In "All Marketers Tell Stories" geht es angeblich um die Psychologie der Befriedigung und das Hauptargument ist, dass Konsumenten in erster Linie das Gefühl kaufen, das mit dem Kauf oder Gebrauch eines Produktes verbunden ist. Diese Empfindungen sind abhängig von den jeweiligen Weltanschauungen der Kunden, die sich selbst Geschichten ("Lügen") erzählen, damit ein Produkt in ihre Sicht der Welt passt. Die Kunst des Marketing besteht nun darin, seine Produkte zu anschlussfähigen Geschichten zu machen, die es Kunden mit bestimmten Weltanschauungen leicht machen, diese Geschichte mit ihrer eigenen zu verbinden. Dies gelingt am besten, wenn man nicht versucht, die Weltanschauungen seiner Kunden zu ändern und die eigene Geschichte konsistent ist und vom Unternehmen selbst gelebt wird.
Diese Zusammenfassung lässt schon erahnen, dass das Buch einfach nichts Neues enthält, sondern nur ein übermäßig vereinfachtes, theoriefreies und deformiertes Standardmarketing. Der Begriffs- und Theorieapparat des akademischen Marketing ist erstens umfassender, präziser und differenzierter und zweitens auch näher an der Praxis. In dem ganzen, kleinen Büchlein sucht man vergeblich nach Umsetzungsvorschlägen, Checklisten, Heuristiken oder irgendetwas, das einen Praxistransfer ermöglicht.
Die angekündigte Psychologie der Befriedigung fällt aufgrund nicht vorhandener Bezüge zur Psychologie aus. Dafür wimmelt es nur so von (US-amerikanischen) Beispielen für oder gegen gelungenes Storytelling. Von Fallstudien kann man leider nicht sprechen, dafür fehlt eine systematische Analyse. Die vertretenen "Thesen" sind so schwammig, dass man sie auf alles beziehen kann. Die Gliederung selbst ist das reinste Chaos und ich werde nie verstehen, dass Autoren glauben, man könne ihnen leichter folgen, wenn sie ca. auf jeder Seite einen neuen Abschnitt mit Überschrift einfügen (hier natürlich auch ohne Nummerierung).
Um es zusammenzufassen: Irgendwelches neues Gedankengut für theoretisch veranlagte Menschen (z.B. BWL-Erstsemester)? Nein! Nützliche Tipps für den Marketingpraktiker? Nein! Macht es Spaß dieses Buch zu lesen? Teilweise! Meine Empfehlung ist dementsprechend eindeutig: Finger weg!