Neben der Chronik und seiner Arbeit als Archivar der verschwundenen Stimmen Europas im monumentalen "Echolot", muß man m.E. die Tagebücher "Sirius" und "Alkor" zu den wichtigsten Werken von Walter Kempowski zählen.
"Alkor" besticht einmal mehr durch Kempowskis Beobachtungen, seinen schnodderigen Humor, seine liebenswürdige Altmodischkeit und seine glasklaren gesellschaftlichen Aussagen - die man nicht in jedem Punkt teilen mag, und trotzdem dieses Buch mit viel Spaß und Gewinn lesen kann. Jeder Tag wird mit den Schlagzeilen von "Bild" und "Neues Deutschland" eingeläutet, des Weiteren notiert Kempowski regelmäßig Traumsequenzen und den sehr unterhaltsamen "Dorfroman". Somit wird "Alkor" zu einem Dokument des Alltags eines deutschen Schriftstellers, der uns Einblick in seine Welt gewährt, an Freude und Leid, oftmals manifestiert in der von Kempowski erlebten Ausgrenzung im Kulturbetrieb. Dass das zwar angesichts einer teilweise betonköpfig bornierten "Kulturelite", die - bei aller 'political correctness' - ihren Kultur-Gral sorgsam durch Isolation und Ausgrenzung verteidigt, durchaus nachvollziehbar ist, ist die eine Seite. Allein man fragt sich bisweilen, warum Kempowski sich nicht mehr an jenen Freunden orientiert, die er im kulturellen Leben der Bundesrepublik ja durchaus hat.
Schade lediglich, daß er nicht wie in "Sirius" uns noch mit ein paar Photographien zusätzlich erfreut.