Nach der Lektüre des unterhaltsamen Buches von Gernot Rotter fragt sich der Leser unweigerlich: Wie konnte Herr Konzelmann eine Fachdisziplin vereinnahmen sozusagen monopolisieren? Ganz einfach: Er muss Helfer und Helfershelfer gehabt haben. Hier lassen sich drei unterschiedliche Gruppen herausschälen. Orientalisten bzw. Islamwissenschaftler auf der einen, Buchverleger und Fernsehverantwortliche auf der anderen Seite. Und in der Mitte saß das deutsche Lesepublikum, das jeden Müll ohne Nachzudenken konsumierte.
Die in den 1970er und 1980er Jahren an deutschen Universitäten forschenden und lehrenden Fachleute glänzten durch Abwesenheit in der medialen Öffentlichkeit und machten so den Weg frei für Konzelmanns Vorstoß in den Olymp des Expertentums. Anfang der 90er Jahre besannen sich einige Islamwissenschaftler eines besseren und wagten den Weg heraus aus der Universität, um eigene populär-wissenschaftliche Werke unters Volk zu bringen. Unter ihnen befindet sich auch der von Rotter mehrfach zitierte Kollege Professor Heine, der ein exzellentes Buch mit dem Titel "Terror in Allahs Namen" geschrieben hat. Das ist deshalb erwähnenswert, weil Rotter sich über die "selbsternannten Nahostexperten" echauffiert, die in ihren reißerischen Buchtiteln das Wort "Allah" verwenden, um höhere Verkaufszahlen zu erlangen. Warum sich Professor Heine über die Bedenken seines Fachkollegen hinwegsetzte, bleibt ungeklärt. Vielleicht war nur die Erkenntnis stärker, dass sex sells bzw. spektakuläre Buchtitel die Verkaufszahlen erhöhen.
Was die Verleger und Fernsehintendanten anbelangt, scheint der Sachverhalt eindeutig. "Never change a running system" war das Gebot der Stunde, denn Konzelmann hatte allen beteiligten viel Geld bzw. Erfolg eingebracht. Eine vernichtende Buchrezension (zum Konzelmann Buch: Der unheilige Krieg. Krisenherde im Nahen Osten) von Ulrich Kienzle aus dem Jahre 1985, die Gernot Rotter ausführlich beschreibt, macht dies deutlich. Kienzle enttarnte Konzelmann hier schon Mitte der 1980 Jahre als plagiierenden Schreiberling. Die Kritik von Kienzle ist aber dann im Sande verlaufen, da niemand der Verantwortlichen die eierlegende Wollmilchsau Konzelmann schlachten wollte.
Mit "Allahs Plagiator" ist Gernot Rotter ein realsatirischer Volltreffer gelungen, humorvoll, oft voll beißender Kritik an seinem Studienobjekt Gerhard Konzelmann. Aber was ist der Nutzen des Buches, außer kurzweiliger Unterhaltung. Konzelmann ist aus der Fernsehunterhaltung verschwunden. Das ist gut. Die schlechte Nachricht: Bücher über den Nahen Osten und eine ihm fremde Kultur schreibt "der Experte" immer noch zuhauf. Solange es geschäftstüchtige Verleger und ein naives Lesepublikum gibt wird das auch so bleiben.