Mein Lieblingsfilm von Wim Wenders. Mancher Roadmovie von ihm war etwas langweilig oder zu intellektuell, dieser hier nicht.
Alice (10) wird von ihrer Mutter (Lisa Kreutzer) alleine in New York gelassen, Rüdiger Vogler ist zufällig in dem Hotel und ist gezwungen, sich um sie zu kümmern. Die Kleine kann sich nicht an die Namen ihrer Familie (Großeltern, Onkel) erinnern. Die Odyssee führt von New York nach Amsterdam, Wuppertal, Ruhrpott (Oberhausen) und schließlich nach München.
Durch das Mädchen muß sich Rüdiger Vogler endlich auf etwas verbindlich konzentrieren, Aufmerksamkeit schenken und aktiv sein. Vorher hatte er eine ziemlich unmotivierte Reise als Fotograf in den USA gemacht, seiner Pflicht Reiseberichte für ein Magazin zu schreiben kam er nicht nach.
Wenn die eigenen Siebziger Jahre so fern nicht empfunden werden: es sind 30 Jahre!, was durch Schwarz/Weiß bewußter wird. Der Film ist einer der schönsten der Nachkriegs Bundesrepublik die ich kenne, deshalb sollte Amazon ihn stets auf Lager haben. Er ist streckenweise etwas langatmig - zugegeben -, hat aber einiges an Humor (das "Ausblasen" der Lichter des Empire State z.B. oder die Konflikte um die Mahlzeiten des Kindes (ihr Argument "Du bist saudoof") und ist durch die Suche durchaus spannend. Trotz dem ständigen Reisen im Auto hat der Streifen durch die typisch langen Einstellungen etwas beruhigendes. Wim Wenders hatte längere Zeit in der Pariser Cinemathek die Ästhetik der alten Stummfilme studiert, streckenweise wird hier kaum geredet, man hört nur entfernt die Geräusche der Städte.