"Alim der Gerber" kommt als eine fantastische Geschichte in einer exotisch-bezaubernden Welt daher, die besonders seit Band drei zusätzlich mit vielen faszinierenden Kreaturen aufwarten kann. "Alim" ist aber auch eine sehr brutale und dabei doch intelligente Geschichte. Mit historischen Anleihen aus Islam und christlicher Mission wird von religiöser Verblendung und politischer Macht erzählt - durchaus mit Parallelen zu heutigen Themen und Bildern. Zeitweise handeln die Charaktere wie Schachfiguren, die ihren Schicksal nicht entkommen können und den Weg gehen, der ihnen von Anfang an vorgegeben wird. Ob Alim und besonders Khelob am Ende ihr eigenes Schicksal gemeistert haben, oder sich doch nur wieder auf ihre Bestimmung besinnt haben, liegt dabei sicher im Auge des Betrachters, ermöglicht aber zugleich auch mehrere Lesarten des Comics.
Neben der anspruchsvollen Geschichte bietet "Alim der Gerber" auch wunderschöne, detailreiche Zeichnungen. Besonders bezaubernd ist dabei, wie sich Zeichnungen und Farbgebungen immer mehr der Umgebung anpassen. Dabei ist "Alim" recht statisch gezeichnet. Man hat jeweils stehende Bilder und keine Bewebungsabläufe. Der Stil der Charakter-Zeichnungen ist typisch europäisch, wobei sich Zeichnerin Virginie Augustine wieder von zahlreichen Kulturen hat inspirieren lassen, dieses Mal besonders bei den Dschungeln Südamerikas und der Karibischen Inseln.
"Alim der Gerber" ist eine fantastische Fabel, die mit dem vierten Band ihren würdigen Abschluss findet. Nicht alles wird gut, vieles bleibt ungerecht - aber am Ende ist jeder der Charaktere dort, wo er hingehört. Ein wahrer Augenschmaus, der nicht nur Comicfans ansprechen wird.