Pressestimmen
"Borowiak weiß, wovon er schreibt. Er kennt, daraus macht er keinen Hehl, den Rausch, das Leben mit Alk, Entzug, Entgiftung, Entwöhnung, Rückfälle, die gängigen Therapie- und Behandlungsformen aus eigener Erfahrung. Er berichtet in "Alk" von Erkenntnissen und Möglichkeiten, nicht von seinem persönlichen Kampf. Aber er wendet eine Waffe an, die nicht nur in der Literatur zur eleganten Selbstverteidigung taugt: Komik." (taz )
"Simon Borowiak ist ein geniales Buch gelungen, … das nicht trocken über das Thema Alkohol schreibt, sondern den Leser mitnimmt auf (s)eine ganz persönliche Reise. Eine Reise, die sich lohnt, denn am Ende der 174 Seiten hat man das Gefühl, tatsächlich alles über Rausch, Entgiftung, Rückfall, Trinkmotive und Behandlungsformen - kurz alles über Alk - zu wissen." (Deutschland Radio )
"Simon Borowiak ist ein geniales Buch gelungen, … das nicht trocken über das Thema Alkohol schreibt, sondern den Leser mitnimmt auf (s)eine ganz persönliche Reise. Eine Reise, die sich lohnt, denn am Ende der 174 Seiten hat man das Gefühl, tatsächlich alles über Rausch, Entgiftung, Rückfall, Trinkmotive und Behandlungsformen - kurz alles über Alk - zu wissen." (Deutschland Radio )
Kurzbeschreibung
DAS Buch für Alkoholabhängige, suchtgefährdete Jugendliche, Ärzte, Genuss-, Gelegenheits- und Profitrinker
Wie sieht ein Rausch von innen aus? Wie funktioniert eine Entgiftung? Bin ich Alkoholiker? Und wenn ja: Muss ich jetzt in die Gosse? Aus der Sicht eines Betroffenen, aber ganz ohne Betroffenheit, nähert sich Simon Borowiak dem heiklen Thema Alkoholismus mit all seinen Facetten – fachlich fundiert, aber verständlich, witzig-ironisch und dabei stets schonungslos direkt.
Wie sieht ein Rausch von innen aus? Wie funktioniert eine Entgiftung? Bin ich Alkoholiker? Und wenn ja: Muss ich jetzt in die Gosse? Aus der Sicht eines Betroffenen, aber ganz ohne Betroffenheit, nähert sich Simon Borowiak dem heiklen Thema Alkoholismus mit all seinen Facetten – fachlich fundiert, aber verständlich, witzig-ironisch und dabei stets schonungslos direkt.
Klappentext
"Borowiak weiß, wovon er schreibt. Er kennt, daraus macht er keinen Hehl, den Rausch, das Leben mit Alk, Entzug, Entgiftung, Entwöhnung, Rückfälle, die gängigen Therapie- und Behandlungsformen aus eigener Erfahrung. Er berichtet in "Alk" von Erkenntnissen und Möglichkeiten, nicht von seinem persönlichen Kampf. Aber er wendet eine Waffe an, die nicht nur in der Literatur zur eleganten Selbstverteidigung taugt: Komik."
taz
taz
"Simon Borowiak ist ein geniales Buch gelungen, ... das nicht trocken über das Thema Alkohol schreibt, sondern den Leser mitnimmt auf (s)eine ganz persönliche Reise. Eine Reise, die sich lohnt, denn am Ende der 174 Seiten hat man das Gefühl, tatsächlich alles über Rausch, Entgiftung, Rückfall, Trinkmotive und Behandlungsformen - kurz alles über Alk - zu wissen."
Deutschland Radio
Über den Autor
Simon Borowiak, geboren 1964, war sieben Jahre Redakteur bei dem Satireblatt "Titanic" und ist Autor des Bestsellers "Frau Rettich, die Czerni und ich" (verfilmt mit Iris Berben). 2007 erschien bei Heyne "ALK-fast ein medizinisches Sachbuch", laut Spiegel "ein Wunder an Komik, Recherche und Weisheit". Es folgte "Wer Wem Wen. Eine Sommerbeichte" ("Ein wunderbar glänzender Roman", Brigitte).
