Mit ihrem zweiten Album setzen Johnossi erfolgreich eine erfreuliche Tradition fort: erstklassiger Rock aus dem hohen Norden. Wer sich bereits am Debüt erfreute, sollte nicht lange grübeln - und sich nicht von verhaltenen Rezensionen einiger Musikseiten abschrecken lassen.
Ja, wer sich auf dem ersten Album in Johns Stimme, seine Riffs und Ossis Schlagzeug verliebt hat, wird den Nachfolger nun euphorisch in die heimische Plattenkollektion einordnen, sehr wahrscheinlich in der schon gut sortierten Minimalismus-Abteilung, direkt neben The White Stripes und The Black Keys. Für alle, die vielleicht etwas unsicher sind/noch nie was von den Beiden gehört haben, ab auf die offizielle Website, dort steht eine beachtliche Auswahl an Songs in kompletter Länge bereit. Hier noch eine kurze Zusammenfassung:
18 Karat Gold gibt einen fantastischen Opener ab, startet gemächlich, steigert sich kontinuierlich, bis John im Refrain eindrucksvoll demonstriert, was seine Stimmbänder so hergeben, und das ist eine ganze Menge! So in Fahrt gekommen, geht es mit Party With My Pain gleich flott weiter, die Single mit entsprechend energischem Video hat hohes Hitpotential und eignet sich ganz ausgezeichnet, um auf der Tanzfläche ausgiebig die eigene Flexibilität zu testen. Auch bei Send More Money und Train Song schreit sich John regelrecht heiser, man könnte meinen, er schluckt wohl tonnenweise Kräuterbonbons, die meisten Menschen hätten jetzt nämlich erhebliche Halsschmerzen. In The Mistery Time Of Cold And Rain bleibt schließlich die balladeske Ausnahme und klingt wunderbar melancholisch nach Folk. Zeppelin, Bobby (man beachte gegen Ende besonders das wahnwitzige Solo, einfach großartig), All They Ever Wanted (ach, woran erinnert uns eine dissonante Gitarre? Genau, als Jack White-Liebhaber wird einem das Herz hier sofort wollig warm) und Up In The Air halten das rasante Tempo und strapazieren Johns Stimmbänder bis zum Äußersten. Lie Lie Die ist abschließend ein wenig langsamer, steigert sich zwar noch zu einem klangvollen Crescendo, bildet aber einen leisen Ausklang 37 energiegeladener Minuten.
Was den lyrischen Aspekt betrifft, ist mit einem breitbandigen Spektrum von Herzschmerz, rebellischem Trotz, makaberem Humor bis zu melancholischer Nostalgie viel Abwechslung geboten - ein paar Dezibel mehr bedeuten also nicht, man könne Johnossi nun in die Ecke (post)pubertärer (Punk)Rock stellen.
Letztendlich verzichtete das Duo auf dem zweiten Album lediglich auf Pop-Elemente im Stil von Rescue Team, wer da meint, er misse die Melodiösität, lässt hiervon seine Finger. Alle, die meinen, etwas Krach habe noch niemandem geschadet und gehöre eben zu Rock, greifen beherzt zu und werden erfreut feststellen: Johnossi haben sich konsequent weiterentwickelt. Und im Moment sind sie bestimmt der beste Grund, das eigene Schwedisch mal etwas aufzupolieren. Hehe!