Eve Arnold (geb. Cohen) erblickte am 21. April 1912 in Philadelphia (USA) als Tochter russisch-jüdischer Immigranten das Licht der Welt. Sie brach ihr Medizinstudium ab und widmete sich seit 1946 der Fotografie, nachdem sie eine einfache Spiegelreflex-Rolleicord geschenkt bekam. 1948 folgte ein Crashkurs bei ihrem Mentor Alexei Brodowitsch, seinerzeit Artdirector von *Harper's-Bazaar* und ab da nannte sie sich *Fotografin*. 1948 heiratete sie, wurde ein Jahr später Mutter ihres Sohnes Frank und siedelte 1961 nach Großbritannien um, wo sie am 4. Januar 2012 in London friedlich verstarb, kurz vor ihrem 100sten Geburtstag.
Aber Eve Arnold war viel mehr als nur diese Aneinanderreihung von Daten. Sie arbeitete zunächst für das Life-Magazin, fotografierte in New Yorker Bars, porträtierte kubanische Fischer oder afghanische Nomaden, aber auch Promis ihrer Zeit wie die Crawford, Anthony Quinn oder die Taylor und immer wieder Marilyn Monroe, die sie eine lange Wegstrecke, von Anbeginn ihrer Karriere als Schauspielerin, intensiv begleiten durfte. Berühmtheiten wie Jacqueline Kennedy, Malcolm X und andere Vertreter der Schwarzen Revolution ind den USA, aber auch Queen Elizabeth II. oder Maggi Thatcher, ließen sich von ihr ablichten.
Sie bereiste als Fotografin mit wachen Augen, gerade in konfliktgeladenen Zeiten, Krisengebiete, und so sehen wir noch heute viele Aufnahmen aus Russland, Südafrika, Afghanistan und China. Nie verschloss sie ihre Augen vor dem Elend in dieser Welt. Im Gegenteil: Sie hielt immer drauf, wenn es galt, Rassenunruhen, Kriege und Hoffnungslosigkeit anzuprangern.
*Manche Themen kehren immer wieder in meiner Arbeit* sagte Eve Arnold in einem Interview. Oder auch: *Ich war arm, und ich wollte die Armut dokumentieren. ... Ich interessierte mich für Politik ... und wollte als Frau mehr über Frauen wissen.*
Als erste Frau wurde sie 1951 Mitglied bei Magnum-Photos, was natürlich ein weiterer beachtlicher Meilenstein in ihrer Karriere als Fotografin war. 2010 wurde sie mit dem World Photography Award für ihr Lebenswerk geehrt.
In dem vorliegenden Bildband zeigt der TeNeues-Verlag dankenswerterweise eine gelungene Auswahl aus dem mehr als 750.000 Aufnahmen bestehenden Repertoire dieser engagierten, immer wachen Fotografin und lässt die Künstlerin einen Teil dieser Sammlung durch Beigabe handschriftlicher Originalnotizen selbst kommentieren, was zu einer außergewöhnlichen Authentizität beiträgt, insbesondere bei den zuvor noch nie veröffentlichten Aufnahmen, die neben *Arnolds Foto-Ikonen* zahlreich vertreten sind.
Dieser Bildband ist wahrhaftig eine grandiose *Retrospektive einer legendären Fotografin, die 2012 ihren 100. Geburtstag gefeiert hätte* und lässt mich 5 Sterne mit Freude vergeben, verbunden mit einer aufrichtigen Kaufempfehlung für jeden Freund der - insbesondere - Schwarz-Weiß-Fotografie. HMcM