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Fragen über Fragen, die in diesem Buch beantwortet werden.
Im Zuge einer Entwöhnungstherapie hörte ich fünf Monate lang Vorträge, ließ mich von Therapeuten auseinandernehmen, diskutierte mit Mitpatienten und las mich durch einige Regalbretter Alkoholismus-Literatur. Und wurde zunehmend unwillig: Die Fachbücher waren mir zu fachlich, die Bücher von Betroffenen zu betroffen und die Ratgeber von Nichtbetroffenen zu anmaßend. Also beschloss ich anmaßend, das ultimative Alk-Buch zu schreiben: Fachlich fundiert, aber verständlich; geschrieben von einem Betroffenen ohne Betroffenheit. Und das alles im Dienste von Aufklärung, Verständnis, Naturwissenschaft und Komik … Im Gegensatz zu den herkömmlichen Ratgebern bietet »ALK« harte Fakten, weich erklärt lustige Skizzen sowie Freude am Thema
Erfahrungen aus erster Hand.
»ALK« ist das Buch für alle, die schon mal einen heben. Und für alle, die schon einen zu viel gehoben haben. Und für alle, die sich mit dem Thema Alkohol beschäftigen müssen. Kurz: das Buch für Genusstrinker, Profi-Trinker, Ärzte, Therapeuten, Winzer, Angehörige, Minderjährige, Getränkelieferanten, Hirnforscher und Penner. Und damit wir uns richtig verstehen: Die Welt ist ein Jammertal, und es steht nirgendwo geschrieben, dass der Mensch den ganzen Rotz ohne kleine Hilfsmittel ertragen müsse. Ich käme auch nicht im Traum auf den Gedanken, jemandem das Recht auf Rausch abzusprechen. Sollten dergleichen Vorwürfe laut werden, weise ich sie schon jetzt zurück. Jeder Mensch sollte das verbriefte Recht auf Ekstase, Entrückung und Verzückung haben. Aber er sollte auch über die möglichen Nebenwirkungen informiert sein. Im Übrigen wünsche ich mir, dass dieses Buch der Völkerverständigung zwischen Trinkern und Nichttrinkern dienen möge.
Hamburg, den 8.9.05
1 › Der Rausch
Von Schwips bis Tod
Doch alle Lust will Ewigkeit –, bzw.: Heute blau, morgen blau
– will tiefe, tiefe Ewigkeit und übermorgen wieder …
NIETZSCHE VOLKSMUND
Die medizinische Fachwelt ist sich einig: Der Rauschzustand ist ein wichtiges Standbein des Alkoholismus. Wer sich mit Alkohol beschäftigt, kommt um den Rausch nicht herum. Erst das profunde Rausch-Verständnis ermöglicht ein Verständnis der Krankheit. Im Folgenden werde ich nun also den komplexen Verlauf von einer ganz normalen Nüchternheit über den Interims-Schwips bis zum Haubitzen-Vollrausch und dem werten Ableben so plausibel beschreiben, dass sogar ein Grundschulkind folgen könnte. Dazu müssen wir zunächst wissen, wie es in uns aussieht. Wer Bescheid weiß, kann weiterblättern. Wer mal Bescheid wusste, kann Wissen auffrischen. Wer noch nie einen Körper von innen gesehen hat, sollte sich die elektronenmikroskopischen Skizzen einprägen und damit bei der nächsten Gelegenheit (Stammtisch/Selbsthilfegruppe/Staatsexamen) herumprahlen.
