In den letzten 20 Jahren sind die theoretischen und literarischen Produkte der westdeutschen Linken im wesentlichen von Nostalgie, Selbstmitleid und Besserwisserei geprägt gewesen (Ausnahmen bestätigen ... usw.). Christoph Spehr ändert das endlich und gründlich: "Die Äliens sind unter uns" ist die Zusammenfassung der Realität, auf die die Überlebenden gewartet haben, also diejenigen, die trotz überwältigendem Zeitgeist nicht glauben wollen, daß Emanzipation und Befreiung endgültig erledigt sind, auch wenn ihnen grade nichts Originelles mehr einfällt, wie das zu bewerkstelligen sei. Wer noch ab und zu aus seiner Höhle kriecht und einen Blick auf das richtige Leben wirft, erkennt in Christophs bissigen und witzigen Beschreibungen das wieder, was es da zu sehen gibt. Und findet die scheinbar so postmodern unübersichtlichen Strömungen, Gruppen, Personen, Moden, Kulturen usw. in einer ebenso einfachen wie überzeugenden Analyse zugeordnet und mit Begriffen benannt, die nicht nur aussagekräftig und benutzbar, sondern auch noch originell und der linken (Sub)Kultur angemessen sind. Hier handelt es sich um tatsächliche linke Begriffsbildung, nicht um die Erfindung immer neuer und nichtssagender "Bindestrich-Gesellschaften" (Informationsgesellschaft, Risikogesellschaft, Wissensgesellschaft), mit denen die SoziologInnen und PolitologInnen in den letzen Jahren sich bestätigt und uns gelangweilt haben. Aliens, ZivilistInnen, FaschistInnen und der Maquis sind die Gruppen, die die Struktur des Postfaschismus bilden und zu einer von diesen wird man jedeN zugehörig finden, mit der/dem man sich so auseinanderzusetzen hat. Und am Ende kriegt man auch noch eine Idee davon, wo es weitergeht und was vielleicht zu tun sei. Ganz abgesehen davon, daß Christoph Spehr nicht nur feststellt, das Leben mache manchmal Spaß, obwohl wir Postmoderne haben und das zwanzigste Jahrhundert ziemlich unwitzig war, sondern auch beweist, daß auch das Lesen und Überdenken von linker Geschichte, Theorie und Politik mindestens ebenso unterhaltsam (und aufschlußreicher) sein kann wie die neueste Star-Wars-Produktion. Also: Lesen, weitersagen, verschenken, drüber diskutieren und vor allem: weitermachen!