Der Titel meiner Rezension ist mindestens so verwirrend wie die Welt, welche Frank Borsch uns schildert:
Erst mal die positiven Sachen zur Erde 2065:
+ die Welt ist sehr dystopisch. Eigentlich geht es den Bach runter und Borsch schafft es, das sehr glaubwürdig zu schildern.
+ gute Ideen: Arbeitslose werden als "Überschussmenschen" in Züge verfrachtet, welche vom Bahnministerium zu Zwangsarbeiten geschickt werden.
+ gute Schlüsse aus aktuellen Entwicklungen: Energiekrise, Ressourcenmangel, Entbehrungen auf allen Ebenen.
Nun aber auch zu den Stellen, wo die Geschichte schwächelt:
- die große Weltmacht lautet: USAA (United States of America and jetzt kommts: Arabia), um ganz ehrlich zu sein, ich musste wirklich fast lachen als ich das gelesen habe. Das die kulturellen Abgründe zwischen diesen beiden "Welten" schon 2020 so überbrückt werden sollen, dass sich beide Blöcke zu einer NATION zusammenschließen, halte ich für mehr lächerlich als interessant.
- Europa wird gar nicht wirklich beschrieben, nur dass es "rückständig" und "barbarisch" sei. Europa ist momentan die vielleicht moralischste Instanz auf der Erde, gemessen an ihren Möglichkeiten und befindet sich mit ihren Unionsbestrebungen eher auf dem aufsteigenden Ast, auch wegen seiner guten Beziehungen sowohl zu der USA als auch zu Russland.
- Eine Demokratie wie Deutschland setzt Arbeitssklaven ein, also bitte!
- Was ist mit der Nato?
- Warum sind China und Indien, DIE aufstrebenden Nationen mit keinem Wort erwähnt und spielen keine Rolle in der Geopolitik?
- Technischer Fortschritt? Gibt es nicht! Technologisch könnte die Welt auch gut in der Gegenwart angesiedelt sein. Schade, da hätte ein wenig mehr kreativität sicher gefallen. Wenn 2060 die Kernfusion immer noch da steckt wo sie heute steckt, obwohl Energie im Buch das zentrale Thema der Politik ist...
Ein weiteres Problem ist, dass die Welt nicht ausreichend geschildert wird. Man findet sich auf einer Erde wieder, die einfach nicht erklärt wird, also hat man keine Ahnung wie eigentlich die Rahmenbedingungen sind. Eine Zeitleiste im Anhang wäre gut gewesen um auf dem neuesten Stand zu sein.
Das Thema an sich finde ich herausragend, spannend und innovativ.
Die sich daraus ergebenden Konsequenzen sind einfach super spannend und gut rüber gebracht.
-> Warum "Shadowrun Earth"?
Die Welt nimmt viele Anleihen bei Shadowrun, was die Kluft zwischen Arm und Reich angeht. Die Energieproblematik, die Macht einzelner Konzerne etc.
-> Warum "Invasion Earth"?
Der Gedanke, dass sich Aliens in Menschenkörpern manifestieren ist sicherlich so alt wie der Mensch selbst. Deswegen hätte ich das Buch auch fast nicht gekauft zuerst.
-> Warum "German Earth"?
Bei deutschen Science Fiction Büchern scheint es meist zum guten Ton zu gehören, Action entweder gar nicht oder nur spärlich einzusetzen. So auch hier. Action gibt-es-eigentlich-sogut-wie-NIE ;-)!
Trotz allem, super Idee, sehr gelungen. Vorallem das Ende. Der Schreibstil ist angenehm und lebendig und hat mich voll überzeugt. Aus der doch etwas konfusen und nicht ganz schlüssigen Welt, hat der Autor einiges raus geholt.
Ich kann es weiterempfehlen für alle, die über die beschriebenen Mängel hinweg sehen können!