Nun gehen wir noch weiter rein; nun zum Rausch. Den muss man sich wie eine gewaltige Keilerei unter Neurotransmittern vorstellen, quasi wie eine Art neuronale Wirtshausschlägerei. Wir begeben uns jetzt also ins Allerheiligste, in ein durchschnittliches Hirn, in eine gutbürgerliche, nüchterne Neuro-Kneipe. Nennen wir sie »Zum Oberstübchen«. Dort herrscht geschäftiges Treiben der körpereigenen Substanzen. Aus den Zapfhähnen (Drüsen) quellen Hausmacher-Hormone, Opiate, Morphine, Amine und wie die Stimmungsmacher aus eigener Produktion sonst noch so heißen; hier wird unser sogenanntes »Stimmungs-Büffet« zusammengestellt. Und dieses Stimmungs-Büffet ist üppig: Da gibt es Ärger, Freude, Wut, Lust, Melancholie, Angst, Verzweiflung, Euphorie, Glück, Hochlaune, Tieftrauer, Langeweile, kurz: Kein Anlass, zu dem nicht die entsprechende Spezerei bereitstehen würde. Die Kellner (Botenstoffe, Transmitter) eilen umher und servieren den Gästen (Rezeptoren) den Stoff (Hormone, Morphine etc.). Und wie in jeder gepflegten Kneipe werden hier auch die neuesten Nachrichten ausgetauscht; ständig tauchen Informanten auf und berichten brühwarm über alles, was sich vor der Tür gerade tut (Reize und Reizleitung). Und der Mensch lacht, weint, frohlockt oder grübelt, er fühlt sich pudelwohl oder gähnt oder hat den Blues. So weit aus dem normalen Tagebuch eines nüchternen Mitbürgers. Nun ist der Mitbürger aber unzufrieden mit dem, was das Stimmungs-Büffet heute hergibt. Es kann ja sein, dass ihm gerade zu viel Schmerz oder zu wenig Glück serviert wird, oder ihm ist einfach nur langweilig – und da denkt sich der Mensch: Jetzt etwas Alkohol wäre nicht schlecht! Dann wird es dir anders, vulgo besser ergehen! Schmerzen werden gelindert, Glücksgefühle werden getoppt, und überhaupt könnte etwas Partylaune im Oberstübchen nicht schaden! Der Mensch greift also zum Glase und zimmert sich den Alkohol in die Blutbahn. Und da! Wenig später taucht plötzlich die lustige Rasselbande aus dem Glas im Oberstübchen auf; lauter gut gelaunte C2H5OH-Moleküle dringen in das – noch – geordnete Stübchen ein und sorgen dort für Schabernack. Die munteren Ethanol-Lausbuben belagern die Zapfhähne und treiben ihren Scherz mit den Gästen: Die Trauerklöße bekommen sofort Hausverbot, und während die Stimmungstöter murrend das Feld räumen, bekommen die Gäste, die gerne an den guten Sachen wie Frohsinn und Gutlaune nippen, doppelte Portionen.
Der Fachmann spricht hier von einem Ungleichgewicht beim Austausch der Nervenbotenstoffe. Gewisse Rezeptoren werden blockiert, andere überversorgt. Alkohol wirkt sozusagen als Saboteur und Beschleuniger im Hemmungs-
Erregungs-Kreislauf. Durch Blockaden kommt z. B. die sogenannte anxiolytische Wirkung zustande, will sagen: Wir fühlen uns sauwohl, sorgenfrei und entspannt, weil erregende Substanzen nicht mehr weitergeleitet werden. Nach wiederum anderen Erkenntnissen soll es sogar eigens für die C2H5OH-Hallodris vorgesehene Rezeptoren geben, sodass sie eventuell doch direkt in den Funkverkehr eingreifen, aber hierüber streiten noch die Gelehrten. Bis die Wissenschaft endgültig zu Potte gekommen ist, müssen Sie mit dem sogenannten Boro-Schema vorliebnehmen:
Ein Nerv aus der Ferne gesehen:
Und jetzt nah dran:
Noch näher: 1 Neuron
Die stille schnelle Nervenpost: Transmitter (gibt es in den Modellen CHEMIE und ELEKTRO)
Normale Weiterleitung der Infos Durch Alk blockierte Leitung
Präsynapse Postsynapse
synaptischer Spalt
Ja, so fühlt der Mensch sich wohl, so lässt sich’s leben, ist doch alles halb so wild bzw. ist das Leben nicht schön, hihi, ich will so bleiben wie ich bin auf der Reeperbahn nachts um halb eins und scheiß auf ora et labora! Hier machen wir erst mal einen Punkt und nennen den Status quo »Schwips«.
