Der kanadische Freak Devin Townsend ist mit "Alien" den richtigen und nötigen Schritt gegangen, indem er den exakten Spagat zwischen dem letzten Album "SYL" und "City" geschaffen hat, der super in die Linie seiner bisherigen Alben mit STRAPPING YOUNG LAD paßt.
Mit einem tierischen Haßbatzen, namentlich "Imperial", beginnt die Scheibe und macht sofort unmißverständlich klar, dass diese Formation auf jeden Fall noch eine Menge zu sagen hat. Drum-Gott Gene Hoglan (DARK ANGEL, TESTAMENT, DEATH) legt mit einem astreinen Blast los und aus den Boxen quillt erneut das musikalische Inferno.
"Skeksis" legt wert auf brutale Midtempohärte, inklusive ersteckten Melodiebögen und Devins unverwechselbaren Gesang.
Danach folgen mit "Shitstorm" (brachial), "Love" (1a headbangkompatibel) und "Shine" (große Melodien) ein paar Nummern, die typisch SYL Maßgeschnitten sind.
Das heftige, kurze Zwischenspiel "We Ride" kommt mit einem erneut super eingängigen Refrain daher und verbindet erneut alle Trademarks dieser Band in einem Song. Einmalig wie Townsend das immer hinkriegt.
Im Anschluß kommt mit "Possessions" ein Track, welcher problemlos auch auf "SYL" hätte stehen können. Eingängig, Mitträllerrefrain und immer die nötige Härte um nicht nach Weichkeks zu klingen.
Auf dieses Stück folgt eine kleine Verschnaufpause namens "Two Weeks". Atmosphärische Keyboard-Teppiche im Hintergrund und Akustikgitarrenfiedelei, dazu Devins wundervoller, klarer Gesang. Sehr schön zur Entspannung; vollkommen ohne Drums oder verzerrte Klampfen.
Dann will uns Townsend reinlegen. Total harmlos beginnt "Thalamus", mit einer taktgebenden Hi-Hat und einer abgedämpften Akustikgitarre, die langsam vor sich hin hackt. Aber es stünde nicht STRAPPING YOUNG LAD drauf, wenn's nicht auch drin wär'. Sehr schnell wandelt sich der Song zu einem Gewaltkracher der einem die Glubscher aus den Höhlen treibt, um vollkommen überraschend wieder in eine abgedrehte Slo-Mo-Atmosphäre überzugehen; alles inklusive der Townsend-typischen, flächendeckenden Keys. Einfach Hammer.
Den Abschluß bildet "Zen", allerdings kann hier von Erlösung keine Spur sein. Eher das Gegenteil ist der Fall. Im Rausschmeißer drehen die Burschen noch mal richtig auf und werfen eine saftige Midtempogranate ins Feld. Fett und ballernd rollt das Teil über einen hinweg; vollkommen abgedrehte Vocal-Arrangements ergänzen diesen Track noch mal zu einem finalen Höhepunkt, der am Ende gar in einem wahren Geschwindigkeitsrausch ausartet. Der absolute Wahnsinn.
Auch wenn ich mit diesem Album ein paar mehr Anläufe benötigt habe als bei den Vorherigen, "Alien" ist abermals eine Wucht geworden und steht den Vorgängern in nichts nach. Wenn's beim ersten oder zweiten Mal also nicht klappt: Mehrmals hören!