Dass erfolgreiche Filme Fortsetzungen nach sich ziehen, die qualitativ nicht an das Original heranreichen ist der Normalfall. Meist sind diese vergleichsweise billig produziert und nur darauf ausgelegt noch etwas Geld aus dem Nachruhm des Kassenschlagers heraus zu leiern. Bei James Camerons >ALIENS-Die Rückkehr< lag der Fall etwas anders. Das Budget war erheblich höher und das Resultat spielt durchaus in der Oberliga. Die inhaltliche Tiefe des Vorgängers erreicht >ALIENS< jedoch nicht. Dies war aber wohl auch nicht Camerons Absicht.
Zur Handlung: Jahrzehnte nach den Ereignissen auf der Nostromo wird Ripley aus der Rettungskapsel geborgen und auf eine Raumstation nahe der Erde verbracht. Kurze Zeit später wendet sich ein Mitarbeiter des Konzerns an sie: sie soll mit einer Einheit Marines zu dem Planetoiden zurückkehren wo sie und die Besatzung der Nostromo das Alien gefunden hatten. Dieser Planetoid ist mittlerweile seit Jahren besiedelt und nun ist der Funkkontakt zu den Siedlern abgebrochen. Nach kurzem Zögern bricht Ripley mit den Marines auf und der Horror beginnt von Neuem.
Cameron ist mit >ALIENS< ein hocheffektiver Mix aus Action, Sci-Fi und Horror gelungen. Dennoch habe ich einige Kritikpunkte:
Cameron bündelt die perfiden Umtriebe der Company auf die Figur Carter Burke (Paul Reiser), was dem zeitkritischen Aspekt eines nach Allmacht strebenden Konzerns, wie in Scotts >
Alien - Century3 Cinedition (2 DVDs)<, weitgehend die Schärfe nimmt. Auch scheint es Cameron ein Anliegen gewesen zu sein den Androiden zu rehabilitieren, denn im Gegensatz zu Ash scheint Bishop gar nicht so sehr die Interessen des Konzerns zu vertreten. Ist er denn kaputt? Oder haben wir es plötztlich mit einem vollkommen geläuterten Konzern zu tun, der seine Maschinen altruistisch programmiert? Offenbar steckt hinter diesem Film eine völlig andere Weltanschauung.
In Scotts >ALIEN< gab es keine Waffen. Warum sollten Space-Trucker auch Waffen bei sich tragen? Camerons >ALIENS< ist hingegen geradezu eine Leistungsschau imaginärer zukünftiger Waffentechnik. Dass Marines Waffen tragen ist natürlich nicht verwunderlich, dieses ständige aufdringliche Gepose mit den Ballermännern erscheint mir allerdings doch allzu deutlich auf ein pubertierendes männliches Publikum zugeschnitten. Obendrein sind diese Marines ein ziemlich undisziplinierter Sauhaufen.
Mit der, meiner Ansicht nach, verunglückten Einführung einer Alien-Königin veränderte, ja verhunzte, Cameron zudem den ursprünglich fein ausgeklügelten Lebenszyklus der Alien-Kreatur völlig unnötig und auf wenig originelle Weise. Darüber hinaus lässt die Animation der Königin stellenweise sehr zu wünschen übrig. Ihre Laufbewegungungen wirken nicht besonders glaubwürdig, erinnern mich ein wenig an Grobi aus der Sesamstraße, zumal ihre Beinchen für den massigen Körper zu dünn sind und ihr Körper im Lauf nicht im Gleichgewicht ist..
Und schließlich finde ich Ripleys Verhalten gegen Ende des Films recht unglaubwürdig oder doch zumindest hochgradig unvernünftig, um nicht zu sagen dusselig. Welchen Sinn macht es denn in dieser Situation im Nest die komplette Munition zu verpulvern? Aber es brachte dem Film natürlich einen zusätzlichen Knalleffekt.
Paul Reiser (Carter Burke) ist für meinen Geschmack ein etwas zu affektierter Darsteller (und auch die von ihm gespielte Figur Burke verhält sich ziemlich idiotisch). Ansonsten geht die Besetzung in Ordnung. Sigourney Weaver ist auch hier wieder überragend.
Dass Cameron das Alien vervielfältigte finde ich ganz interessant und wirkungsvoll, obwohl es natürlich für eine Fortsetzung naheliegend und nicht sonderlich originell ist.
James Horners Filmmusik ist nicht ganz so subtil ausgefallen wie die von Goldsmith, unterstreicht aber sehr gut die Spannung, die unheimliche Atmosphäre und den militärischen Charakter des auch nicht ganz so subtilen Films (
Aliens (The Deluxe Edition) von James Horner).
Von den ersten drei ALIEN-Filmen gewinnt Camerons Version im Directors Cut wohl am wenigsten an Reiz. Die nachträglich eingefügten Szenen erreichen überwiegend nicht die Qualität des restlichen Films. Die Nachsynchronisierung ist passabel gelungen. Trotzdem ist es interessant den Film auch mal in dieser Version zu sehen.
Die Extras der Century3 Cinedition sind sehr reichhaltig, interessant und informativ. Bild und Ton lassen kaum Wünsche offen.
Alles in allem halte ich >ALIENS< in dieser Edition für eine empfehlenswerte Anschaffung für Leute, die trotz des Genusses des Vorgängers nicht allzu viel erwarten. Packende Unterhaltung bietet der Film allemal.
Die Geschichten der ersten drei Filme der Reihe hat übrigens der amerikanische Science-Fiction-Autor Alan Dean Foster in Romanform niedergeschrieben. Dabei verwendete er auch Teile des Drehbuchs die seinerzeit für die Kinofassungen herausgeschnitten wurden. Seine Erzählungen kommen also den Director's Cuts näher. Die Resultate sind, vor allem für Fans, durchaus lesenswert, wenngleich sie, als Bücher zu den Filmen, eher Merchandising-Charakter haben (
Alien. Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt / Die Rückkehr / Alien III. Die drei Alien- Romane in einem Band. von Alan Dean Foster, Heyne Verlag).