Also denn, kommen wir zum Finale der Alien Anthology. Mit Alien - Die Wiedergeburt verhält es sich im Prinzip wie mit Terminator 3. Gemessen an den Vorgängern (hier Alien und Aliens) ist der Film zum Scheitern verurteilt. Doch Resurrection hat mehrere, entscheidende Vorteile, was vor allem am Vorgänger liegt. Hatte Finchers Alienvision mit einem unfertigen Drehbuch, 08/15 Charakteren, einem schlechten CGI-Alien und mangelnden Identifikationsfiguren zu kämpfen, kann Resurrection hier mehr oder minder voll punkten. Ähnlich wie Jonathan Mostow damals mit Terminator 3 hat Jean-Pierre gar nicht erst versucht, Kopien von Scott oder Cameron zu machen oder ihnen gar das Wasser reichen zu wollen. Vielmehr ist Resurrection - losgelöst betrachtet - die Umsetzung eines Stoffes aus den Augen eines ambitionierten Regisseurs, der nicht wie Fincher (bzw. das damalige Script) versucht, ein Abziehbildchen der Vorgänger zu sein.
Zuerst einmal spielt das Drehbuch Mr. Jeunet gut in die Hände. Es geht weg vom braunmatschigen Gefängnisambiente dorthin, wo alles seinen Anfang nahm - in ein Raumschiff. Selbiges ist eine tolle Spielwiese für Jean-Pierre, der auch im Nachfolgewerk "Amelie" gezeigt hat, dass er ein Freund von Perspektiven und Farben ist - auch wenn ich Amelie zum Kotzen finde, das aber nur nebenbei. ;-) Der Look des ganzen Films ist dabei auf Hochglanz poliert, wirkt aber dennoch glaubwürdig und der damaligen Zeit (1997) angemessen. Es ist ein Fest, den Protagonisten durch die Gänge zu folgen und die Flure zu erkunden. Dazu tragen auch Kamera und Ausstattung bei, die erlauben, interessante Spiele mit der Optik und dem Setting zu veranlassen. Richtig toll gefällt mir das Aliendesign. So schön geglibbert, gefaucht, geschmatz und geschlabbert wurde noch in keinem Alien - auch die CGI-Effekte können überzeugen. Das Drehbuch widmet sich endlich wieder dem Titel entsprechend seinen hochintelligenten Killermaschinen, die vom Zuchtvieh zur Gefahr mutieren - und nicht mit Glaubensfragen von uninteressanten Sträflingen.
Nach der fixen, aber dennoch interessanten und teilweise kongenialen Exposition der Figuren (Die Basketball-Sequenz mit Perlman ist einfach großartig eingefangen) geht es auch recht fix ans Eingemachte. Nach dem Ausbruch der Aliens wird sich stilvoll von unnötigen Statisten verabschiedet und dann beginnt der nackte Kampf um's überleben. Die Flucht der Überlebenden rückt somit das erste Mal in den Fokus. Es geht nicht mehr darum, was es ist (Alien), wie viele es sind (Aliens) oder wie man sich möglichst blöd anstellt (Alien3), sondern nur noch, dass man in einem Stück vom Schiff kommt. Dabei gelingen Jean-Pierre einige Situationen, die gemessen an der Intensität und Genialität, teilweise an Scott und Camerons Vorgänger herankommen. Besonders nennenswert ist die Szene, in der Ripley ihre "Vorgänger" entdeckt. Neben den coolen Humanoid-Alien-Modellen treibt mir "Töte mich" immer wieder die Gänsehaut auf den Nacken. Auch die Flucht durch das überflutete Deck ist nervenaufreibend und fast so fesselnd, wie die Erkundung von LV-426. Doch bevor man diese Stellen verinnerlichen und genießen kann, drückt Jean-Pierre meist noch einen "coolen" Spruch hinten dran, der den besagten Szenen oftmals die Intensität raubt. Zwar wird dadurch versucht, den ansonsten sehr gelungenen Stil zu unterstreichen und der Gefahr, Abziehbildchen von Alien(s) zu werden, ein Riegel vorgeschoben - jedoch stößt das nicht immer auf Gegenliebe, wie man hier oftmals an den Kommentaren sehen kann. Ich persönlich find' das angenehm cool und lässig, kann aber verstehen, dass man dadurch Resurrection fehlende Ernsthaftigkeit unterstellt.
Dafür punktet Weaver in ihrer Paraderolle als Ripley, die für Resurrection nur unterschreiben wollte, wenn das Script ihre Figur wieder interessanter macht - und das hat Jean-Pierre definitiv geschafft. Die Zwiespältige Ripley wird so kaltschnäuzig und launisch gespielt, dass man unter ihren eisernen Gesichtszügen die Freude förmlich spüren kann, die Weaver beim Spielen ihrer Rolle gehabt hat. Höhepunkt ist die Stelle, an der Ripley durch das Gitter fällt und sich völlig euphorisch ihren Gefühlen hingibt, während sie mit dem organischen Alienzeugs kuschelt. Wenn dann noch in besagter Zelle I-7 Ripley auf ihre Vorgänger stößt und sie dann ihre menschliche Seite mit Trauer und Wut gleichzeitig zum Besten gibt, dann fühlt man sich fast wieder an die Hochzeiten des Alien-Franchise erinnert.
Natürlich hat die Story auch riesige Lücken. Wieso wird bei der Konstruktion der Käfige nicht darauf geachtet, dass diese Säureresistent sind? Warum werden immer mehrere Aliens in einen Käfig gesteckt? Wieso ist der Sicherheitsknopf mit dem Stickstoff versiegelt? Das sind aber zum Glück so Sachen, über die man sich beim Betrachten des Films kaum Gedanken machen muss. Während die erste Hälfte noch einigermaßen auf Suspense und Exposition abzielt, gibt's danach Action am laufenden Band, bis zum -fast schon klassischen- Showdown.
Was mir nicht gefallen hat und wieso der Film dann deutlich den ersten beiden Filmen unterliegt, ist die Hybridgeschichte am Ende. Dass die Alienmutti jetzt eine Gebärmutter hat, ist eine Sache. Dieses "Ding" ist dann zwar super eklig, aber reisst mich komplett aus diesem Universum raus. Was ... soll das darstellen? Klar, menschliche Gene und so - aber dieser "Mami?" Blick, bevor es aus dem Fenster gezogen wird? Ich bitte dich. Das ist Käse. Dann hätte ich lieber nochmals einen Kampf gegen die Mutter selbst gesehen. Das wäre dan zwar wirklich eine Kopie vom Camerons Werk gewesen, aber lieber ein hochachtungsvoller Knicks vor dem Original, als ... sowas. Und wie unnötig das Ableben des Soldaten am Ende noch reingequetscht (hehe!) wird, ... das hat mir schon an Alien3 nicht gefallen. Trotz allem bleibt Resurrection für mich ein würdiger Abschluss der Alien-Quadrologie, der mich nach dem grausigen dritten Teil mit dem Universum versöhnt aber auch genug Eigenständigkeit und Respekt besitzt, nicht mit den ersten beiden Teilen konkurrieren zu wollen. Ähnlich wie das Mostow auch in Terminator 3 gemacht.