Zwar stand ich als Endpubertierender auch mal mit der Guitarre auf der Bühne, aber ein Jazzer bin ich nicht. Den Anstoss zur Lektüre gaben mir Woody Allen und meine Patentochter. Allen mit seinem Film "Sweet and Lowdown", Eva mit ihrem Kontrabass und dem Entschluss zur Karriere als Jazzmusikerin. Also war vertiefte Information angesagt. Und selbst wenn ich unzählige Details wieder vergessen habe, bekam ich trotzdem ein Gefühl für die Entwicklungen und Zusammenhänge. Dass Michael Jacobs dem Leser auch vermittelt, dass Kunst mit Sehnsucht und damit mit Rausch zu tun hat, finde ich nicht störend, sondern zwingend. Ob man dies verurteilt, ist eine Frage der persönlichen Moral.
Ich betrachte dieses Buch als ausführliche Einführung für Jazz-Interessierte. Daher finde es nur normal, wenn leidenschaftliche Jazzer und Musikfachleute Lücken finden oder andere Gewichtungen setzen. Mir kam der chronologische Aufbau sehr entgegen. Denn nur so konnte ich einigermassen nachvollziehen, wie das Gebäude langsam in die Höhe wuchs, wie es seine Umgebung beeinflusste und welches seine wichtigsten Baumeister waren. Hilfreich finde ich auch den ausführlichen Apparat, der Abkürzungen erklärt, die Herkunft der sechzig Bilder aufführt, Lektüre-Empfehlungen abgibt und nebst einem Personenverzeichnis auch Tipps gibt, welche Musikstücke man sich irgendwann anhören sollte.
Mein Fazit. Dem Verlag und dem Autor herzlichen Dank, dass sie Jazz-Interessierten eine so spannende, umfangreiche und auch emotionale Einführung in diesen Musikstil anbieten. Eine unnötige CD sparen und schon hat man die Investition für dieses empfehlenswerte Buch locker wieder drin.