Das geheimnisvolle kosmische Geheimnis der Verbindung von zwei, drei Tönen, das für Arvo Pärt so essentiell ist, finden wir auf der CD Alina (1995, veröffentlicht 1999): die Arbeit mit Dreiklängen und einfachen, melodischen Formeln. Es gibt kaum starke Kontraste und die Ausarbeitung des Ganzen ist von imponierender Konsequenz und Strenge.
Anders als andere Kompositionen von Arvo Pärt arbeitet diese CD ganz ohne menschliche Stimme; nur Klavier und Cello bilden die klangliche Grundlage. Die fünf Kompositionen sind Varianten voneinander, sie wiederholen und ergänzen sich wechselweise. Die Töne, in denen sich die Instrumente spiegeln, werden bei jeder Wiederholung um Nuancen näher oder entfernter gegenseitig reflektiert. Der Komponist sagt dazu im Booklet: ch könnte meine Musik mit weißem Licht vergleichen, in dem alle Farben enthalten sind. Nur ein Prisma kann diese Farben voneinander trennen und sichtbar machen; dieses Prisma könnte der Geist des Zuhörers sein.
Mit Alina wollte Arvo Pärt hin zum offenen, durchscheinenden Klang: und dazu musste er jeden einzelnen Ton befragen, was wohl in ihm steckt: an Farbe, Reichtum, Gehalt, Verwandlungskraft. Wir denken unwillkürlich an die Kunst der Andeutung, der zarten akustischen Verweise, der atmosphärischen Ahnungen, an den inneren Klang...
Ihn können wir uns mit Alina beim Hören erträumen.