Goran Bregovic ist seit über drei Jahrzehnten eine der bestimmenden Figuren der (ex)jugoslawischen Musikszene. Als Mastermind der großartigen Bijelo Dugme schuf er musikalische Meisterwerke, welche nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben. In den 90ern, zumeist Filme des ob seiner Nähe zu Milosevic und sonstiger Anwandlungen mittlerweile eher verruchten E. Kusturica vertonend, stieß Bregovic in neue musikalische Dimensionen. Dabei entdeckte er sich teils neu, teils re-arrangierte er alte Bijelo Dugme Hits. Mit zunehmender Popularität des "Balkan-Sounds" im Westen (ich erinnere mich noch an die Zeiten, als die Leute sich erschrocken abwandten, als ich meine noch nicht ganz ethno-tauglichen Jugotapes spielte - heutzutage hüpft alles zu Shantel - gut so!), wechselte Bregovic zunehmend seinen Sound (u.a. Underground, aber auch die großartigen Eigeninterpretationen mit Kayah).
Mittlerweile ist er jedoch leider in der völligen Redundanz und musikalischen Belanglosigkeit angekommen. Die Lieder dieser Platte sind leider nur mehr Versatzstücke und aneinandergereihte Ausdruckslosigkeiten: sicherlich perfekt arrangiert, sodass von Wien nach Berlin nach Paris sich alle daran erfreuen können, jedoch es fehlt die Seele. Vergleichen Sie die alte Version von Ruzica mit dieser hier - das Feuer ist weg, hier wird für den Markt produziert. Aber solange es funktioniert, wird Bregovic wohl mit den nunmehr sehr bewehrten, wenngleich immer gleichen Schablonensounds weitermachen. Ich denke, jemand, der in ganz Ex-YU nahe am Status einer musikalischen Legende ist, könnte es besser und ist sich und seinem Publikum mehr schuldig.
Aber vielleicht braucht er das auch garnicht - Ex-YU hört noch immer Bijelo Dugme (Nostalgie etc), sogar Sarajevo hat dem verlorenen Sohn verziehen (im Gegensatz zum sich auf Nemanja umgetauft habenden Kusturica), und die Freunde der "Ethnomusik" im Westen kennen das alte Zeug eh nicht. Bregovic wird's freuen. Warum ich dafür 3 Sterne vergebe, muss wohl daran liegen, dass es für Novizen immer noch ein nettes easy listening Album ist - nett, mehr aber nicht.