20 Gramm reinen Alkohol (0,2 Liter Wein oder einen halben Liter Bier) kann der Frauenkörper pro Tag wegstecken; Männer dürfen das Doppelte. Sagt jedenfalls die Weltgesundheitsorganisation. Die besagten 20 bzw. 40 Gramm täglich gelten zwar nicht gerade als gesund, aber immerhin noch als »risikoarmer Konsum«. Sprich: Der Körper fackelt nicht lange und zerlegt die giftige C2H5OH-Bande in ihre Einzelteile. Die Leber übernimmt dabei die Arbeit als Ausputzer und Mülltrenner. Sie zerlegt den Alkohol in Wasser und CO2. Alles Giftige und Nutzlose wird über Niere, Lunge, Haut wieder nach draußen befördert, aus dem brauchbaren Restmüll wie all den puren und lotterleeren Kohlehydraten wird das fettige Material für einen schönen Bierbauch gewonnen. Es braucht eine Stunde, und dann ist der Körper mit 10 Gramm Alkohol (entspricht ca. 0,15 Promille) fertig. Aber inzwischen wandert der Alkohol unbehelligt ins Blut, überwindet mühelos die Blut-Hirn-Schranke und schwimmt direkt ins Hirnkastel eini, Malefiz! Und beeinflusst so auch schon in geringen Mengen unser Stimmungs-Büffet.
Wir aber überschreiten jetzt die Grenzen des guten Schwipses und kommen zum sogenannten leichten Rausch. Der bewegt sich zwischen 0,5 und 1,0 Promille. (Alle aufgeführten Werte gelten nur für einen gesunden, erwachsenen...
Im Zuge einer Entwöhnungstherapie hörte ich fünf Monate lang Vorträge, ließ mich von Therapeuten auseinandernehmen, diskutierte mit Mitpatienten und las mich durch einige Regalbretter Alkoholismus-Literatur. Und wurde zunehmend unwillig: Die Fachbücher waren mir zu fachlich, die Bücher von Betroffenen zu betroffen und die Ratgeber von Nichtbetroffenen zu anmaßend. Also beschloss ich anmaßend, das ultimative Alk-Buch zu schreiben: Fachlich fundiert, aber verständlich; geschrieben von einem Betroffenen ohne Betroffenheit. Und das alles im Dienste von Aufklärung, Verständnis, Naturwissenschaft und Komik … Im Gegensatz zu den herkömmlichen Ratgebern bietet »ALK« harte Fakten, weich erklärt lustige Skizzen sowie Freude am Thema
Erfahrungen aus erster Hand.
»ALK« ist das Buch für alle, die schon mal einen heben. Und für alle, die schon einen zu viel gehoben haben. Und für alle, die sich mit dem Thema Alkohol beschäftigen müssen. Kurz: das Buch für Genusstrinker, Profi-Trinker, Ärzte, Therapeuten, Winzer, Angehörige, Minderjährige, Getränkelieferanten, Hirnforscher und Penner. Und damit wir uns richtig verstehen: Die Welt ist ein Jammertal, und es steht nirgendwo geschrieben, dass der Mensch den ganzen Rotz ohne kleine Hilfsmittel ertragen müsse. Ich käme auch nicht im Traum auf den Gedanken, jemandem das Recht auf Rausch abzusprechen. Sollten dergleichen Vorwürfe laut werden, weise ich sie schon jetzt zurück. Jeder Mensch sollte das verbriefte Recht auf Ekstase, Entrückung und Verzückung haben. Aber er sollte auch über die möglichen Nebenwirkungen informiert sein. Im Übrigen wünsche ich mir, dass dieses Buch der Völkerverständigung zwischen Trinkern und Nichttrinkern dienen möge.
