Bebel Gilbertos neues Album bringt den Sommer in die vorwinterliche Stimmung.
Heute gab es mit der Veröffentlichung bei uns den ersten Schnee. Schade irgendwie, dass das deutsche Release-Datum wieder mal nach hinten verschoben wurde, denn das Album hätte noch besser in die goldenen Oktobertage gepasst als in diese Herbst- und Winterstimmung.
Nichtsdestotrotz lässt einen das Album die Kälte etwas vergessen.
Es gibt wirklich ein abwechslungsreiches, loungiges Sommeralbum mit vielen ruhigen, entspannten Bossa Nova Songs, einigen experimentelleren Songs und ein paar schnelleren Songs mit Retrosoul- und Sambaeinflüssen. Insgesamt wirkt alles einfacher, sparsamer instrumentiert und noch intimer als bei ihrem letzten Album, es ist ja auch alles durch ihre Hochzeit sehr persönlich geraten. Also kein neues "Tanto tempo", "Bebel Gilberto" oder "Momento", eher eine wieder ganz neue Bebel Gilberto, die vielleicht noch Einflüsse aus ihren letzten Alben einbringt. Unterstützung bekam sie u.a von Didi Gutmann, Carlinos Brown, Daniel Jobim oder John King.
Jeder Song hat etwas Besonderes und klingt verschieden, es gibt keine Wiederholungen und so passt der Titel "All in one" wirklich perfekt.
"Cancao de amor" ist ein entspannter Opener mit viel Melancholie und Charme, "Sun is shining" ist ein cooler Clubtrack, ein Remake von Bob Marley, das man an vielen Stellen gar nicht wiedererkennt. So mag ich Coverversionen.
"Bim bom" klingt wie ein Brasilien Urlaub und bei "The real thing" wird's sogar 60's und 70's lastig mit dem Produzenten Mark Ronson von Amy Winehouse, ein schmissiger Retrosoultrack, gecovert von Stevie Wonder.
Dass Bebel wunderschöne, melancholische Songs schreiben kann, beweist sie bei "Far from the sea", "Forever" und "Port Antonio", die allesamt wunderschön chillig, balladesk und sehr reduziert akustisch mit viel Klavier daherkommen, Melancholie pur, unterstützt durch Geigen und Celli.
"Forever" wünscht man sich sowieso doppelt so lang, die Spielzeit von zweieinhalb Minuten ist viel zu kurz und trübt ein wenig den Gesamteindruck; überhaupt ist die Spielzeit wieder mal ne kleine Enttäuschung, da die meisten Songs so bei 3 Minuten schon wieder zuende sind.
"Secret (segredo)" ist ein klasse Song, der am Ende schon ein wenig poppiger daherkommt und mich auch ein wenig an Songs von Katia B erinnert.
"Chica chica boom chick" ist ein Samba-Song, DER Gutelaunesong des Albums.
Neben "Forever" ist der Titelsong mein absolutes Highlight des Albums. "All in one" erinnert mich etwas an "Momento" vom letzten Album, hat ein paar elektronische Einstreuer und eine glänzende Mitsing-Melodie, poppig und trotzdem brasilianisch anmutend.
Das neue Album kommt zwar insgesamt gesehen wieder nicht an das große Highlight "Bebel Gilberto" heran, bietet aber für mich genügend Highlights, um als eines der Topalben des Jahres zu glänzen. Leider sind mir einige Songs zu kurz, was schon ins Gewicht fällt. Aber Bebels Stimme, die großen Gefühle und die tollen Songs machen auch die Kürze der Songs vergessen.
Wer auf eingängige Lounge- und Bossa Nova-Musik steht und die portugiesische Sprache liebt, der sollte hier zugreifen.