Amazon.de
Wenn mir als Kind jemand ein Buch gegeben hat, das ich un-be-dingt lesen sollte, dann hab' ich es unter Garantie überhaupt nicht angesehen. Auch Alice im Wunderland/Alice hinter den Spiegeln staubte lange in meinem Bücherregal vor sich hin. Irgendwann schlug ich das Buch doch auf und verschwand sogleich zusammen mit der Heldin kopfüber im Kaninchenloch, um im nächsten Augenblick unversehrt und auf beiden Beinen in einer bizarren Phantasiewelt zu landen.
Hier traf man ausgesucht merkwürdige Figuren. z.B. den Märzhasen, mit dem man Tee trinken und die Spielkartenkönigin, mit der man Krocket spielen konnte. Das tolle an den Figuren war, daß sie nicht so langweilig freundlich und nett waren, wie ich es sonst aus Kinderbüchern kannte. Der Märzhase war richtig launisch und Alice hatte ganz schön Mühe, sich gegen ihn durchzusetzen. Das allertollste aber war das Krocketspiel! Die Kugel war ein echter Igel, der sich zusammengerollt hatte und der Schläger ein Flamingo. Immer wenn Alice den Flamingoschläger endlich in die richtige Stellung gebracht hatte, streckte sich der Kugeligel und krabbelte weg. Allein für dieses Bild hätte ich Lewis Carroll umarmen können!
Alice hinter den Spiegeln ist noch bizarrer als sein Vorgänger. Hauptfiguren sind Schachfiguren, die nach echten Schachregeln durch die Geschichte hüpfen. Der König ist so klein, daß ihm schon die Luft wegbleibt, wenn er von Alice vorsichtig auf den Tisch zu den anderen gestellt wird. Es ist eine wundersam süße Mischung aus groß und klein, die dieses Buch so anziehend macht. Hier, hinter den Spiegeln, ist alles quirlig verdreht und bunt. Und auch wenn die Abenteuer von Alice am Ende doch nur ein schöner Traum waren, so bleiben die Bücher von Lewis Carroll doch traumhaft schön! --Anne Hauschild
Über den Autor
Lewis Carroll wurde als Charles Lutwidge Dodgson am 27. Januar 1832 in Daresbury, England als drittes von elf Kindern und ältester Sohn des Pfarrers Charles Dodgson geboren.
Carroll stellte schon als Kind sein mathematisches Interesse unter Beweis, war sehr belesen und verfaßte für sich und seine Geschwister kleine Theaterstücke, um so der engen Welt des Pfarrhauses zu entfliehen. Nach unglücklichen Jahren in einer Privatschule begann er 1850 sein Studium in Oxford am College Christ Church und lehrte dort im Anschluss als Tutor Mathematik. Er entdeckte bald seine Leidenschaft für die Fotografie, später widmete er sich zunehmend auch dem Schreiben, das stark von seiner Liebe zur Logik und Mathematik geprägt war. Er fand insbesondere am Entwerfen von fantasievollen Denkaufgaben und Wortspielen großen Gefallen. An der Universität von Oxford lernte er das Mädchen Alice Liddell kennen, die Tochter des Dekans von Christ Church. Sie gilt als Vorlage und Inspirationsquelle für sein 1865 entstandenes, berühmtestes Werk Alice im Wunderland. Der Roman wurde in mehr als 80 Sprachen übersetzt. Er starb am 14. Januar 1898 in Guildford.