Hamburg, den 8.9.05
1 › Der Rausch
Von Schwips bis Tod
Doch alle Lust will Ewigkeit –, bzw.: Heute blau, morgen blau
– will tiefe, tiefe Ewigkeit und übermorgen wieder …
NIETZSCHE VOLKSMUND
Die medizinische Fachwelt ist sich einig: Der Rauschzustand ist ein wichtiges Standbein des Alkoholismus. Wer sich mit Alkohol beschäftigt, kommt um den Rausch nicht herum. Erst das profunde Rausch-Verständnis ermöglicht ein Verständnis der Krankheit. Im Folgenden werde ich nun also den komplexen Verlauf von einer ganz normalen Nüchternheit über den Interims-Schwips bis zum Haubitzen-Vollrausch und dem werten Ableben so plausibel beschreiben, dass sogar ein Grundschulkind folgen könnte. Dazu müssen wir zunächst wissen, wie es in uns aussieht. Wer Bescheid weiß, kann weiterblättern. Wer mal Bescheid wusste, kann Wissen auffrischen. Wer noch nie einen Körper von innen gesehen hat, sollte sich die elektronenmikroskopischen Skizzen einprägen und damit bei der nächsten Gelegenheit (Stammtisch/Selbsthilfegruppe/Staatsexamen) herumprahlen.
Nun gehen wir noch weiter rein; nun zum Rausch. Den muss man sich wie eine gewaltige Keilerei unter Neurotransmittern vorstellen, quasi wie eine Art neuronale Wirtshausschlägerei. Wir begeben uns jetzt also ins Allerheiligste, in ein durchschnittliches Hirn, in eine gutbürgerliche, nüchterne Neuro-Kneipe. Nennen wir sie »Zum Oberstübchen«. Dort herrscht geschäftiges Treiben der körpereigenen Substanzen. Aus den Zapfhähnen (Drüsen) quellen Hausmacher-Hormone, Opiate, Morphine, Amine und wie die Stimmungsmacher aus eigener Produktion sonst noch so heißen; hier wird unser sogenanntes »Stimmungs-Büffet« zusammengestellt. Und dieses Stimmungs-Büffet ist üppig: Da gibt es Ärger, Freude, Wut, Lust, Melancholie, Angst, Verzweiflung, Euphorie, Glück, Hochlaune, Tieftrauer, Langeweile, kurz: Kein Anlass, zu dem nicht die entsprechende Spezerei bereitstehen würde. Die Kellner (Botenstoffe, Transmitter) eilen umher und servieren den Gästen (Rezeptoren) den Stoff (Hormone, Morphine etc.). Und wie in jeder gepflegten Kneipe werden hier auch die neuesten Nachrichten ausgetauscht; ständig tauchen Informanten auf und berichten brühwarm über alles, was sich vor der Tür gerade tut (Reize und Reizleitung). Und der Mensch lacht, weint, frohlockt oder grübelt, er fühlt sich pudelwohl oder gähnt oder hat den Blues. So weit aus dem normalen Tagebuch eines nüchternen Mitbürgers. Nun ist der Mitbürger aber unzufrieden mit dem, was das Stimmungs-Büffet heute hergibt. Es kann ja sein, dass ihm gerade zu viel Schmerz oder zu wenig Glück serviert wird, oder ihm ist einfach nur langweilig – und da denkt sich der Mensch: Jetzt etwas Alkohol wäre nicht schlecht! Dann wird es dir anders, vulgo besser ergehen! Schmerzen werden gelindert, Glücksgefühle werden getoppt, und überhaupt könnte etwas Partylaune im Oberstübchen nicht schaden! Der Mensch greift also zum Glase und zimmert sich den Alkohol in die Blutbahn. Und da! Wenig später taucht plötzlich die lustige Rasselbande aus dem Glas im Oberstübchen auf; lauter gut gelaunte C2H5OH-Moleküle dringen in das – noch – geordnete Stübchen ein und sorgen dort für Schabernack. Die munteren Ethanol-Lausbuben belagern die Zapfhähne und treiben ihren Scherz mit den Gästen: Die Trauerklöße bekommen sofort Hausverbot, und während die Stimmungstöter murrend das Feld räumen, bekommen die Gäste, die gerne an den guten Sachen wie Frohsinn und Gutlaune nippen, doppelte Portionen.
