Rami ist jung, attraktiv, hat einen guten Job und ist auf der Suche nach einer ernsthaften Beziehung zu einem Mann, nachdem sein letzter Partner ihn verlassen hat, um eine (Schein-)Ehe mit einer Frau einzugehen.
Seine Geschichte, aber auch die seiner Freunde, davon erzählt dieser Film. Seine beste Freundin entscheidet sich, in die USA zum emigrieren, wird dort aber auf Dauer nicht richtig glücklich und bereitet ihre Rückkehr vor. Er selber ist im Internet unterwegs, lernt aber auch im reellen Leben den einen oder anderen netten Mann kennen. Doch den Jungen von Gegenüber, der ihn schon lange begehrt, überzieht er. Die 'Szene' ist im Gegensatz zu seinem besten Kumpel nicht so seine Sache. Doch auch dieser hatte Glück, dass er vor der Razzia von dort wieder verschwunden war....
Die Bedingungen, unter denen man als schwuler Mann in Ägypten zu Zeit Mubarkas lebte, sind mit mitteleuropäischen Maßstäben kaum zu vergleichen. Ob sich durch die revolutionären Umwälzungen dadurch etwas geändert hat, vermag ich nicht zu sagen.
Die Geschichte spielt bereits 2001 und bezieht sich auf eine Razzia in einer schwulen Bar in Kairo, von der auch in Europa zu lesen war. Man kann davon ausgehen, dass die aufgegriffenen Männer keine wohlwollende Behandlung durch die Ordnungskräfte erwarten durften, außer sie waren Ausländer. Auch davon handelt der Film, von Amerikanern, die in Ägypten auf der Suche nach ihrem verklärten Bild von homosexuellen Einheimischen sind.
Der Film wurde zum Teil heimlich bzw. nicht in Ägypten gedreht. Natürlich sollte man diesbezüglich eine ganz andere Messlatte als bei Hollywood-Produktionen ansetzen. Es wurde ausschließlich Laiendarstellern eingesetzt, was natürlich auch nicht unbemerkt bleibt. Mitunter kommt es zu recht erotischen Szenen und auch zu einer heterosexuellen Vergewaltigungsszene. Mit zwei Stunden Spielzeit weist der Film durchaus auch Längen auf. Teilweise wirkt er überladen. Weshalb also doch eine hohe Wertung von mir: Weil man Einblick in das schwule Leben einer Gesellschaft erhält, die einem ansonsten verschlossen wäre. Weil der Film sehr authentisch wirkt. Als Anerkennung des Mutes des Filmteams. Und nicht zuletzt aufgrund der implizierten Religionskritik hinsichtlich der Figur des fundamentalistischen Nachbars von Rami, der sein unterdrücktes sexuelles Verlangen nicht unter Kontrolle bekommt.
Fazit: Eine außergewöhnliche Produktion.