In "Alim der Gerber" findet man alles, was einen richtig guten Comic auszeichnet. Die Bilder sind unglaublich detailreich gezeichnet, die Coloration perfekt, die Geschichte fesselnd und sowohl spannend als auch humorvoll. Die exotische Welt, in die man hier eintaucht, erinnert an Afrika, trotzdem hat sie ihre ganz eigenen Regeln. Gerade bei der Tierwelt zeigt sich ein durchaus fantastischer Einschlag. So dienen zum Beispiel Brontosaurier-ähnliche Giganten als Reit- und Transporttiere.
Die Geschichte ist ausgesprochen komplex und entwickelt sich immer wieder anders als man es erwartet hätte. Gerade der Zeitsprung am Anfang dieses Bandes kommt überraschend, fügt sich jedoch übergangslos in die Erzählung ein. Dass die kleine Bul hier nicht auftaucht ist ein weiteres, unerwartetes Rätsel, es ist zu erwarten, dass sie im Folgeband noch eine besondere Rolle einnehmen wird. Mit ihr als Figur geht der Geschichte in dieser Episode allerdings allgemein ein wenig ihrer Kindlichkeit verloren. Die Handlung ist an einigen Stellen durchaus dramatisch, verliert sich aber nie in düsterer Stimmung.
Auf der einen Seite geht es um einen Machtkampf zwischen den mächtigsten Herrschern eines Landes, das schließt auch religiöse Fragen ein. Auf der anderen Seite steht Alim, der durchschaut hat, dass die Festen, auf die die Religion baut, keineswegs so fest verankert sind, wie man glauben mag und auf Lügen beruhen. Doch was das für ihn persönlich in letzter Konsequenz bedeuten mag, bleibt noch unklar. Bisher hat ihm dieses Wissen kein Glück gebracht. Man darf also gespannt auf die Fortsetzung dieser außergewöhnlichen Geschichte von Texter Wilfrid Lupano und Zeichnerin Virginie Augustin sein.