Der Fachmann spricht hier von einem Ungleichgewicht beim Austausch der Nervenbotenstoffe. Gewisse Rezeptoren werden blockiert, andere überversorgt. Alkohol wirkt sozusagen als Saboteur und Beschleuniger im Hemmungs-
Erregungs-Kreislauf. Durch Blockaden kommt z. B. die sogenannte anxiolytische Wirkung zustande, will sagen: Wir fühlen uns sauwohl, sorgenfrei und entspannt, weil erregende Substanzen nicht mehr weitergeleitet werden. Nach wiederum anderen Erkenntnissen soll es sogar eigens für die C2H5OH-Hallodris vorgesehene Rezeptoren geben, sodass sie eventuell doch direkt in den Funkverkehr eingreifen, aber hierüber streiten noch die Gelehrten. Bis die Wissenschaft endgültig zu Potte gekommen ist, müssen Sie mit dem sogenannten Boro-Schema vorliebnehmen:
Ein Nerv aus der Ferne gesehen:
Und jetzt nah dran:
Noch näher: 1 Neuron
Die stille schnelle Nervenpost: Transmitter (gibt es in den Modellen CHEMIE und ELEKTRO)
Normale Weiterleitung der Infos Durch Alk blockierte Leitung
Präsynapse Postsynapse
synaptischer Spalt
Ja, so fühlt der Mensch sich wohl, so lässt sich’s leben, ist doch alles halb so wild bzw. ist das Leben nicht schön, hihi, ich will so bleiben wie ich bin auf der Reeperbahn nachts um halb eins und scheiß auf ora et labora! Hier machen wir erst mal einen Punkt und nennen den Status quo »Schwips«.
20 Gramm reinen Alkohol (0,2 Liter Wein oder einen halben Liter Bier) kann der Frauenkörper pro Tag wegstecken; Männer dürfen das Doppelte. Sagt jedenfalls die Weltgesundheitsorganisation. Die besagten 20 bzw. 40 Gramm täglich gelten zwar nicht gerade als gesund, aber immerhin noch als »risikoarmer Konsum«. Sprich: Der Körper fackelt nicht lange und zerlegt die giftige C2H5OH-Bande in ihre Einzelteile. Die Leber übernimmt dabei die Arbeit als Ausputzer und Mülltrenner. Sie zerlegt den Alkohol in Wasser und CO2. Alles Giftige und Nutzlose wird über Niere, Lunge, Haut wieder nach draußen befördert, aus dem brauchbaren Restmüll wie all den puren und lotterleeren Kohlehydraten wird das fettige Material für einen schönen Bierbauch gewonnen. Es braucht eine Stunde, und dann ist der Körper mit 10 Gramm Alkohol (entspricht ca. 0,15 Promille) fertig. Aber inzwischen wandert der Alkohol unbehelligt ins Blut, überwindet mühelos die Blut-Hirn-Schranke und schwimmt direkt ins Hirnkastel eini, Malefiz! Und beeinflusst so auch schon in geringen Mengen unser Stimmungs-Büffet.
Wir aber überschreiten jetzt die Grenzen des guten Schwipses und kommen zum sogenannten leichten Rausch. Der bewegt sich zwischen 0,5 und 1,0 Promille. (Alle aufgeführten Werte gelten nur für einen gesunden, erwachsenen...