Nach 15 Jahren Musikschaffen, Dutzenden Hits mit seiner Familienband (in den USA), diversen Auszeichnungen (etliche Grammy-Awards) und einem tollen "Debüt"-Studioalbum in 2002 wurde es eigentlich mal Zeit. Raphael Saadiq, früher Tony Toni Toné, danach Lucy Pearl, immer noch sehr erfolgreicher Songschreiber und Produzent (u.a. D’Angelo, Kelis, Erykah Badu) hat ein Live-Album mit vielen seiner größten Hits vorgestellt.
Das randvolle Doppelalbum wurde im Sommer letzten Jahres vorwiegend in der Los Angeles-Filiale der "House Of Blues"-Kette aufgenommen, eine kleinere Konzerthalle, nicht ganz mit der Intimität eines Clubs, aber auch nicht zu groß. Passend zur Musik. Beeindruckend sind Aufnahme- und Tonqualität der amerikanischen HD-CD, die Live-Atmosphäre kommt ungeheuer plastisch, direkt und schön herüber.
Das Album ist kein "Best Of", sondern eher eine aktuelle Bestandsaufnahme von Raphaels Musikschaffen der letzten drei oder vier Jahre, angereichert mit ein paar ausgewählten Tony-Hits (nur welche, an denen Bruder Dwayne nicht mitgeschrieben hat, schade eigentlich).
22 Titel gibt es live eingespielt zu hören, vorrangig so ziemlich alles vom Soloalbum in verlängerten Versionen – und mit tollen Gaststars, zumeist alten Freunden (DJ Quik, Leslie Wilson, Goapele, D’Angelo). Dazu sieben Tony-Nummern, in einer Art Medley jeweils knapp 2 Minuten hintereinander angespielt. Die Band spielt mit Freude und hoch kompetent, Raphael singt sicher, die Saadiq-typische Gitarre perlt zu prächtigen Bassläufen, die Backgroundsänger sind Klasse. Das Publikum geht prima mit, ohne die Band niederzuschreien.
Besonders gut gefallen mir die live deutlich veränderten Nummern. Gute Beispiele sind etwa "Charlie Ray", "Excuse Me", "Ask of You", "Blind Man" und "Uptown" (absolut sensationell). Die Abweichungen vom Studio-Original sind zumeist allerdings nicht soo riesig (Ausnahme: Das extrem verrockte "Be Here" mit einem höchst intensiven D'Angelo). So empfiehlt sich die Platte dann doch vorwiegend für Neu-Entdecker, die sich einen richtig guten Überblick verschaffen wollen - und natürlich für überzeugte Fans. Beide Käuferschichten werden voll auf ihre Kosten kommen.