In mehrfacher Hinsicht ist kommerzieller Erfolg im Jazz den Kritikern stets suspekt gewesen. Entweder wird dem Künstler ohne Federlesen die Zugehörigkeit zur Sparte aufgekündigt, oder die Gründe für die Durchschlagkraft lassen sich plötzlich in allem anderen als der musikalischen Qualität entdecken: Image, Aussehen, Merchandising. Unterton ist jedoch immer: "Guter Jazz ist nicht gefällig sondern anspruchsvoll, unprätentiös, und kann somit der Masse nicht gefallen." Und er kann es doch.
Seit 10 Jahren befindet sich die 1964 im kanadischen British Columbia geborene Pianistin und Sängerin Diana Krall auf einem stetig nach oben weisenden Karriereweg, den die blonde Jazz-Chanteuse selber mit einer Menge Glück begründet. Wer sie jedoch zuletzt auf einem ihrer diversen Auftritte in Europa erleben konnte, wird sehr schnell von ihrer immensen Ausstrahlung aber vor allem ihrem enormen Talent und ihre Musikalität gefangen genommen worden sein. Genau das Unprätentiöse, Intuitive und nicht zuletzt Laszive vereint Diana Krall wie kaum eine andere Interpretin sämtlicher lebender und vergangener Generation so elegant und gefühlvoll. Ihr Klavierspiel ist virtuos und leicht, kann unglaublich swingend daherkommen und sich geschickt im Hintergrund verbergen, nur um im richtigen Moment das Drama des Herzschmerz aus dem Mark des Zuhörers zu saugen und das ganze Volumen das das Instrument einer wirkungsvollen Improvisation verleiht scheint sich auszuschütten. Dabei überschattet Ihr Spiel aber nie die Atmosphäre des Songs und nimmt sich nicht zu wichtig, was sich besonders auf ihrem jüngsten Album, dem Platin-veredelten "The Look Of Love" zeigt.
Kralls Stimme, mit ihrem rauchigen, schmeichelnden Timbre, vermag es, die Stücke, die sie interpretiert mit erschütternder Glaubhaftigkeit in kleine Empfindungsstudien umzuwandeln, ohne übergroße Tragik aufkommen zu lassen. Sie wolle Gefühle äußern, ohne dem Zuhörer die Chance zu nehmen, sich selbst individuell in den Liedern wiederzufinden. Dass gerade dies gelingt, lässt sich sicher auch auf die Auswahl Ihres Materials zurückführen. Krall erweckt die Jazz-Standards des Amerikanischen Songbooks wieder zum Leben und entdeckt ihre eigenen Versionen alter Klassiker von Nat King Cole, Peggy Lee und Sinatra. Sie sagte stets, dass sie nur über Dinge singen kann, die sie selbst nachempfinden könne, und ihr erwähltes musikalisches Metier ist noch nie im Besonderen für politische und gesellschaftskritische Thematiken bekannt gewesen. Somit bewegen sich die meisten Ihrer Stücke zwischen Liebes-Freudentaumel und Liebes-Wehmut, wie sie es schon immer getan haben.
Mit "All For You" (GPR), einer Hommage an das legendäre Nat King Cole Trio, erreicht sie 1996 ihre erste Grammy-Nominierung und pflanzt sich für sagenhafte 70 Wochen in die traditionellen Jazz Charts der USA. Unglaublich pur kommt dieses Album daher, jeden Hauch, jedes Vibrieren der Bass-Saiten sind zu hören und die Atmosphäre ist intim und intensiv.