade so lang wie für einen durchschnittlich neugierigen Leser nötig. --Dr. Hartmut Kuhlmann

Der Verlag über das Buch

Das erzählerische Gesamtwerk von Reinhard Lettau in einem Band. Seine Geschichten zeigen einen »in das Spiel vernarrten Aufklärer« (Fritz J. Raddatz), einen Sprachkünstler, der sein Handwerk in einer Weise beherrschte, »wie es in der deutschen Literatur nur wenige Autoren konnten und können« (Joachim Kaiser). Und das Schönste ist: Die hintersinnigen Geschichten sind zum Brüllen komisch.

Über den Autor

Reinhard Lettau, 1929 in Erfurt geboren, studierte Komparatistik in Heidelberg und Harvard. Bis 1965 lebte er in den USA, bevor er für 2 Jahre als freier Journalist nach Berlin ging. Von 1967 bis 1991 war Lettau Professor of Literature an der University of California in La Jolle. Von 1991 bis zu seinem Tod 1996 lebte er wieder in Berlin. Sein Werk wurde u. a. mit dem Berliner und dem Berner Literaturpreis ausgezeichnet.
‹  Zurück zur Artikelübersicht

Datenschutzerklärung von Amazon.de Versandbedingungen von Amazon.de Umtausch- & Rücknahme bei Amazon.de