Als James Horner und James Cameron 1986 zum ersten Mal an ALIENS zusammenarbeiteten, konnte noch niemand ahnen, daß sie über zehn Jahre später mit TITANIC Filmgeschichte schreiben würden. Und tatsächlich können die Musiken zu ALIENS und TITANIC unterschiedlicher kaum sein. Insbesondere nach dem Erfolg von TITANIC steht James Horner schließlich nicht gerade in dem Ruf, beängstigende Horrormusik zu schreiben. Genau dieses gelang ihm aber Mitte der achtziger Jahre mit ALIENS.
Die Neuveröffentlichung von Varèse Sarabande (hierzulande im Vertrieb von Colosseum Schallplatten) bietet neben einer kompletten klanglichen Überarbeitung über dreißig Minuten bisher unveröffentlichte Musik aus dem Film, die einen viel besseren Einblick in den Facettenreichtum der Komposition und die unheimlichen Momente von Horners musikalischem Schaffen gewährt als es die alte 40 Minuten-Fassung des Soundtracks konnte. Erstmals wird in chronologischer Reihenfolge die komplette Musik präsentiert, wie Horner sie für den Film geschrieben hatte. Am Ende war zwar kaum ein Musikstück in seiner ursprünglichen Fassung in den Film gewandert (geschweige denn in die Szenen, wofür sie geschrieben worden war), aber immerhin wurde Horner mit einer Oscarnominierung entschädigt, den er allerdings erst Jahre später mit TITANIC, seiner zweiten Zusammenarbeit mit James Cameron, gewinnen sollte.
Viel der hier präsentierten Musik ist nicht nur zum ersten Mal auf CD erhältlich, sondern ist überhaupt zum ersten Mal zu hören. Stücke wie "Bad Dreams", "Newt's Horror", "Newt", "Combat Drop" und "The Queen" verschwanden gänzlich aus der Filmmischung und wurden mit Musik aus anderen Szenen ersetzt (oder gar, wie im Falle von "Combat Drop", mit einer Percussion-Komposition von Harry Rabinowitz).
Die Musik ist packend, oft atonal im Stile von Krysztof Penderecki, und gerade in den Actionsequenzen von viel militärischem Schlagwerk geprägt, welches auf energische Weise die Marines in ihrem aussichtlosen Kampf gegen die Aliens repräsentiert.
Als Bonustracks bietet die CD Alternativversionen von "Bad Dreams", "LV-426" und "Hyperspace" sowie die isolierten Percussionspuren von "Ripley's Rescue" und "Combat Drop" für diejenigen Hörer, die nicht genug von militaristischer Percussion bekommen können.
Die CD ist eine faszinierende Ergänzung zu einem Film, der in seinem Genre bereits Klassikerstatus genießt, und eine wunderbare Gelegenheit, mal einen ganz anderen, kompromißloseren Horner kennenzulernen. Der englischsprachige Booklettext von Nick Redman bietet zudem interessante Zusatzinformationen zu den einzelnen Musikstücken.
Eine willkommene Wiederveröffentlichung. Sehr zu empfehlen.